Editorial |
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Liebe Leserinnen und Leser!
Schon mal was von Lisa Randall gehört? Sie ist die erste Professorin für Theoretische Physik in 370 Jahren Harvard und beschäftigt sich mit Parallelwelten, die sie für so anders hält, dass wir sie uns kaum vorstellen können: „Vielleicht gibt es zehn Zentimeter entfernt von uns eine Welt mit völlig eigenen Gesetzen, ohne dass wir sie wahrnehmen.“ (Die Zeit, Nr. 46, 9. Nov. 2006) Randall spricht davon, dass sie sich manchmal selbst gerne in eine Parallelwelt begeben möchte, wenn Sie realisiert, dass es immer noch Kollegen gibt (wie sie es vor kurzem in Amsterdam erlebte), für die es unvorstellbar ist, dass ein Physik-Professor aus Harvard eine Frau ist. Apropos Parallelwelt, so ganz laienhaft begriffen: Eine Welt ohne Werbung, ohne Bilderfluten und konsumreizende Slogans, die unseren Sehnnerven mindestens ein ADHS bescheren, ist kaum noch denkbar ... so aus einer mitteleuropäischen Perspektive betrachtet. Aber: Nehmen Sie hingegen ein systeme Heft in die Hände, so ganz gemächlich und vertiefen Sie sich ... Sie werden merken, dass Sie in eine Oase des Texts eintauchen, die vielleicht entspannender ist als jedweger Ayurveda-Urlaub auf Sri Lanka, Goa or wherever on the globe. Na gut, erwischt, das war jetzt gerade auch ein bisschen Werbung für die systeme ... aber ein Editorial sollte doch Appetit aufs Lesen machen – ergo werben, oder ist dieses „sollte“ eigentlich nur ein internalisierter neoliberaler Imperativ? Jetzt aber direkt zum Heft: Von hinten nach vorne geblättert finden Sie in unseren winterlichen systemen eine Reihe von Buchrezensionen, die so manche/n vielleicht gleich im Begeisterungstaumel in die nächste Fachbuchhandlung stürmen lassen. Dann begegnen Sie zwei Kongressnachlesen von Carmen Unterholzer & Herbert Gröger sowie Danielle Arn-Stieger & Clemens Stieger über den Wiener Jubiläumskongress von IEF und ÖAS – während des Nachlesens werden Sie fast dort gewesen sein, so gelungen erscheinen uns die Geschichten vom Kongress. Und das Sujet des Jubiläumskongresses – nämliche „Blinde Flecken“ – bietet ein gutes Stichwort für die Artikel in diesem Heft: Uwe Findeisens Beitrag „Mit Leistungslernen zum Erfolg und Misserfolg – von der Selbstachtung bis zur Schulangst“ zeigt fundiert argumentiert bestehende Widersprüche im Lernsystem auf und spannt einen wichtigen gesamtgesellschaftlichen Bogen auf, den wir für eine spannende Perspektivenerweiterung auch in der therapeutischen Arbeit halten. Weiters freuen wir uns besonders, Ihnen einen Text der Norwegerin Hilde Eileen Nafstad zur Verfügung stellen zu können, der ganz grundlegend ebenfalls an blinden Flecken kratzt: area ethics haben die Zielsetzung, das Entwickeln einer ethischen Reflexivität zu fördern und eine Sensibilität dafür, wie unhinterfragte Vorannahmen im gegebenen Aufgabenfeld implizite Wertentscheidungen zur Wirkung bringen. Und hier zuletzt aber eigentlich ganz zuerst schreibt Guido Strunk „Vom Kern des Systemischen und dem Drumherum“, in dem er sich mit dem Verhältnis von systemischem Verstehen von Menschen als nicht trivialen Maschinen und dem hartnäckigen kausalen Alltagsverständnis, das uns stets Trivialität suggeriert, beschäftigt. Anregendes Lesevergnügen wünscht Ihnen Die Redaktion |