WEITERBILDUNGSREIHE
PROBLEMSPEZIFISCHE SYSTEMISCHE THERAPIE
Folder (pdf)
INHALTE UND ZIELSETZUNGEN
SPEZIELLE MENSCHLICHE PROBLEME
manifestieren sich in mannigfaltigen Symptomen und benötigen
eine jeweils problemspezifische, therapeutische Herangehensweise.
Wie „funktionieren“ die unterschiedlichsten Symptome? Was
ist – bei aller individuellen Unterschiedlichkeit seiner jeweiligen
Ausprägung im konkreten Fall – das „Spezifische“
von Symptomen? Welcher Logik, Struktur und Funktionalität folgen
sie? Wie kann die Fähigkeit von KlientInnen zur Problementwicklung
auch als Fähigkeit und Ressource für dessen Auflösung gesehen
und therapeutisch genutzt werden? Welche (alternativen) Vorgangsweisen
und Methoden bieten sich dabei an? Und welche Auswirkungen haben diese
Fragen auf die therapeutische Beziehung, die Therapiemotivation, auf die
Hoffnung der KlientInnen und auf das therapeutische Setting?
Zur Beantwortung und Diskussion dieser Fragestellungen bieten ÖAS
und la:sf in Kooperation nun erstmalig eine einjährige Seminarreihe
zur „Problemspezifischen, systemischen Therapie“ mit internationaler
Beteiligung an.
ZIELSETZUNG
In 13 Workshop-Tagen stellen österreichische und internationale
TherapeutInnen spezifische Therapiekonzepte und Vorgangsweisen in Einzel-,
Paar-, Familien- und Gruppentherapie bei folgenden Problembereichen vor:
Ängste, Zwänge, Panikattacken, Depression, Burnout und Erschöpfungssyndrom,
Persönlichkeitsstörungen, Essstörungen (Bulimie, Anorexie,
Brechsyndrom), psychosomatische Störungen (Asthma, Neurodermitis,
Reizdarm, Keuchhusten, usw.), chronischer Schmerz, Suchterkrankungen,
posttraumatische Belastungsstörungen sowie ADHS, Schul- und Leistungsverweigerung
und andere Problembereiche in der Arbeit mit Kindern, Jugendlichen und
ihren Familien.
ZIELGRUPPE
Die 13-tägige Workshopreihe ist als Ergänzung für
bereits ausgebildete, systemische TherapeutInnen (bzw. PsychotherapeutInnen
anderer Schulen mit systemischen Vorkenntnissen) sowie für AusbildungskandidatInnen
(im Status PsychotherapeutIn in Ausbildung unter Supervision) konzipiert,
und wird in Kooperation von ÖAS und la:sf durchgeführt.
VORTRAGENDE
Reinhold Bartl (Ö), Dezsö Birkas (H), Helmut Bonney
(D), Mony Elkaim (B), Stefan Geyerhofer (Ö), Ilka Hoffmann (D), Roberta
Milanese (I), Giorgio Nardone (I), Martin Ritsch (Ö), Christoph Thoma
(Ö), Carmen Unterholzer (Ö), Tiziana Verbitz (I)
ORGANISATION UND FACHLICHE LEITUNG
Christoph Thoma (la:sf) und Stefan Geyerhofer (ÖAS)
DAUER
September 2011 bis September 2012 (13 Seminartage in 6 Modulen)
VERANSTALTUNGSORTE
IST – Institut für Systemische Therapie
1010 Wien, Am Heumarkt 9/2/22, Tel: (01) 714 38 00, office@ist.or.at,
www.ist.or.at
la:sf – Lehranstalt für systemische Familientherapie
1130 Wien, Trauttmansdorffgasse 3a, Tel: (01) 478 63 00, office@la-sf.at,
www.la-sf.at
ÖAS – Österreichische Arbeitsgemeinschaft für systemische
Therapie und systemische Studien
1010 Wien, Gonzagagasse 11/3/19, Tel: (01) 212 41 35, office@oeas.at,
www.oeas.at
ORGANISATION
INFORMATION
Alle Informationen zu den Inhalten der einzelnen Workshops, zu den Vortragenden
und zu den Kosten finden Sie auch auf den Webseiten von ÖAS (www.oeas.at)
und la:sf (www.la-sf.at). Für Fragen zur Veranstaltungsreihe steht
Ihnen das Sekretariat unter Telefon (01) 478 63 00 bzw. E-mail office@la-sf.at
zur Verfügung. Fachliche Fragen richten Sie am besten direkt an die
Organisatoren der Reihe Dr. Christoph Thoma (www.iskam.at) und Mag. Stefan
Geyerhofer (www.geyerhofer.com).
ÜBERSETZUNG
Die 4 Workshops der nicht deutschsprechenden Vortragenden werden übersetzt.
ANMELDUNG UND BUCHUNGSARTEN
1. Die Workshops sind als gesamte Reihe buch- und absolvierbar.
2. Es besteht die Möglichkeit einer Teambuchung (eine übertragbare
Karte für die gesamte Reihe – für mehrere KollegInnen
oder ein Team).
3. Alle Workshops sind auch einzeln buchbar. Die maximale TeilnehmerInnenzahl
variiert je nach Seminartag, eine rasche Anmeldung wird empfohlen!
Anmeldung bitte nur im la:sf-Büro: Telefon (01) 478 63 00, E-mail
office@la-sf.at
Achtung: KollegInnen, Gruppen und Teams, die die gesamte Reihe buchen,
werden erst-gereiht und haben einen fixen Platz. Restplätze werden
anschließend an Einzelbucher-Innen vergeben.
Die Absolvierung des gesamten Lehrgangs wird mit einem Abschlusszertifikat
von ÖAS und la:sf bestätigt.
KOSTEN
Gesamte Reihe: € 1.490,– (€ 1.350,– bei Buchung
bis 1. 6. 2011)
Einzelworkshops: € 175,– (€ 150,– für AusbildungskandidatInnen
mit Status in Ausbildung unter Supervision)
ANMELDUNG
Die Anmeldung ist erst gültig nach Einzahlung auf das Konto der la:sf,
Erste Bank
095-03234, BLZ 20111. Anmeldung und Rücktritt von der Seminarreihe
bzw. Semi-nartagen bis zu 1 Monat vor Seminarbeginn möglich, danach
wird der Seminarbeitrag zur Gänze einbehalten. Eine Refundierung
ist nur durch die Nennung einer ErsatzteilnehmerIn möglich. Vorbehaltlich
Absage der Seminarreihe durch die Veranstalter bei Nichterreichen der
notwendigen TeilnehmerInnenzahl einen Monat vor Beginn.
SEMINARINHALTE IM DETAIL
MODUL A
WS 1: Freitag, 2. September 2011, 9.00–18.00 Uhr in der
ÖAS
Grundlagen problemspezifischer, systemischer Therapie
(Stefan Geyerhofer, Wien)
Spezielle menschliche Probleme manifestieren sich in mannigfaltigen Symptomen
und benötigen eine jeweils problemspezifische, therapeutische Herangehensweise.
Die Frage, wie in menschlichen Systemen Probleme „erschaffen“
und aufrechterhalten werden, stellt eine zentrale Prämisse unseres
therapeutischen Handelns dar. Unsere eigenen Hypothesen, die Erklärungen
unserer KlientInnen und die genaue Analyse der versuchten Lösungen
des Problemsystems spielen dabei eine zentrale Rolle. Wie können
wir dieses „Wissen“ zieldienlich, also für das von KlientInnen
geäußerte Anliegen der Problemlösung/Symptombeseitigung
nutzen?
Wie „funktionieren“ die unterschiedlichsten Symptome? Was
ist – bei aller individuellen Unterschiedlichkeit seiner jeweiligen
Ausprägung im konkreten Fall – das „Spezifische“
von Symptomen? Welcher Logik, Struktur und Funktionalität folgen
sie? Wie kann die Fähigkeit von KlientInnen zur Problementwicklung
als Fähigkeit und Ressource für dessen Auflösung gesehen
und therapeutisch genutzt werden? Und welche Auswirkungen haben diese
Fragen auf die therapeutische Beziehung, die Therapiemotivation, auf die
Hoffnung der KlientInnen und auf das therapeutische Setting?
Der Workshop soll diese grundlegenden Fragen erörtern und erste praktische
Implikationen auf die Therapie von KlientInnen mit Ängsten, Depressionen,
Essstörungen, Burnout und auf die Arbeit mit schwierigen Jugendlichen
aufzeigen. Exemplarisch soll damit auch ein Ausblick auf die weiteren
Workshops der Reihe geboten werden.
WS 2: Samstag, 3. September 2011, 9.00–18.00 Uhr in der
ÖAS
Man darf nicht alles glauben was man spürt: Systemische Kurztherapie
bei Angststörungen (Christoph Thoma, Amstetten)
Systemische TherapeutInnen therapieren keine „Angststörung“,
sondern sie kreieren gemeinsam mit den KlientInnen neue Zusammenhänge
rund um das aufgetretene Phänomen und nutzen die Kraft des Symptoms
und die Wahrnehmungs- und Vorstellungsfähigkeit der KlientInnen zur
Realisierung von alternativen Erfahrungen.
In diesem Seminar werden Möglichkeiten dieses gemeinsamen Prozesses
des „Ent-Angstens“ vorgestellt und anhand von Fallbeispielen
demonstriert.
Seminarinhalte im Detail:
- Kurze Phänomenologie des „Angstens“
- Logik und Struktur von Angstdynamiken
- Was hält Angstdynamiken aufrecht? Angst als in der Gegenwart
erzeugtes, zukunftsgerichtetes Phänomen zwischen Hoffen und Bangen
- Alternative Problembeschreibung als erstes therapeutisches Ziel: die
„Symptomsprache“ der Angst
- Arbeit mit alternativen Erklärungen und Bedeutungsgebungen
- Die Einführung der Idee des Beteiligtseins an der Erzeugung des
Phänomens bei KlientInnen: die therapeutische Technik des „Ent-Angstens“
- „Und dann?“ – Denken wir das Undenkbare: die Technik
des „Tagträumens“
- Angst/Nervosität/Unsicherheit: die notwendige Differenzierung
künftiger Phänomene
- Die Nutzung der Kraft der Angst: „Fear against fear“ (die
„Katastrophenfrage“)
- Umgang mit bisherigen und gegenwärtigen Lösungsversuchen
der KlientInnen („Das Vermeiden vermeiden“)
- Neue Wahrnehmungsfokussierung: die „Symptome von Gesundheit
(Sicherheit)“
- Strategische Hausaufgaben
- Der klassische systemische Blickwinkel: Angst als beziehungsgestaltendes
Phänomen u.a.
MODUL B
WS 3: Donnerstag, 17. November 2011, 9.00–18.00 Uhr in
der la:sf
Unübliche Therapien für unübliche Problembereiche:
Die Weiterentwicklung spezifischer Therapiemethoden für Zwänge
und Persönlichkeitsstörungen (Giorgio Nardone, Arezzo)
Auch extrem schwierige Probleme erfordern nicht unbedingt eine langwierige
stationäre Behandlung oder andere komplizierte und teure Therapien.
Nardone und sein Team konnten zeigen, dass es Behandlungsformen gibt,
die effektiv und in kurzer Zeit viele, auch schwierige psychische Probleme
dauerhaft lösen helfen. Auch im deutschsprachigen Raum sind Nardones
Arbeiten zur Therapie von Ängsten, Zwängen, Panikattacken und
zu Essstörungen bereits bekannt. In diesem Workshop wird er auf die
neuesten Entwicklungen in der Therapie von Zwangsstörungen eingehen
und den TeilnehmerInnen strategische Dialoge genauso vorstellen wie spezifische
Interventionen bei Zwangshandlungen, Zwangsritualen oder Grübelzwängen.
Wir haben Giorgio Nardone außerdem eingeladen, uns im zweiten Teil
des Workshops einen ersten Einblick in seine jüngsten Arbeiten zur
Therapie von selbstverletzendem Verhalten und bei Persönlichkeitsstörungen
zu geben.
WS 4: Freitag, 18. November 2011, 9.00–18.00 Uhr in der
la:sf
Arbeiten mit inneren Bildern – am Beispiel systemischer Kurzzeittherapie
chronischer Schmerzen (Ilka Hoffmann-Bisinger, Berlin)
Wenn Menschen an chronischen Schmerzen leiden, können erfolgreiche
Strategien zur Unterbrechung des Teufelskreises problemerhaltender Muster
für die psychotherapeutische Praxis sehr hilfreich sein. In ihrem
Workshop stellt Dr. Ilka Hoffmann-Bisinger – nach einer Einführung
in das Phänomen „chronischer Schmerz“ – eine neue
Methode zur Unterbrechung dieser destruktiven Zirkel vor. Im Vordergrund
der „Explizit Analogen Interventionen in der Systemischen Kurzzeittherapie“
(EAI Kurzzeittherapie) steht die bewährte Idee der Musterunterbrechung
(Watzlawick et al.): Halten die bisherigen (erfolglosen) Lösungsversuche
das Problem „lebendig“, ist es hilfreich, das „alte“
Muster zu unterbrechen und eine andere Richtung einzuschlagen. Neu und
zentral an dem von Dr. Ilka Hoffmann-Bisinger entwickelten Ansatz ist
jedoch, dass das Konzept der Musterunterbrechung in den Kontext des therapeutischen
„Nicht-Expertentums“ verlagert wird: unter Veränderung
der Rolle der TherapeutIn werden die problemerhaltenden Muster durch die
KlientIn selbst unterbrochen. Ermöglicht wird dies durch die Fokussierung
auf und die Aktivierung von Ressourcen in Form von inneren Bildern. Wie
dies im Einzelnen gelingen kann, welche Reihenfolge therapeutischer Schritte
sich dabei bewährt hat und wie sich der Ansatz in der Therapie anderer
Probleme anwenden lässt, ist Inhalt dieses Workshops.
„Erstaunlich wie das funktioniert, ohne dass Sie mir etwas überstülpen,
aber dennoch den Prozess vorantreiben!“ (Kommentar einer Klientin
zu diesem Ansatz)
Inhalte:
n Die therapeutische Grundhaltung
n Problemerhaltende Muster identifizieren und unterbrechen
n Die kreativen Möglichkeiten der analogen Ebene
n Analoge Prozesse begleiten, statt Inhalte interpretieren
n Implizites Wissen für Lösungen nutzen
Im Workshop steht das schrittweise Erlernen der Arbeit mit inneren Bildern
im Vordergrund. Hierzu werden die für die Praxis relevanten theoretischen
Grundlagen und das methodische Know-how abwechselnd mit praktischen Einzel-
oder Kleingruppenübungen vermittelt.
WS 5: Samstag, 19. November 2011, 9.00–18.00 Uhr in der
la:sf
Theorie und Praxis lösungswirksamer Hilfestellungen für Kinder
und Familien in ADHS-Konstellationen (Helmut Bonney, Heidelberg)
Die Entwicklung und vermutete Ursache der ADHS ist seit gut 20 Jahren
in aller Munde. Von der belegten Wirksamkeit des Einsatzes von Stimulanzien
(Ritalin® und ähnliche Arzneien) bei einem hohen Prozentsatz
der ADHS-Betroffenen wird seit den 40er Jahren des 20. Jahrhunderts auf
zentralnervöse Besonderheiten bei diesen verhaltensauffälligen
Kindern geschlossen. Mittlerweile berücksichtigen die neuen europäischen
Richtlinien der ADHS-Behandlung die Bedeutung der psychotherapeutischen
und pädagogischen Interventionen: Stimulanzien sind erst dann zu
verordnen, wenn Psychotherapie und Pädagogik keine ausreichende Wirkung
gezeigt haben.
Was können PädagogInnen und TherapeutInnen leisten, wenn es
um ADHS geht?
Die alltägliche Praxiserfahrung des Referenten belegt, welche pädagogischen
und psychotherapeutischen Strategien zur Lösungsentwicklung bei ADHS-betroffenen
Kindern und deren Familien unter Einbeziehung der schulischen Gegebenheiten
geeignet sind. Im Rahmen des Weiterbildungstages erfahren die TeilnehmerInnen,
warum und mit welchen Methoden die spezifischen Verhaltensauffälligkeiten
der betroffenen Kinder zu beeinflussen sind. Berücksichtigung finden:
n Neurobiologische Hypothesen
n ADHS-spezifische Entwicklungsmodalitäten
n Erziehungsstil (vom Sprechen zum Handeln)
n Familienorientierte Interventionen
n Individuelle Hilfestellungen für das betroffene Kind (u.a. computergestütztes
Training)
n Gestaltung des Alltags und der schulischen Realität
Die Indikationen und Möglichkeiten für vorbeugende Maßnahmen
werden dargelegt.
MODUL C
WS 6: Freitag, 13. Jänner 2012, 9.00–18.00 Uhr im
IST
Das Potenzial der Gruppe nutzen: Systemisch-problemorientierte
Gruppentherapie (Carmen Unterholzer, Wien)
Mit Gruppen zu arbeiten hat viele Vorteile: die Vielfalt der Sichtweisen,
die unterschiedlichen Veränderungsstufen der TeilnehmerInnen, ihre
reichhaltigen Ressourcen. Die unterschiedlichen Perspektiven und Potenziale
machen die Gruppentherapie zu einem besonders effizienten Verfahren. Was
gilt es bei systemisch-problemorientierter Gruppentherapie zu beachten,
damit die Vielfalt zu einer produktiven Veränderung führen kann?
Wie können in Gruppen die Faktoren, welche die Probleme der KlientInnen
aufrechterhalten, und bisherige Lösungsversuche analysiert und verändert
werden? Welche Interventionen haben sich in Gruppen bewährt? Fragen
wie diese und viele andere werden uns in diesem Workshop begleiten. Beispiele
aus der Praxis illustrieren die konkreten Vorgangsweisen.
WS 7: Samstag, 14. Jänner 2012, 9.00–18.00 Uhr im
IST
Systemische Ansätze in der Psychosomatik – an den Beispielen
Reizdarm, Asthma, Heuschnupfen, Kopfschmerz und Atopische Ekzeme
(Dezsö Birkas, Budapest)
Der ungarische Psychiater und Psychotherapeut Dezsö Birkas stellt
in seinem Seminar systemische Modelle von psychosomatischen Problemen
wie Neurodermitis, Heuschnupfen, Asthma, Reizdarm und Kopfschmerzen vor.
Er thematisiert dabei ausführlich wesentliche „erschaffende“
und aufrechterhaltende Mechanismen von psychosomatischen Problemen aus
systemischer Sicht. Charakteristische familiäre Kommunikations- und
Wahrnehmungsmuster der Betroffenen werden als Ansatzpunkte genommen, um
die psychosomatische „Sichtweise“ zu verändern. Birkas
demonstriert Interventionsmöglichkeiten, die die versuchten Lösungen
der Betroffenen und der Angehörigen als Ausgangspunkt haben und die
auf aktuellen Forschungsergebnissen basieren. Da die momentane körperliche
und geistige Verfassung psychosomatischer PatientInnen hauptsächlich
durch die Intensität ihrer körperlichen Symptome bestimmt wird,
steht im Mittelpunkt des Seminars die therapeutische Sprache im Körperkontext.
MODUL D
WS 8: Freitag, 23. März 2012, 9.00–18.00 Uhr in der
la:sf
Systemische Therapie bei Essstörungen (Roberta Milanese, Mailand)
Essstörungen gehören zu jenen Problembereichen, die sich rasch
entwickeln und an die Veränderung von Individuen aber auch Gesellschaften
anpassen. Die Forschungsgruppe „Essstörungen“ am CTS
in Arezzo hat 1993 begonnen, neben Bulimie und Magersucht auch die Brechsucht
(Erbrechen) zu untersuchen, ein Krankheitsbild, das mit 65% einen Großteil
der heute auftretenden Essstörungen ausmacht und oft in Verbindung
mit Anorexie und Bulimie auftritt oder sich daraus entwickelt. Erbrechen
wird von KlientInnen als Lösungsversuch und Möglichkeit entdeckt,
Gewicht zu reduzieren oder eine Gewichtszunahme zu verhindern und entwickelt
sich erst danach zu einem oftmals lustbetonten Ritual. Eben dieser Lustgewinn
aus dem ritualisierten Ess- und Brechverhalten verleitet zu zwanghaften
Wiederholungen.
Der Workshop soll die Möglichkeit geben, das eigene Verständnis
der Logik von Bulimie und Erbrechen zu erweitern, verschiedene Kategorien
dieser Störungsbilder identifizieren zu können und darauf aufbauend
gezielte Fragetechniken, Kommunikations- und Beziehungsmuster und Interventionen
kennenzulernen und zu üben. Zum Abschluss soll noch auf die spezifische
Therapie der Magersucht eingegangen werden.
WS 9: Samstag, 24. März 2012, 9.00–18.00 Uhr in der
la:sf
Gesichter der Depression (Tiziana Verbitz, Udine)
Das Wechselspiel von Praxis und Forschung steht seit Beginn der Arbeiten
des Centro di Terapia Strategica (CTS) in Italien im Vordergrund. So konnten
über die Jahre gezielte Interventionen zu verschiedensten Störungsbildern
entwickelt und evaluiert werden, u.a. zur Depression. Ein erster Schritt
dabei ist ein genaues Verständnis der Logik der Depression, erst
dann können spezifische Interventionen entwickelt werden.
Depression wird als eine Störung basierend auf dem Wegfallen einer
sehr rigiden Prioritätensetzung verstanden. Das „Perceptive
Reactive System“ (PRS) der Depression wird durch die charakteristische
Lösungsstrategie der Aufgabe bestimmt. Die völlige Aufgabe ersetzt
den Glauben und die Hoffnung und wird zu einer ähnlich rigiden und
dysfunktionalen Glaubenslehre. Mit Hilfe von strategischen Dialogen und
gezielten Interventionen lassen sich nicht nur verschiedene Arten der
Depression erkennen und beschreiben, sondern sie lassen KlientInnen auch
die ursprünglichen Glaubenssätze vor Augen führen. Gleichzeitig
erleben KlientInnen neue, alternative und funktionellere Lebensmotive,
die eine Veränderung wahrscheinlicher und oft sogar unvermeidbar
machen. Besonderes Augenmerk wird in diesem Workshop sowohl auf die spezifischen
Interventionen als auch auf die Bedeutung der passenden Beziehungsgestaltung
zwischen KlientInnen und TherapeutInnen gelegt.
MODUL E
WS 10: Freitag, 11. Mai 2012, 9.00–18.00 Uhr in der la:sf
Körperwissen und Intuition – ein „kluger Aufruf“!?
Hypnosystemische
Beiträge zum entwicklungsförderlichen Umgang mit Suchtphänomenen
und leidvoll-körperlichen Symptomatiken (Reinhold Bartl, Innsbruck)
PsychotherapeutInnen werden in einer orientierungsvielfältigen Zeit
vermehrt von Menschen angefragt, die erhebliche körperliche Symptomatiken
und/oder Suchtphänomene beschreiben. Angst- und Panikerkrankungen,
Abhängigkeitserleben, Bulimie, Erschöpfungsdepression, Burnout,
chronische Entzündungen sind nur einige Beispiele dafür.
Gemeinsam ist diesen Symptomen, dass heilsame und entwicklungsförderliche
Haltungen und Ideen nicht der Welt des kognitiv-rationalen Denkens allein
entstammen können. Vielmehr benötigen diese Menschen vermehrt
wieder einen Zugang zu ihrer Intuition und dem Wissen des Körpers
über wesentliche Anliegen und die Gestaltungsmöglichkeiten dafür.
In diesem Seminar werden unter Nutzung systemischer und hypnotherapeutischer
Zugänge einige praxisnahe Möglichkeiten angeboten, wie Menschen
relativ rasch und nachhaltig auch leidvolles (Körper-)Erleben und
Abhängigkeiten wieder in „annehmbare“ und für ihre
Lebensgestaltung „kluge“ Formen übersetzen können.
Die TeilnehmerInnen des Seminars erhalten die Erlaubnis, die angebotenen
Inhalte im Zweifel auch für das eigene Wohlbefinden zu nutzen.
WS 11: Samstag, 12. Mai 2012, 9.00–18.00 Uhr in der la:sf
Resonanz: Wie wir als TherapeutInnen unsere eigenen Gefühle für
die
Therapie mit Paaren und Familien nutzbringend verwenden können
(Mony Elkaim, Brüssel)
Gefühle sind unausweichlich in jedem therapeutischen Prozess vorhanden
und mitbeeinflussen eben diesen Prozess stark. Die Gefühle von TherapeutInnen
im Prozess der Therapie haben viel mit ihr/ihm als Person, seiner/ihrer
eigenen Geschichte zu tun. Sie haben außerdem eine nicht unwesentliche
Funktion für das therapeutische System. Der Workshop soll die TeilnehmerInnen
befähigen, diese ihre/seine eigenen Gefühle als Unterstützung
und nicht als Fallstricke zu sehen und Wege aufzeigen, sie hilfreich in
die Therapie einzubringen. Anwendungsmöglichkeiten in der Arbeit
mit Paaren und Familien werden demonstriert und geübt.
MODUL F
WS 12: Freitag, 7. September 2012, 9.00–18.00 Uhr in der
ÖAS
Schreibtherapeutische Techniken für die systemische Praxis
(Martin Ritsch, Innsbruck)
Schreibtherapeutische Methoden sind effiziente Werkzeuge für die
psychotherapeutische Praxis und ermöglichen KlientInnen, selbstbestimmt
und effektiv an sich zu arbeiten. In diesem Workshop geht es zunächst
darum, unterschiedliche theoretische Ansätze zum Einsatz schreibtherapeutischer
Methoden in der Praxis vorzustellen und mit der systemischen Theorie und
dem kurzzeitstrategischen Ansatz in Verbindung zu bringen. Anhand von
Beispielen werden die Einsatzmöglichkeiten und die Wirksamkeit der
Methoden aufgezeigt.
Mit kurzen Übungen soll der Einsatz von schreibtherapeutischen Methoden
selbst erfahrbar gemacht werden. Im Speziellen wird auf das PRS (Perceptive
Reactive System) der Posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS) eingegangen
und die einzelnen Schritte einer schreibtherapeutischen Behandlung detailliert
dargestellt. Im Weiteren werden unterschiedliche Vorgehensweisen im Hinblick
auf verschiedene Einsatzgebiete und Diagnosen (Burnout, Depression und
Sucht) vorgestellt.
WS 13: Samstag, 8. September 2012, 9.00–18.00 Uhr in der
ÖAS
Burnout und Erschöpfungssyndrom aus systemischer Sicht
(Stefan Geyerhofer, Wien)
Leer, erschöpft, ausgebrannt, keine Energie mehr für Arbeit,
Freunde, Familie und das Gefühl, sich mehr und mehr von anderen zu
distanzieren. Burnout ist ein Phänomen, mit dem PsychotherapeutInnen
und SupervisorInnen in zunehmendem Maße konfrontiert sind. Längst
sind es nicht mehr ausschließlich Menschen in „Helfenden Berufen“,
die den Rand der emotionalen Erschöpfung erfahren oder auch darüber
hinaus blicken, obwohl diese nach wie vor besonders gefährdet sind.
Dieses Seminar soll Möglichkeiten zur eigenen Burnout-Prävention
aufzeigen und gleichzeitig praxisnahe Möglichkeiten für die
Unterstützung Betroffener im Rahmen von Psychotherapie und Supervision
zusammenfassen. Nach einer Einführung in die Theorie eines systemischen
Verständnisses von Burnout werden konkrete Interventionen und ihre
Anwendung in Therapie, Supervision und Coaching vorgestellt.
Inhalte im Detail:
n Was ist Burnout? (Definition, Geschichte, Anzeichen, Symptome und Phasen)
n Was brennt uns aus? (Erfahrungsberichte, Ursachen und aufrechterhaltende
Bedingungen – eine systemische Analyse)
n Burnout verhindern (Präventionsmöglichkeiten in der Praxis)
n Hilfe für Betroffene (Anleitungen für die Praxis in Psychotherapie,
Supervision und Coaching)
n Evaluationsmöglichkeiten und Analyse betrieblicher und persönlicher
Faktoren von Burnout im Rahmen von Psychotherapie und Supervision
17.00 Uhr: Feierlicher Abschluss der Workshopreihe Zwischen Problem
und
Lösung: Zur Integration systemischer Therapieansätze in der
Praxis
(Christoph Thoma und Stefan Geyerhofer)
Zum Abschluss der Workshopreihe veranschaulichen die beiden Organisatoren
in einem kurzen Vortrag eine sinnvolle Integration problemspezifischer,
systemischer Therapieansätze mit anderen systemischen Ansätzen.
Die Überreichung der Abschlusszertifikate an alle jene TeilnehmerInnen,
Teams oder Gruppen, die die gesamte Reihe besucht haben, leitet zum feierlichen
Ausklang der Workshopreihe über.
TRAINER/INNEN
REINHOLD BARTL, Dr. Psychologe, Psychotherapeut, Ausbildner für
systemische Psychotherapie und Ericksonsche Hypnose, Leiter des Milton
Erickson Instituts in Innsbruck. Arbeitet als niedergelassener Psychotherapeut
mit dem Schwerpunkt auf der Behandlung von Menschen mit „psycho-somatischen“
Symptomen und Suchtproblematiken sowie als Coach von Führungskräften
und SportlerInnen.
DESZOE BIRKAS, Adj. Prof. Dr. Psychiater und systemischer Psychotherapeut
an der Semmelweis-Universitätsklinik in Budapest, Leiter der Phobieklinik
der Universität, Lehrbeauftragter für systemische Therapie,
Direktor des Instituts für systemische Therapie in Budapest und Adj.
Prof. an der Webster University in Wien.
HELMUT BONNEY, Dr. Facharzt für Kinderheilkunde mit kinderneurologischer
Spezialisierung, Facharzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie,
Psychotherapeut (tiefenpsychologisch fundiert), systemischer Familientherapeut
(DGSF). Leiter des Systemischen Seminars Heidelberg und Autor diverser
Einzelarbeiten und bislang dreier Bücher zu kinderpsychiatrischen
Fragestellungen mit den Schwerpunkten Familientherapie und differenzierte
Analyse und Behandlung von Aufmerksamkeitsstörungen.
MONY ELKAIM, Dr. Neurologe, Psychiater und Psychotherapeut, Direktor des
Instituts für menschliche Systeme und Familien in Brüssel, Lehrbeauftragter
an der Freien Universität Brüssel, Konsulent der Abteilung für
Psychiatrie des Erasmus Spitals, eh. Präsident der European Family
Therapy Association EFTA, Präsident des EAP und international bekannter
Autor und Vortragender.
STEFAN GEYERHOFER, Adj. Prof. Mag. Klinischer Psychologe, Gesundheitspsychologe,
systemischer Psychotherapeut, Lehrtherapeut an der ÖAS, Mitbegründer
des Instituts für systemische Therapie (IST) in Wien und Adj. Prof.
für Psychologie an der Webster University, Gründungs- und Vorstandmitglied
des „European Network for Systemic and Strategic Brief Therapy“.
www.geyerhofer.com
ILKA R. HOFFMANN-BISINGER, Dr. Diplom-Psychologin, systemische Therapeutin
(SG), Lehrtherapeutin (SG), freiberuflich tätig in eigener Praxis
als systemische Therapeutin, Supervisorin und Coach, als Lehrtherapeutin
am Institut für systemische Impulse und Ausbildung in Berlin sowie
als Lehrbeauftragte (FH-Frankfurt am Main; WiB/Uni Potsdam).
ROBERTA MILANESE, Dr. Psychologin, Psychotherapeutin, Direktorin des
Centro di Terapia Strategica (CTS) in Mailand, unterrichtet Psychotherapie
und Psychologie am CTS in Arezzo und Padua, Co-Autorin zahlreicher Bücher
und Artikel über Essstörungen.
GIORGIO NARDONE, Prof. Dr. Klinischer Psychologe, Psychotherapeut, Direktor
des Centro di Terapia Strategica in Arezzo, Professor für Psychotherapie
an der Universität von Siena, Autor zahlreicher Bücher zu Angststörungen,
Zwängen und Essstörungen, Gründungs- und Vorstandmitglied
des „European Network for Systemic and Strategic Brief Therapy“.
www.giorgionardone.it
|