Spiritualität und spiritueller Missbrauch als Thema in der Psychotherapie

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Religion und Spiritualität sind in der Psychotherapie vielleicht das größte Tabuthema überhaupt. In einem Extrem wird der Bereich völlig ignoriert und kommt nie zur Sprache, im anderen wird die Therapie selbst zu einer spirituellen Erfahrung, einem Heilungsritual, umfunktioniert. Die heftigen Kontroversen um die Richtlinien des Gesundheitsministeriums zeigen, wie unterschiedlich Psychotherapeut*innen dieses Thema bewerten.  

Inhalte:

  • In welcher Weise kann/soll der Glaube und die Weltanschauung einer Person Thema in der Psychotherapie sein.
  • Richtlinie des BMG: Abgrenzung der Psychotherapie von esoterischen, spirituellen, religiösen und weltanschaulichen Angeboten
  • Kennzeichen und Auswirkung destruktiver Glaubensbilder und wie können sie in der Therapie verändert werden.
  • Welche Rolle spielen Gurus und spirituelle Leitfiguren. Welche Gruppendynamik, welche Machtstrukturen wirken in vereinnahmenden Gemeinschaften.
  • Was sind die Kennzeichen einer sogenannten „Sekte“ und welche Auswirkung hat diese Struktur auf eine Person. Welche Gründe führen zur Mitgliedschaft, welche zum Ausstieg. Was sind die Folgen für die Wahrnehmung der Welt, der eigenen Person und die psychische Gesundheit und worauf sollte in der psychotherapeutischen Begleitung geachtet werden. In welcher Weise sind Angehörige mitbetroffen, wie können sie unterstützt werden.
  • Welche Unterschiede bestehen zwischen Menschen, die in einer „High Controll Group“ aufgewachsen sind und jenen, die erst als Erwachsene beitreten.
  • Unterschiedliche Glaubenssysteme in der Paarbeziehung
  • Kindeswohl versus Glaubensfreiheit: Mögliche Problemfelder in der religiösen Erziehung von Kindern und Jugendlichen.

Wenn es um Spiritualität geht, finde ich es wichtig, die Position einer lehrenden Person zu kennen:
Ich bin nicht-missionierende Atheistin, sehe Religion/Spiritualität als starke mögliche Ressource aber habe durch meine Arbeit auch eine geschärfte Wahrnehmung für alle Stolpersteine, die sich daraus ergeben können. Ich stehe für eine klare Abgrenzung von spiritueller Begleitung und Psychotherapie.
Methoden: Selbstreflexion, Fachinput, Diskussion von Fallbeispielen

Ulrike Schiesser
Psychotherapeutin (Systemische Familientherapie), Psychologin, Mitarbeiterin der Bundesstelle für Sektenfragen, sowie der Beratungsstelle Courage, in freier Praxis tätig

Ort ÖAS Wien, Eßlinggasse 17/2, 1010 Wien
Datum 21.-22.01.2022 , 15 Einheiten (à 45 min) Fr 17.00 – 21.00 Uhr, Sa 9.00 – 18.30 Uhr
Kosten

€ 200,- für ÖAS-Student*innen
€ 215,- für ÖAS-Mitglieder
€ 230,- für Nicht-Mitglieder der ÖAS