Netzwerke

netzwerke 4/ 2008 (Dezember 08)

update: 18-Dez-2008

INHALT


EDITORIAL  

Liebe Mitglieder!

Weihnachten steht vor der Tür – hoffentlich ereilt Euch noch rechtzeitig diese Ausgabe. Der Grund unserer Verspätung: Für diese Ausgabe war ein fetter Beitrag mit Pro- und Kontra-Positionen zum Thema der Kooperation der ÖAS mit der SFU geplant. Leider haben sich für diese Ausgabe partout keine kritischen Stimmen finden lassen. Um mich nicht zu wiederholen,kann ich nur auf mein Kommentar auf Seite 11 verweisen. So wird also der Weihnachtsfriede in der ÖAS nicht gefährdet und wir erfahren von vielen Vorteilen, die für die ÖAS durch die Zusammenarbeit entstehen. Joachim Hinsch hat seine Darstellung in den Bericht des Obmannes verpackt.Corina Ahlers und Sabine Klar, als weitere Befürworterinnen der Kooperation, haben zwei Texte für die Positionen geschrieben.

Wenig erfreulich hat Claudia Renner die Streitereien zwischen ÖBVP und WLP gefunden und ist in Folge aus dem ÖBVP ausgetreten. Durch die Veröffentlichung ihres Briefes an den ÖBVP hat sie ihrem Ärger auch in den Netzwerken Luft gemacht.
Auch Dominik Rosenauer ist diesmal in seiner Rubrik „zirkuläre gedanken“angesichts der irtschaftlichen Lage und der Zukunft unserer Profession gar nicht zum Lachen zumute. Rechtzeitig zur Stoffversorgung für die Weihnachtsfeiertage finden sich diesmal wieder eine Menge Literatur- und Filmtipps und diesmal auch ein CD-Tipp. An dieser Stelle wieder einmal vielen Dank an die AutorInnen, die immer wieder an die Netzwerke denken, wenn sie ein gutes Buch lesen oder einen beeindruckenden Film sehen und uns Beiträge schicken. Sabine Kirschenhofer und ich sorgen diesmal für die leichtere Kost (Krimi und Kabarett), den ernsteren therapeutischen Themen Alzheimer und Krebs widmen sich die Empfehlungen von Michaela Sit und Carmen Unterholzer. Sabine Klar bringt zwei Kritiken von Filmen, die für uns als TherapeutInnen spannend klingen.
Hinweisen möchte ich auch auf unser Jour-Fixe-Programm für 2009. Es bietet einiges zum Thema „Umgang mit neuen Medien in der Psychotherapie“: Evelyn Niel-Dolzer beantwortet die Frage, über welches Wissen wir als PsychotherapeutInnen verfügen sollten, um an „digitale Lebenswelten“ unserer KlientInnen anschlussfähig zu bleiben und Dominik Rosenauer berichtet aus eigener Arbeitserfahrung über therapeutische Online-Beratung. Andreas Höher geht der Frage nach, wie wichtig Väter sind und reflektiert seine Rolle als männlicher Therapeut bei alleinerziehenden Müttern. Sabine Kirschenhofer und Klaus Schmidsberger werfen die Frage auf, was wir TherapeutInnen uns zumuten und auch nicht zumuten, wenn es um das Thema Gewalt in Paarbeziehungen geht. Also: wieder einmal höchst spannende Themen!
Und schließlich freuen wir uns sehr, dass im Mai eine Diskussionsrunde zum Thema „Sollen wir wieder wissen, wo`s langgeht? Der Umgang mit ExpertInnenwissen in der systemischen Therapie“ stattfinden wird. Teilnehmen werden Joachim Hinsch, Corina Ahlers, Andrea Brandl- Nebehay, Sabine Klar und Stefan Geyerhofer. Diese Diskussionsrunde ist eine Folge der letzten Generalversammlung und des dort geäußerten Wunsches von KandidatInnen, dass es interessant wäre, wenn mehr inhaltlicher (auch kontroversieller) Austausch zwischen LehrtherapeutInnen der ÖAS stattfinden würde, dem man/frau beiwohnen kann.
Verabschieden möchte ich mich diesmal mit einem Zitat von Lex Luthor, dem bösen Widersacher von Superman – es geht ungefähr so: „Der eine liest Nietzsche und bleibt davon unberührt, der andere liest die Ingredienzien auf einem Kaugummipapier und ihm erschließt sich das Universum“ – ich meine, die netzwerke liegen irgendwo dazwischen, hoffentlich erschließen sich Euch trotzdem Universen!
Ich wünsche allen frohe Weihnachten, einen guten Start ins Jahr 2009 und dass bitte bitte im neuen Jahr das Wort „Papamonat“ wieder abgeschafft wird.

Verena Kuttenreiter



BERICHT DES OBMANNS

Der „open space“ vom Frühjahr hat inzwischen eine Fortsetzung erfahren. Diese Fortsetzung hat sogar einen exklusiven Namen: “Salon”. Das Problem mit vielen Ideen, die viele Leute haben, ist meist, dass sich niemand angesprochen fühlt, eine Aussendung offensichtlich zu anonym ist, von irgendwem an irgendwen.
Dadurch sterben so viele Ideen schnell. Dieses Mal habe ich einen anderen Weg gewählt. Ich habe einige Leute direkt angesprochen. Hauptkriterium war, dass diese Person von ihrer Tätigkeit außerhalb der Ausbildung und von ihrer therapeutischen Tätigkeit abgesehen, ganz andere Erfahrungen durch Studium oder Beruf mitbringt und im Raum Wien wohnt.


Das führt natürlich dazu,dass ich viele wichtige Personen übersehen und übergangen habe. Dafür bitte ich vielmals um Entschuldigung (Interessentinnen und Interessenten mögen sich aber bitte bei mir melden). Es war jedoch trotzdem erfolgreich. Tatsächlich hat sich inzwischen eine Gruppe von etwa 10 Personen interessiert gezeigt, und wir haben uns bereits zwei Mal getroffen. Es ist noch zu früh, um erste Ergebnisse zu veröffentlichen, aber es scheint, dass wir tatsächlich aus der Ideensammlung in ein Umsetzen der Ideen kommen werden. Es ist sehr spannend, in dieser Gruppe arbeiten zu können.
Die Umstrukturierung der ÖAS geht weiter, hat aber gerade einen kleinen Schock überwinden müssen: Liesi Gmeiner hat Ende November den Mutterschutz angetreten und wird uns daher eine Zeit lang nicht zur Verfügung stehen. Die Freude für sie und ihre Erwartungen mischte sich natürlich mit der bangen Frage: Was machen wir ohne sie? Wir haben aber eine sehr gute Antwort gefunden. Renate Höher wird die Karenzvertretung übernehmen. Da sie über große Berufserfahrung in Büro-Dingen verfügt, können wir uns ihr gänzlich anvertrauen. Ich bin sehr froh, dass wir eine so kompetente Frau gefunden haben.

Kooperation ÖAS - SFU

Noch ein großes Thema hängt über der ÖAS: Die Kooperation mit der SFU, der Sigmund Freud Universität, mit der sicherlich nicht alle sonderlich glücklich sind. Mit viel Bauchweh hat nach dem Vorstand, auch die Ausbildungskommission der Kooperation zugestimmt.
Die Frage ist natürlich, ob ein Obmann sich für eine Entwicklung einsetzen darf bzw. sollte, die nicht einen ganz breiten Konsens hat. Ich möchte in diesem Zusammenhang aber die „Alten“ daran erinnern, dass auch die Krankenkassenregelung keine breite Zustimmung gefunden hat und daher auch von Psychotherapeutinnen-Seite der Vertrag nicht unterzeichnet werden konnte, was heute sicherlich vielen Leid tut. Weiters das Psychotherapiegesetz: Als Alfred Pritz und Gernot Sonnneck intensiv dafür warben, trafen sie nicht überall auf Zustimmung. Ich erinnere mich noch, dass viele Psychoanalytiker und viele Systemiker in diesem Gesetzeswerk ihren Untergang dämmern sahen. Heute können wir uns eine Szene ohne Gesetz kaum noch vorstellen, auch wenn es manche
Entwicklung erschwert. Aber natürlich muss man aus diesen Gründen nicht für jede blödsinnige Veränderung sein. Das kann ich absolut verstehen, möchte aber einige Gerüchte zumindest mal versuchen auszuräumen. Verena Kuttenreiter hat mir folgende (hilfreiche) Fragen gestellt, die ich versuchen werde zu beantworten:
1. Was hat die ÖAS konkret von der Kooperation mit der SFU?
Es ist eine Kooperation mit dem sehr großen Ambulatorium der SFU möglich. Kandidatinnen, die dringend Klientinnen für den Abschluss der Ausbildung brauchen, können sich an Gerda Mehta wenden.
Seminare, die oft wegen zu hoher Kosten und zu wenigen Anmeldungen nicht stattfinden, können jetzt in Kooperation mit den Studentinnen der SFU abgehalten werden.
Die Systemische Therapie hat auf akademischen Boden Fuß gefasst.
Die Angst, wir könnten uns selbst mit der SFU Konkurrenz machen, ist sicherlich unbegründet. Eher kann das Gedankengut systemischen Denkens sich gerade durch diese Erweiterung ausbreiten.
2. Was beinhaltet für beide Seiten die Kooperation? Was muss die ÖAS, was muss die SFU tun, um den Kooperationsvertrag zu erfüllen?
Wir bieten innerhalb des Gesetzes (mit einigen Adaptierungen an das Universitätsorganisationsgesetz organisatorischer Art) in der SFU (also nicht nur in Graz, Innsbruck, Salzburg, Wien) ein Curriculum an. Das ist letztlich alles. Die Problematik ist also keine inhaltliche Frage, sondern nur eine, ob wir mit der SFU und deren Vertreter und Vertreterinnen zusammen arbeiten wollen und können. Ich bin mit Alfred Pritz und Jutta Fiegl in Fragen des ÖBVP nicht einer Meinung. Na und! Es sind viele
ÖAS Mitglieder (z.B. Jutta Fiegl, aber auch sehr viele andere, die sich in unserem Verein sehr verdient gemacht haben) auch nicht einer Meinung, was den ÖBVP und den WLP betrifft, mit dem Obmann, also mit mir. Das muss in einem Verein doch nicht nur möglich, sondern auch sinnvoll sein. Für die SFU bedeutet die Kooperation, dass sie ihre Vorlesungen und Seminare für unser Curriculum, das ja mehr beinhaltet als das Psychotherapiegesetz, umbauen und erweitern musste. Einige
Veranstaltungen, die von anderen Fachspezifika beherrscht wurden, sind zu uns übergegangen. Die SFU ist unserem Curriculum unterworfen. Das war für die keine Kleinigkeit.
3. Welche Folgen sind befürchtet worden, falls die ÖAS zu einer Kooperation nicht zugestimmt hätte (wie die LASF)?
Die Lehranstalt hat meiner Meinung nach unter anderem auch deshalb nicht zugestimmt, weil eine Schule, die dem Schulgesetz untersteht, noch schwerer kooperieren kann als wir. Da gibt es auch gesetzliche Beschränkungen, die schwer zu überwinden sind. Wenn wir nicht zugestimmt hätten, wäre es aus vielen Gründen (aus meiner Sicht) schade gewesen, aber kein Schaden entstanden. Ich halte die Kooperation für sinnvoll, zukunftsträchtig, hilfreich aber nicht notwendig.
4. Hat die ÖAS die Möglichkeit, die Anerkennung (zum/r Psychotherapeuten/ in) von SFU-KandidatInnen zu verweigern und aufgrund welcher Kriterien kann sie das entscheiden? Sie kennt die Leute ja gar nicht.
Gerda Mehta ist Ausbildungsleiterin in der Region SFU. Sie kennt die Leute sehr gut, arbeitet mit ihnen schon vor Beginn des Fachspezifikums zusammen. Selbstverständlich haben wir die Möglichkeit, einem/r Kandidaten/in den Zugang zu verweigern.
5. Warum sollte jemand, der keinen akademischen Grad hat, bei der ÖAS die Ausbildung machen und nicht gleich bei der SFU?
Der Erwerb des akademischen Grades erfordert ein Studium. Das bedeutet einen weit größeren Aufwand als ein Fachspezifikum: Statistik, Diplomarbeit, viel mehr Stunden, sehr viele Prüfungen. Das ist für viele weder angestrebt noch sinnvoll.
6. Ab welchem Alter kann man/frau jetzt anerkannt werden als TherapeutIn und was ist, wenn jemand von der SFU mit 22 fertig ist mit seinem Studium?
Das Gesetz schreibt vor, dass eine Therapeutin nach Vollendung des 28. Lebensjahres in die Liste eingetragen werden kann und daher auch erst dann selbständig als Psychotherapeutin arbeiten darf. Das Fachspezifikum kann man erst mit Vollendung des 24. Lebensjahres beginnen. Wir gehen aber davon aus, dass ein Teil des Studiums nach der Zulassung zum Fachspezifikum (24. Lebensjahr) anerkannt werden kann, Veranstaltungen der ÖAS also auch schon vorher besucht werden
können. Da gibt es noch einen Klärungsbedarf, den die SFU zu leisten hat.
7. Wird die ÖAS als eigenständiger Verein bestehen bleiben können oder ist eine Verschmelzung mit der SFU zu erwarten? Jetzt, wo ohnehin schon viele LehrtherapeutInnen von der ÖAS auch bei der SFU unterrichten?
Die ÖAS kooperiert mit der SFU, sie fusioniert nicht. Sie verliert daher auch kein bisschen an Autonomie. Die Frage stellt sich tatsächlich nicht. Es ist weder im Interesse der einen noch der anderen Seite, eine Fusion auch nur anzudenken.
8. Sind Auszubildende in irgendeiner Form betroffen von der Kooperation? Sprich: Woran, wenn sie es nicht wüssten, würden KandidatInnen eine Kooperation merken? Und ist das dann von Vorteil oder von Nachteil?
Aus den anderen Antworten (manche Seminare gemeinsam, die sonst nicht stattfinden, Ambulatorium) gehen Vorteile hervor. Der Nachteil ist, dass die SFU nur einen Kooperationsvertrag mit – glaube ich – 6 Fachspezifika hat. Bei den anderen gibt es Ablehnung – wie bei uns. Vielleicht wird man uns wegen dieser Kooperation nicht mögen. Das sind die Probleme, so wie ich sie verstehe. Es kann natürlich sein, dass ich an den Problemen, die Sie/Ihr habt, gänzlich vorbeirede, aber so stellen sie sich mir dar. Die Vorteile sind groß.
Es tut mir sehr leid, wenn einige oder auch viele Mitglieder sich über mein Vorgehen ärgern. Ich muss aber gestehen, dass ich mich sehr gefreut habe, als ich diesen Vertrag unterschrieben habe. Hoffentlich kann die Entwicklung immer mehr ÖAS-Mitglieder von diesem Schritt überzeugen.

Ich möchte zum Schluß noch die Gelegenheit nutzen, um zum ÖAS-Neujahrstreff
am 22. Jänner 2009 ab 18.00 Uhr
in die ÖAS Wien einzuladen und allen Mitgliedern und Freunden schöne Feiertage und ein gutes 2009 zu wünschen.

Joachim Hinsch

POSITIONEN ZUR KOOPERATION ÖAS-SFU

Nachdem Joachim Hinsch die Autorität des Obmannes und seine Rubrik für die Darstellung seiner Position verwendet hat, folgen nun weitere Positionen Corina Ahlers und Sabine Klar:

Position von Corina Ahlers

Das Thema der Kooperationen der SFU mit anderen psychotherapeutischen Methoden (Vereinen) ist ein Thema ohne Ende. Meiner Ansicht nach kann man die Reflexion der Vor- und Nachteile einer Kooperation nicht trennen von der Geschichte des ÖBVP im Zusammenhang mit der Entstehung des Psychotherapiegesetzes. Es vermischen sich ständig Ebenen der Betrachtung von:
• Berufspolitik, alten Feindschaften und Seilschaften im österreichischen Feld (darauf möchte ich nicht eingehen);
• der Frage, ob die Akademisierung von Psychotherapie sinnvoll ist;
• der europäischen Entwicklung von Universitäten ganz allgemein nach dem Bolognaabkommen und im Zusammenhang mit der Einteilung ein Bac-, Masters- und Doktoratstudium.
Vorab sei gesagt: Solange das Psychotherapiegesetz nicht geändert wird, darf in Österreich jeder die Ausbildung so machen, wie sie dort vorgeschrieben ist. Sollte sie je geändert werden, gibt es sicher Übergangsbestimmungen.
Die Frage einer gesetzlichen Veränderung des Psychotherapiegesetzes wird nicht von der SFU entschieden! Eine Kooperation mit der SFU ist meiner Ansicht nach deshalb sinnvoll, weil die SFU existiert und sich entwickelt, weil die Leute dort gute Ideen haben und es sinnvoll ist, Synergien zu nutzen statt gegenseitige Markierungen auszutragen: Der Markt reagiert eher auf Synergie als auf
Grabenkämpfe. Meine beliebte Metapher dazu: Drei Kaffehäuser nebeneinander ziehen mehr Publikum an als zwei. Ich glaube nicht, dass eine Kooperation von ÖAS und SFU einen Nachteil für Studierende hat.
Die Frage einer sinnvollen und gerechten Evaluation/Nostrifikation von StudentInnen würde ich ebenfalls nicht an die SFU koppeln, es gibt dort wie da gute, mittlere und schlechte StudentInnen! Dasselbe ließe sich wahrscheinlich auch über das Lehrpersonal sagen plus gute und schlechte Tage, die jeder von uns hat. Die wichtigste Frage ist für mich, ob wir tradierte Denk- und Handlungsmuster aufgeben könnten in unserem Verein, unabhängig davon, ob das Gesetz verändert wird. Irgendwie ist Psychotherapie in Österreich auf dem Weg "totale Institution" zu werden, und das missfällt mir. Insofern regt uns die SFU, ob sie nun gut, mittel oder schlecht ist an, neues Denken zuzulassen.
Corina Ahlers

Position von Sabine Klar

Ich war zuerst recht heftig gegen die Kooperation mit der SFU. Grund: ich wehre mich gegen die diversen Akademisierungsbestrebungen, weil sie einen Mythos schaffen, man könne daraus etwas im Sinn seiner Existenzsicherung bewirken, was nicht stimmt. Es bereitet nur zusätzliche Arbeit und finanzielle Belastungen und nimmt einem die Zeit für wichtigeres. Ich mag auch die damit verbundene Standardisierung von Ausbildungen nicht, weil das meinem Verständnis vor allem systemischer Psychotherapie nicht entspricht. Und vieles mehr. Außerdem kenne ich Alfred Pritz aus vergangenen Zeiten recht gut und denke, dass er zwar geschickt ist im Aufstellen von Dingen - aber doch recht vereinnahmend und primär an eigenen Zielen interessiert. Hinzu kam, dass die zu diesem Zeitpunkt anlaufende Kooperation aus meiner Sicht nicht den gesetzlichen Grundlagen entsprach (kein anerkanntes Fachspezifium; eine weitere Ausbildung am Psychotherapiegesetz vorbei.).
Doch ich wollte diesmal nicht einfach bloß "nein" sagen und damit all die Aktivitäten, die andere in der ÖAS setzten blockieren, sondern in einem gewissen Maß freundlich sein und halt ein bisschen kooperieren. Deshalb erklärte ich mich bereit, gemeinsam mit Hinsch und Brandl- Nebehay an den Kooperationsverhandlungen teilzunehmen mit dem Ziel, eine gesetzeskonforme Variante der Zusammenarbeit zu suchen.
Die Verhandlungen gestalteten sich durchaus interessant und ich blieb bei meinem Auftrag. Was dabei entstanden ist, erweist sich auch aus der Sicht des Ministeriums (Kierein) als gesetzeskonform. Die LehrtherapeutInnen, die dort tätig sein wollten, finden jetzt die Möglichkeit dazu und die ÖAS hat einen weiteren Ausbildungsstandort hinzugewonnen (inklusive ausgiebiger Praxismöglichkeit auch für die "normalen" ÖASler). Wir erleben Multikulturelles (wie entwickelt sich denn eine systemische Ausbildung im universitären Kontext?). Das ist gut und interessant. Natürlich wird man damit dann auch in weitere Regelungen eingebunden, muss manche Kompromisse schließen und halt abwägen. Mit manchem bin ich weniger einverstanden, mit manchem mehr. Bei manchem bin ich auch dagegen, was zuweilen nützt und zuweilen nicht. Aber das ist überall so. Grundsätzlich halte ich mich aber, wenn möglich, heraus. Ich habe an der SFU keine Eigeninteressen, weil ich dort nicht als Unterrichtende tätig bin. Mir ist anderes wichtiger. Das finde ich an der Angelegenheit auch ein wenig schade, da es doch viel wichtigere Themen gäbe, an denen sich Diskussionen entzünden
könnten. Die SFU, na ja - welche Bedeutung hat das schon? Niemand studiert oder lehrt dort gezwungenermaßen. Schlimm fände ich, wenn sich aufgrund aktueller Trends das in unguter Weise verändern würde, was mir als Lehrinhalt in den Ausbildungen wichtig ist, für die ich mich verantwortlich fühle. Ausbildung ist dazu da, gute PsychotherapeutInnen hervorzubringen - auf welche Weise auch immer. (Darüber, was eine gute Psychotherapeutin oder eine gute Ausbildung ist, könnte man durchaus reden, denke ich.)
Sabine Klar

Anmerkung der Redaktion
An dieser Stelle waren ursprünglich kritische Positionen zur Zusammenarbeit mit der SFU geplant. Beide angefragten Autoren haben letztendlich abgelehnt. Statt einer Auseinandersetzung gibt es nun die drei Beiträge von Joachim Hinsch, Corina Ahlers und Sabine Klar, die die Zusammenarbeit befürworten. Nach meiner Erfahrung und auch nach den Worten von Joachim Hinsch, spiegelt dies nicht die Stimmung in der ÖAS wider. Die Interpretation, dass im Moment keine kritische Stellungnahme erfolgt, sei den LeserInnen überlassen. Ich kann an dieser Stelle nur alle ÖAS-Mitglieder auffordern, uns für die nächste Ausgabe auch kritische Beiträge zu schicken um ein vollständigeres Bild und ein breiteres Meinungsspektrum liefern zu können.
Verena Kuttenreiter


OFFENER BRIEF AN DEN ÖBVP
Vor einigen Tagen bin ich aus dem ÖBVP ausgetreten. Es ist mir wichtig, die Gründe dafür auch in den netzwerken zu veröffentlichen. Eine kurze Metapher zu meinen Beobachtungen: Ein über lange Jahre verheiratetes Ehepaar ist zu einem Punkt gekommen, wo die unterschiedlichen Sichtweisen über die jeweiligen Rollen mit den dazugehörigen Pflichten und Rechten nicht mehr gegenseitig
verständlich kommunizierbar waren. Die Forderungen nach mehr Rechten eines Ehepartners trafen auf Unverständnis und Ablehnung beim anderen Teil des Paares. So etwas kommt immer wieder vor und
ist, vor allem systemischen PsychotherapeutInnen, aus ihrem Arbeitsalltag gut bekannt.
Unterschiedliche Wirklichkeiten einander verstehbarer zu machen braucht manchmal (professionelle) Unterstützung Dritter. Aber gerade die, haben in diesem Fall rasch w.o. gegeben. Da jedoch der eine
Ehepartner sich noch immer nicht unterordnen und weiterhin eigene Wege gehen wollte (wie so oft spielte das Geld eine wesentliche Rolle), wurde vom anderen (hierarchisch höher gestellten) Ehepartner die Scheidung eingereicht. Zusätzlich wurde auch die einstweilige Verfügung und das Betretungsverbot beantragt. (Diese Schutzmaßnahme dient normalerweise dazu, weitere Gewalthandlungen zu verhindern). Noch immer meldete sich der „aufmüpfige“ Teil des Paares zu
Wort und kündigte das Vorhaben einer zukünftigen autonomen Lebensführung an. Der „Rosenkrieg“ weitete sich aus. Freundinnen und Freunde sollten sich deklarieren, wen sie künftig unterstützen möchten. Diese Aktion hatte weltpolitischen Charakter!
Schlussendlich beschloss der sich in seiner Autorität verletzt fühlende Teil des Paares, dass so ein Kräftemessen seiner nicht würdig sei und suchte sich, um das verbliebene Prestige zu retten, kurzer Hand eine neue, die Spielregeln akzeptierende Partnerin, die den bisher gewohnten
Namen bekam – so als wäre nichts gewesen. Die Botschaft: „Das Problem haben wir aus der Welt geschafft!“
Ich vermute, dass von beiden Seiten der Streitparteien Grenzen überschritten wurden. Jedoch wie und in welcher Form die Konfliktbewältigung geführt wurde und wie mit den Mitgliedern des ehemaligen WLPVorstands umgegangen wurde, assoziiere ich mit einer Haltung, die ich von patriachalen Systemen kenne. Da ich mich davon distanziere und mit meinem Mitgliedsbeitrag diese Vorgangsweisen nicht länger mitfinanzieren möchte, beende ich meine Mitgliedschaft.
Claudia Renner

ANERKENNUNG DER ÖAS-SUPERVISIONSAUSBILDUNG

Wir freuen uns bekannt zu geben, dass die neu konzipierte Supervisionsausbildung der ÖAS durch die ÖVS (Österreichische Vereinigung für Supervision) anerkannt wurde!
Für den ersten Durchgang erhält die ÖAS einen „beobachteteten Status“, der danach in einen regulären Status übergeht. Für die AbsolventInnen des Lehrgangs 2009 bedeutet dies, dass sie jedenfalls in die Liste der durch die ÖVS anerkannten SupervisorInnen eingetragen werden. Dies gilt in Österreich am „Markt der Supervision“ bekannter Weise als Gütesiegel und Qualitätskriterium, an dem sich viele Organisationen orientieren.
Aber nicht nur das: Weil Eintragungen in Österreich besonders wichtig sind, dürfen wir erwähnen, dass die AbsolventInnen natürlich auch in der ÖAS-SupervisorInnenliste gelistet werden, ebenso auf den Listen des ÖBVP (Österr. Bundesverband für Psychotherapie) sowie der SG (Systemischen Gesellschaft in Deutschland).
Die ÖAS-Ausbildung findet in Kooperation mit der SFU (Sigmund Freud Universität) statt und wird aus heutiger Sicht preislich die günstigste ÖVS-anerkannte Ausbildung am Markt sein (vor allem für ÖASMitglieder)!
Bei der Konzeption der Ausbildung haben wir darauf geachtet, Redundanzen mit der (systemischen) Therapieausbildung zu vermeiden („Das haben wir eh schon alles gelernt“) sondern trotz vertrautem
Kontext viel Raum für Neues, Irritierendes und „Fremdes“ zu schaffen. Lassen Sie sich das nicht entgehen!
Voraussichtlicher Start für diese Ausbildung ist Frühsommer 2009.
Nähere Informationen ab Jänner 2009.
Informationsabende: 15.1.2009 und 26.2.2009 jeweils 18.00 in der ÖAS

Clemens Stieger



ZIRKULÄRE GEDANKEN

„Bei der Weiterentwicklung des Gesundheitssystems ist auf die Interessen der PatientInnen inzugehen. Dazu ist eine Überarbeitung und Anpassung des Leistungsangebotes des öffentlich finanzierten Gesundheitswesens an den Bedarf der PatientInnen (insbesondere Zahnmedizin, Psychotherapie und Impfung für Kinder und Erwachsenen [sic!]) unter Sicherstellung der Finanzierung durchzuführen.“
Das ist es. Das steht auf Seite 192 (!) des Regierungsübereinkommens zwischen der SPÖ und der ÖVP. In diesem Absatz kommt zum ersten und einzigen Mal das Wort „Psychotherapie“ vor. Nichts steht darüber hinaus im Programm. Was wollen sie erreichen? Wie konkret wollen sie verbessern? Wie wollen sie das Gesundheitssystem so „weiter entwickeln“, dass Psychotherapie für die Versicherten (= in Österreich ASVGVersicherte) leistbar wird?
Ich finde das, gelinde gesagt, enttäuschend. Besonders ärgerlich ist, dass in den letzten Wochen und Monaten, seitdem die Neuwahlen bekannt wurden, auf vielen Ebenen Lobbying betrieben wurde. Es wurden Papiere verfasst, Gespräche gesucht und gefunden, Überzeugungsarbeit geleistet, E-Mails verschickt, Fragenkataloge ausgesandt und beantwortet usw., usw. Und dieser Halbsatz ist das Ergebnis?
Eingeklemmt zwischen Zahnmedizin und Impfungen kommt die Psychotherapie vor? Was bedeutet „unter Sicherstellung der Finanzierung“? Bedeutet das, dass solche Schritte überlegt werden können, wenn die Finanzierung sicher gestellt ist (von wem auch immer)? Oder bedeutet das, dass die Finanzierung sichergestellt werden soll? Und von wem? Ist das eine Willenserklärung auf einem Blatt Papier oder ist das eine konkrete Handlungsanweisung und wenn letzteres: Wie soll das sichergestellt
werden? Wie soll z.B. sichergestellt werden, dass das Geld, das in die maroden Sozialversicherungen gepumpt werden wird, dann auch den Psychotherapie-Bedürftigen zugute kommen wird? „Geld hat kein
Mascherl“, wie wir alle wissen. Wie können wir sicher sein, dass diese Gelder nicht z.B. in Maßnahmen zur Bekämpfung der Haarläuse in Kindergärten investiert werden - was sicherlich auch wichtig ist, aber den Psychotherapie-Bedürftigen nur hilft, wenn sie Kinder im Kindergartenalter haben, die in einem Kindergarten mit Lausbefall untergebracht sind und auch von Läusen heimgesucht wurden. Wie sollen wir PsychotherapeutInnen das übrigens verstehen, dass die Umgestaltung des Riesenradplatzes in Wien die SteuerzahlerInnen ca. 62 Millionen Euro kosten wird - was um 20 Millionen Euro mehr ist, als in ganz (!) Österreich (!) im Jahr (!) für Psychotherapie ausgegeben wird?
Wie sollen Psychotherapie-Bedürftige es verstehen, dass der Staat zwar die AUA um einen Negativverkaufspreis von 500 Millionen Euro verkauft (also 500 Millionen Euro zahlt, damit sie der Käufer (?) nimmt), aber keine 40 Millionen Euro für die erste Ausbaustufe der Vollversorgung der ÖsterreicherInnen (bzw. der hier sozialversicherten Menschen) erübrigen kann? Wie sollen wir verstehen, dass der Staat zwar knapp 1,5 Milliarden Euro an eine große österreichische Bank zuschießen kann, damit die ihre „Eigenkapitalquote optimieren“ kann, aber kein Geld für Psychotherapie da ist?
Hat sich eigentlich schon jemand überlegt, dass wir in eine Rezession schlittern und dass das hier erst der Anfang ist? Wie soll das weiter gehen, wenn bereits jetzt die Banken und Unternehmen so in der Krise stecken? Und: Wie sollen psychotherapiebedürftige Menschen in Österreich sich selbst Psychotherapie finanzieren, wenn die Gaspreise, die Strompreise und die Lebensmittelpreise so steigen? Hat sich jemand überlegt, was rund 7000 PsychotherapeutInnen in Österreich machen werden, wenn die Rezession voll zuschlägt (und das wird sie)? Wir stecken in der schlechtesten Konjunktur seit 1955. Natürlich werden wir dann wieder mehr Zeit für die wichtigen Dinge im Leben haben: Zeitung lesen, die Natur genießen, in ein Buch schaun, mit den Kindern spielen usw. Aber können wir uns so viel Freizeit dann auch leisten?
Harte Zeiten werden anbrechen - aber das neue Regierungsprogramm macht mir persönlich keinen Mut, dass sich die Handelnden darüber wirklich klar sind. Aber offensichtlich kann man es mit uns machen. Wir sind ja sehr verständnisvoll und brav. Wenn das jetzt zu negativ war: sorry. Vielleicht gibt‘s nächstes Mal mehr zu schmunzeln.

Dominik M. Rosenauer


WIR GRATULIEREN

Folgende StudentInnen haben im Herbst 2008 ihre Ausbildung (Curriculum bzw. Supervisionscurriculum)
bei der ÖAS abgeschlossen - wir freuen uns mit ihnen und wünschen viel Glück auf ihrem weiteren Weg:
Maamoun Chawki, Birgit Del Fabro, Johanna Hof, Maria Hufnagl, Christa Lindenthaler, Daniela Plohovits-Kittelmann, Jürgen Steinbrenner, Sigrid Vogl



LITERATURTIPPS

(zu den gesammelten Literatur-Tipps aller bisherigen Netzwerknachrichten gelangt man hier)

Irene Agstner
„Krebs und seine Metaphern in der Psychotherapie. Ein gestalttheoretischer Ansatz“
Krammer Verlag, Wien 1. Auflage 2008, € 12,80. ISBN-13: 9783901811 296

Metaphern sind nicht nur Ausdruck der Sprache, sondern auch Ausdruck des Denkens und der Konstruktion von Wirklichkeit. Metaphern setzen uns oft Grenzen beim Fühlen, Denken und Handeln. Die Medizin bedient sich im Umgang mit Krebs häufig kriegerischer Metaphern:
Die Krebserkrankung wird als „bösartiges“ Geschehen bezeichnet. Dieser Sichtweise folgt eine Einengung der Möglichkeiten des Verhaltens auf einen einzigen Aspekt: “Kampf”. Daraus ergibt sich eine Fokussierung auf die Erkrankung, alles andere kann nicht mehr gesehen werden.
Irene Agstner arbeitet als Psychotherapeutin für Gestalttheoretische Psychotherapie seit 2003 an der Chirurgischen Universitätsklinik am AKH, sowie in freier Praxis mit onkologischen PatientInnen. In ihrem Buch, setzt sie sich mit der Verwendung und Wirkung von Metaphern im Kontext onkologischer Erkrankungen auseinander.
Im ersten Teil des Bandes befasst sich die Autorin mit dem Begriff der Psychoonkologie und skizziert deren Anwendungsbereiche. Weiters stellt sie einen kurzen Abriss der Metapherntheorie nach Lakoff &
Johnson dar. Sie versucht, die Wirkungsweise der Metaphern aus gestalttheoretischer Perspektive zu erklären.
Im empirischen zweiten Teil des Bandes zeigt Irene Agstner anhand von sechs Fallbeispielen, welche Möglichkeiten es in und mit der Arbeit mit Krebsmetaphern gibt und wie diese zur Stärkung im Umgang mit der Erkrankung genutzt werden können. Eine auf gestalttheoretischen Grundlagen basierende alternative Leitmetapher eröffnet neue Wege in der psychotherapeutischen Arbeit mit onkologischen PatientInnen. Diese Leitmetapher ermöglicht neue Wege im Umgang mit den eigenen
Gefühlen: Statt gegen etwas zu kämpfen, setzt man sich für etwas ein – man wird zu Verbündeten des Lebens, mit all seinen Aspekten.
Theoretisch fundiert, informativ und in den Fallbeispielen einfühlsam zeigt die Autorin neue Möglichkeiten in der Therapie mit onkologischen PatientInnen auf. Die Lektüre des Bandes ist ein Gewinn für die eigene praktische Arbeit!
Michaela Sit

Michaela Sit


Stieg Larsson
“Schwedische Krimi-Trilogie: Verblendung, Verdammnis und Vergebung.”
2008 bei Heyne, München, erschienen, gesamt ca € 40,-

Wer noch Lesestoff für die Wachzeiten im Winterschlaf braucht, dem/der möchte ich Stieg Larssons Krimis heiß empfehlen. Die drei Bände stellen eine fulminante Trilogie dar, auch einzeln lesbar, weil mehr oder weniger storymäßig abgeschlossen, aber das Schicksal der außergewöhnlichen Protagonistin weiterverfolgen zu wollen, treibt einen dann in den nächsten Band hinein. „HeldInnen“ der Romane sind zum einen die junge Lisbeth Salander, punkig gestylt, besachwaltet ob ihrer schwierigen ergangenheit (von der man sukzessive immer mehr erfährt: Gruselfaktor hoch!), aber (under cover) eine geniale Hackerin mit brillantem Hirn. Sie zeigt enormes Potenzial in Richtung Impulskontrollstörung, aber ihr Mentor-Sachwalter konnte sie mit dem Konzept der Konsequenzanalayse“ dazu bringen, nicht jeden schwedischen Frauenhasser zu beseitigen. Zum anderen der Aufdeckungsjournalist Michael Blomkvist, der mit seinem Magazin Millenium den fiesen Machenschaften mafiöser Kapitalisten das Handwerk legen will und Skandale eines durchgeknallten Kasinokapitalismus an die Öffentlichkeit bringt.
Salander und Blomkvist lernen einander im Kampf gegen das Böse kennen und schätzen, sie machen auch eine Menge Blödsinn (aber sonst kommt man halt nicht in so wirklich gefährliche Situationen), und sie schlagen sich wacker gegen gierige Konzernchefs, gemeingefährliche Geheimdienstler,
Stalker, Pädosexuelle, Frauenhändler aus dem Osten usw. Man erfährt so einiges über die Macht genialer Computerfreaks, und gerade angesichts der dramatischen ökonomischen Entwicklungen der letzten Monate samt Börseneinbrüchen liest sich Band 1, wie der Vorspann dazu.

Der Autor Stieg Larsson war Journalist und Experte für Rechtsextremismus und Neonazismus, 2004 starb er knapp 50-jährig an den Folgen eines Herzinfarkts. 2006 wurde er posthum mit dem Skandinavischen Krimipreis als bester Krimiautor Skandinaviens geehrt.
Sabine Kirschenhofer


FILMTIPPS

Helmut Wimmer/Maria Hoppe
“Zurück zu einem unbekannten Anfang.”
Zwei Dokumentationsfilme. Polyfilm video, € 29,90

In Österreich leiden 100.000 Menschen an Alzheimer. Fünf von ihnen werden von Helmut Wimmer und Maria Hoppe in diesem Film porträtiert. Fünf Menschen in unterschiedlichen Stadien der Erkrankung, in unterschiedlichen familiären Konstellationen, mit unterschiedlichen Symptomen. Luise Schnetzer lebt mit ihren Kindern und Enkelkindern unter einem Dach. Ihr Bewegungsdrang bestimmt das Porträt, sie ist ständig unterwegs, vom Dachboden des Hauses bis in ihre Parterrewohnung. Norbert Laad wird
von seiner Ehefrau und von zwei Fachkräften betreut, seine Aggressionen treffen jeden, der mit ihm zu tun hat. Juliane Hartl lebt bei ihrem alleinstehenden und berufstätigen Sohn. Die Einsamkeit dominiert das Bild der dementen Frau. Maria Moser wird von ihrem 91-jährigen Mann umsorgt,
ihre Automatismen, ihre sich ständig wiederholenden Fragen ziehen sich leitmotivisch durch die Darstellung. Friedrich Brunner lebt mit seiner Frau, seinem Sohn und dessen Familie auf dem gemeinsamen Bauernhof. Seine zeitliche und örtliche Verwirrtheit beeinträchtigt seinen Handlungsspielraum.
Allen fünf Porträts gemeinsam ist eine behutsame Annäherung, die Wertschätzung – sowohl für die Betroffenen, als auch für die pflegenden Angehörigen – ausdrückt. Langsame Kamerabewegungen fangen Momente der Ruhe, der Stille ein.

Die fünf Porträts werden durch eine zweite DVD ergänzt. Georg Psota, Facharzt für Psychiatrie und Neurologie in Wien, Erika Horn, Gerontologin und Erwachsenenbildnerin in Graz und Gunvor Sramek, Validationstrainerin aus Neunkirchen, gehen in kurzen Statements auf Schwerpunktthemen
der ersten DVD ein: Was ist Alzheimer? Was können wir fordern ohne zu überfordern? Was können wir gegen Einsamkeit tun? Wie können Konflikte gelöst werden? Für alle, die sich mit dem Thema Alzheimer auseinandersetzen wollen bzw. müssen, sind die beiden Dokumentarfilme eine
gute Unterstützung.
Carmen Unterholzer


Tideland von Terry Gilliam
Tideland ist ein kanadisch-britisches Filmdrama von Terry Gilliam aus dem Jahr 2005. Es ist eine Verfilmung eines Romans von Mitch Cullin. Nach dem Drogentod ihrer Mutter zieht die kleine Jeliza-Rose mit ihrem Vater Noah auf die Farm seiner Kindheit. Als auch Noah stirbt, ist Jeliza-Rose
allein in dem verfallenen Haus mit der langsam verwesenden Leiche ihres Vaters (den sie jedoch behandelt, als sei er noch lebendig) und ihren einzigen Freunden, ein paar abgetrennten Puppenköpfen. Bei ihren Streifzügen durch die Umgebung trifft sie auf die unheimliche, hexenartige Dell und deren geistig zurückgebliebenen Bruder Dickens, die in einem ebenfalls abgelegenen Haus in der Nähe wohnen. Dickens, der als Kind eine missbräuchliche Beziehung zu Jeliza-Roses Großmutter erfahren hatte, lebt, wie das kleine Mädchen, in einer Traumwelt. Zwischen Jeliza-Rose
und Dickens entwickelt sich eine kindliche Liebe, während Dell, die sich auch auf das Ausstopfen von toten Menschen versteht, sich ihrerseits wieder mit ihrer Jugendliebe Noah vereint sieht. Der Film ist gleichzeitig schrecklich, lustig, berührend und lehrreich für TherapeutInnen, die an den sehr kreativen Erlebnisweisen und Umgangsformen von Kindern in traumatisierenden Situationen und an der Uneindeutigkeit von verrückt-machenden Lebenslagen interessiert sind. Er schillert und lässt auf ehreren Ebenen nicht zur Ruhe kommen. Darüber hinaus ist die schauspielerische
Leistung der DarstellerInnen einzigartig.
Sabine Klar


Big Fish von Tim Burton
Big Fish ist ein Fantasy-Drama des US-amerikanischen Regisseurs Tim Burton aus dem Jahr 2003, nach dem gleichnamigen Roman von Daniel Wallace. Größtenteils erzählt er in fantastisch anmutenden Rückblendendas Leben Edward Blooms, das Kernthema des Films aber ist der Konflikt zwischen dem Fabulierer Edward und dessen eher nüchternem Sohn William. Seit frühester Kindheit hat dieser Vater seinem Sohn "Heldengeschichten" über sich und sein abenteuerliches Leben erzählt – er war eben ein "großer Fisch", ein mutiger Kerl, einer der auch während der Geburt seines Sohnes mit einem Riesenfisch rang und ihn dann schwimmen ließ, um mit dem aus dem Maul geretteten Ehering nach Hause zu eilen und den Neugeborenen in die Arme zu nehmen. Der wütende Sohn sucht seit Jahren nach dem "wahren" Vater, nach seinem "wirklichen" Leben und findet beides nicht in der Fülle der Geschichten. Schließlich gewinnt er durch eine Bemerkung über die echte Geschichte seiner Geburt
Boden unter den Füßen, sodass er den Vater als das nehmen kann, was der eben ist - ein phantasiebegabter Geschichtenerzähler.
Der Film ist berührend, phasenweise auch ärgerlich und kann zu vielen Diskussionen darüber führen, welche Relevanz die Wahrheit von Selbst-und Lebenserzählungen angesichts dessen hat, dass man es immer mit einem Autor zu tun hat, der genau in dem präsent und erlebbar wird, was er tut. Er ist aus meiner Sicht ein Film für all jene, die den narrativen Ansatz in der systemischen Therapie besser verstehen wollen.

Sabine Klar


“Pigor singt und Benedikt Eichhorn muss begleiten”
Volumen 6. Audio CD, € 16,99, erschienen 2007

Vielleicht trage ich Eulen nach Athen, aber ich finde, Pigor und Eichhorn sind noch zuwenig bekannt (obwohl sie sogar schon einmal den österreichischen Karbarettpreis bekommen haben). Die beiden sind ein Kabarett- Duo aus Berlin und machen sehr lustiges, kluges, zynisches und absolut wortgewaltiges Kabarett. Höchst musikalisch - angesiedelt irgendwo zwischen Chanson und Hip Hop – spricht, singt, rappt Pigor und bringt dabei beeindruckende Wortkaskaden hervor – lyrisch, satirisch und Kritik auf den
Punkt gebracht. “Zeitverplempern mit Sozialkontakten” ist eine böse Abrechnung mit lästigen Nachbarn oder Freunden, die zum Spieleabend rufen. In “Kevins” kriegt die Jugend von heute ihr Fett ab, in “Maulende Rentner” die reisenden Rentner, die überall auf der Welt das Personal mit
ihrer Besserwisserei (“deutsches Know-How-better”) terrorisieren.
“Rabenmutter” persifliert herrlich die gängigen Klischees über Mütter, die es wagen, ihre Kinder dem Babysitter anzuvertrauen und sich einen netten Abend zu machen. Und zum Abschluss eine kleine Textkostprobe (Hip Hop-Musik muss man sich dazudenken) aus meinem persönlichen
Favoriten “Nieder mit IT”:


“Einstellungen verstellen sich von allein
Programme, die von selber nach Updates schrein!
Adapterkabel passen nirgendwo rein
Cookies nisten sich ein
Pop up Fenster wollen ununterbrochen geschlossen sein (...)
Sie haben uns soweit gebracht, dass wir, ohne zu klagen
Jedem Drecksteil sein eigenes Netzgerät hinterhertragen
Wir geben dreißigstellige Zahlenfolgen ein ohne zu protestieren
Bürger habt ihr den Braten immer noch nicht gerochen?
Sie wollen uns unterjochen!
Die Science Fiction der 60er Jahre war schlecht
Doch sie hatten recht!
Sie sollen uns und nicht wir ihnen dienen
Vorwärts im Kampf gegen die Herrschaft der Maschinen
Nieder mit IT!”

Was hat das ganze mit systemischer Therapie zu tun? Naja, nicht wirklich
was, aber es ist einfach gut und falls noch jemand ein Weihnachtsgeschenk
braucht ...
Verena Kuttenreiter


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Frohe Weihnachten und ein gutes 2009!!!
wünscht das ÖAS-Sekretariat

Um uns den Ablauf zu erleichtern, ersuchen wir alle, die uns redaktionelle Texte für die Netzwerke schicken, diese bitte ausschließlich an Verena Kuttenreiter zu mailen: v.kuttenreiter@gmx.at Für alle Anliegen und Termine der Regionen, sowie für Inserate ist Margret Wantoch unter office@oeas.at zuständig. Danke!
Redaktionsschluss der nächsten netzwerke ist am 5. März 2009.


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