Netzwerke

netzwerke 3/ 2008 (oktober 08)

update: 12-Okt-2008

INHALT


EDITORIAL  

Liebe Mitglieder!

willkommen im Herbst, der sich gegen den Winter doch noch behaupten konnte. Ein bisschen verspätet erscheinen die netzwerke und die ganz große Schreibwut ist noch nicht so recht ausgebrochen. Jede/r findet sich wohl nach den diversen Urlauben erst einmal wieder in seine eigene Arbeitswelt und Selbstverwaltung hinein – die netzwerke sind entsprechend etwas
schlanker diesmal.

Interessante Beiträge gibt es trotzdem allemal: Gerda Mehta berichtet aus persönlicher Sicht über die Entwicklung der Zusammenarbeit zwischen ÖAS und SFU. Nachdem bei der letzten Generalversammlung einige Fragen und Unklarheiten zu dieser Kooperation aufgetaucht sind,
soll dies als Startschuss für eine Auseinandersetzung verstanden werden.
Die Gegenüberstellung von Pro- und Kontrastimmen zu diesem Thema folgt in den nächsten netzwerken. KritikerInnen und BefürworterInnen seien hiermit eingeladen ihre Beiträge an uns zu senden.

Das Thema der (vereinfacht einmal so übertitelt) „Konzeptlosigkeit“ der letzten beiden „Positionen“ findet auch in den aktuellen netzwerken noch Nachhall: Martin G. Sellner vermutet tendenziell eher Faulheit denn Reflexion, wenn sich TherapeutInnen in die „Konzeptlosigkeit“ flüchten und Sabine Klar antwortet ihm auf seine Kritik.

Ein Literaturtipp kommt von Michaela Sit und Dominik Rosenauer meldet sich in neuem Gewand – mit „zirkulären gedanken“ - zurück. Und außerdem mit einem virtuellen Diskussionsforum auf der ÖAS-Homepage, das er (derzeit leider noch alleine!) als Moderator betreut.
Auch beim Jour Fixe-Programm tut sich was. Fix ankündigen können Susanne Klingan und ich fürs Jahr 2009 bereits den Jänner-Termin zum Thema „Digitale Medien“. Ansonsten sind wir gerade am Ausbaldowern und Planen, was wir uns an Themen und Vortragenden wünschen. Ich
glaube, es wird wieder interessant. Vorschläge nehmen wir, wie immer, gerne entgegen.
Das wär`s für diesmal, Ihr lest von uns bald wieder, nämlich im Dezember.

Verena Kuttenreiter



BERICHT DES OBMANNS

Es gibt einige Neuigkeiten zu berichten, aber noch viel Unsicherheit darüber, wie sie sich auswirken: Die SFU: Gerda Mehta beschreibt ausführlich in diesem Heft ihre Beziehung zur SFU. Ich habe den Vertrag unterschrieben, bin also auch Partei. (Durch diese Kooperationen werden viele Dinge möglich, die uns sonst verschlossen wären).
Aber es gibt auch viele sehr große SkeptikerInnen, deren Argumente nicht einfach vom Tisch gewischt werden dürfen und können. Die Argumente des Für und Wider werden hier noch ausführlich Platz bekommen, momentan würde eine Auseinandersetzung in schriftlicher Form aber einen Dialog erstarren lassen, die Standpunkte zu sehr fixieren, meine ich. Daher meine Bitte um Verständnis und noch etwas Geduld.

Apropos Kooperation: Die Lehranstalt für Systemische Familientherapie, Sektion Familientherapie des ÖAGG und die ÖAS haben beschlossen, 2010 einen gemeinsamen Kongress zu Themen, die im Diskurs der systemischen Therapie noch nicht sonderlichen Einfluss haben, zu veranstalten. Damit ist ein weiterer Schritt in der engen Zusammenarbeit unserer Schulen geplant, den ich für sehr wichtig halte. Wir werden weiter berichten.

Die Verwaltung der ÖAS wird weiter umstrukturiert. Nachdem in den letzten Jahren die einzelnen Regionen betont wurden (West- Ausbildungen in Salzburg, Graz und Innsbruck – Ost-Ausbildung in
Wien, SFU-Ausbildung in der SFU und die Zentrale, die auch das Fortbildungszentrum einschließt), haben wir jetzt die Aufgaben des Büros in der Gonzagagasse schärfer definiert. Margret Wantoch wird Büroleiterin. Alle FunktionsträgerInnen, vom Steuerberater über die Delegierten bei den verschiedenen Institutionen bis zum Obmann, müssen in Zukunft ihre Berichte der Büroleiterin schicken. Sie kontrolliert, ob diese Berichte vollzählig abgeliefert werden, um sich so mit dem gesamten Informationsmaterial mit dem Vorstand abzusprechen. Der Vorstand ist natürlich weiter das Gremium, das Entscheidungen zu vertreten hat, aber das Büro bekommt eine bedeutend zentralere Rolle.

Die Homepage hat ein Diskussionsforum bekommen, auf das ich schon sehr gespannt bin - übrigens ein erstes Ergebnis des „open space“ der Generalversammlung vom Frühsommer.

Letzter Punkt: ÖBVP – WLP: Die Wiener bekommen ja sehr deutlich mit, dass es bisher noch keine Einigung gegeben hat. Aber die Aufregung scheint sich doch etwas gelegt zu haben. Ich sah damals keine andere Möglichkeit, als Stellung zu nehmen, aber die Stellungnahmen haben bei
uns eine Diskussion eröffnet, nicht die Spaltung fortgesetzt. Das ist gut.
Mit herzlichen Grüßen zum Beginn dieses neuen Arbeitsjahres

Joachim Hinsch

EINLADUNG ZUM INFOABEND "SUPERVISIONSAUSBILDUNG

Die nächste Supervisionsausbildung der ÖAS, die in Kooperation mit der SFU stattfinden wird, startet voraussichtlich im Mai 2009.
Da wir uns seit Monaten um die Anerkennung der Ausbildung durch die ÖVS (Österreichische Vereinigung für Supervision) bemühen, hat sich die Erstellung des Curriculums leider verzögert. Auch wird es erst nach der Zusage bezügl. der Anerkennung schriftliches Infomaterial geben.
Nichtsdestotrotz laden wir herzlich am Do 6.11.2008 ab 18 Uhr zum Infoabend in die ÖAS Wien ein, wo wir Sie gerne über das Curriculum, die Ausbildungsvoraussetzungen und die Kosten informieren.

DSA Hedwig Wagner und Mag. Clemens Stieger


KOOPERATION ÖAS -SFU

Oder: Wie sitzt frau auf mindestens 2 Sesseln?
Eine Darstellung von Gerda Mehta


Wie so manche/r österreichische PsychotherapeutIn, engagierte auch ich mich im Osten von Europa Psychotherapie zu lehren. Von der ÖAS sind Hedwig Wagner, Joachim Hinsch, Regina Hilbert, Luigi Trenkler, Elke Sengmüller und ich abwechselnd nach Moskau, Lemberg, Rostov und Omsk gefahren, um dort ohne monetäres Honorar zu unterrichten.
Diese Projekte waren getragen vom Vertrauen in die Gruppe um Pritz: der Menschen vor Ort, eine gute, kontinuierliche, aufbauende Ausbildung und europäische Zertifizierung zu erwerben, und unsererseits ein positives, bereicherndes Augen, Herz, Hirn und Ohren öffnendes Abenteuer in der Fremde zu haben. Und diese Hoffnung fand Bestätigung – es wurde eine unvergessliche Bereicherung für uns alle.

Im Umkreis der dort sonst noch engagierten PsychotherapeutInnen erfuhr ich davon, dass ein Vollstudium für Psychotherapiewissenschaften auf die Beine gestellt wird – zu einer Zeit, in der es viele Bestrebungen gab, die Psychotherapieausbildung einem Vollstudium gleichzusetzen. Damals wurden wieder einmal Wege gesucht, in akademische Strukturen eingebunden zu werden oder als solche Anerkennung zu bekommen. Der Bolognaprozess und die ECTS-Bewertungen gaben
neue Hoffnungen. Krems und Schloßhofen boten sich als Kooperationspartner für Fachspezifika an. Die ARGE Bildungs-management schuf Möglichkeiten ohne Vereinskooperationen als PsychotherapeutIn einen Master der Psychotherapie mit einem postgraduellen Studium in ca. einem Jahr zu erwerben – aufgrund individueller Anerkennung des Propädeutikums und Fachspezifikums. Diese Möglichkeit zum Masterabschluss gibt es noch bis 2010. Ein Lehrgang beginnt Ende Oktober 2008.
An der SFU war ein anderes Modell angedacht: Studium und Fachausbildung stehen nicht getrennt neben- oder hintereinander. Und das faszinierte mich. Da wollte ich dabei sein, weil ich mir einbildete, beitragen zu können. Bei der KAI 9/2003 (Konferenz auszubildender Institutionen = ein informeller Zusammenschluss der Sektion Familientherapie des ÖAGG, der LaSF und der ÖAS) wollte ich alle systemischen Vereine dafür begeistern, dass wir gemeinsam ein Studium entwickeln und anbieten sollten (Master in marriage und family therapy als Vorbild nehmend, das man schon lange in verschiedenen anderen Staaten studieren kann - eine der Erleichterungen für eine Akkreditierung). Die damalige Obfrau Corina Ahlers und Hedwig Wagner als Ausbildungsleiterin im 2. Abschnitt in Wien, erkundigten sich, pilgerten ins Wissenschaftsministerium, lasen Antragsunterlagen, usw. Aber die meisten ÖASler bremsten, und so schlief diese Möglichkeit letzten Endes wieder ein. So stieg ich in der SFU ein – ohne Rückendeckung von der ÖAS, denn in der ÖAS gab es damals abwartende Haltungen, viele Pro-, aber auch starke Kontrastimmen.

Inzwischen ist die SFU seit 6/05 akkreditiert - für ein Vollstudium und ein Doktoratsstudium für Psychotherapiewissenschaften. Frau Mag. Susanne Karlovits von C9 hat im Juli 2008 ihren Magister der
Psychotherapiewissenschaften mit ihrer Masterarbeit „Sterbehilfe - gesellschaftliche und institutionelle Hintergründe und deren Bedeutung für die Psychotherapie“ erlangt, andere PsychotherapeutInnen der ÖAS sind ebenfalls dort inskribiert.

Gemeinsam mit Jutta Fiegl (Absolventin von C2 und seither ÖASMitglied) und anderen LehrtherapeutInnen habe, ich seit 2003 daran gearbeitet, Strukturen und Inhalte so vorzubereiten und zu erarbeiten, dass ein Fachspezifikum in der Qualität des ÖAS-Curriculums die Anforderungen an ein Studium erfüllt und diese sich gegenseitig inhaltlich befruchten. So ist es u.a. interessant zu sehen, wie sich eine etwas andere Art der Forschung - aus der Praxis für die Praxis - von PraktikerInnen mit wissenschaftlichem Anspruch zu etablieren beginnt. Sehr zugute kommt den StudentInnen die inzwischen überfüllte Psychotherapeutische Ambulanz an der SFU als Praxisfeld - der mittlerweile größte Versorgungsanbieter für Psychotherapie in Österreich. Humor, gute Stimmung und Wohlwollen lässt das riesige Pensum bewältigen, so meinen die SFU-StudentInnen.

Im April 2008 bin ich zur Leiterin des ÖAS-Fachspezifikums am Standort SFU vom Vorstand eingesetzt worden. Denn zu meiner und vieler anderer Freude und zu manchem Leid, kam im April 2008 nach langem Ringen ein Kooperationsvertrag zwischen ÖAS und SFU zustande: der fachspezifische Anteil für Systemische Familientherapie am Studium der Psychotherapiewissenschaften wird von der ÖAS organisiert, geleitet, kontrolliert, begleitet, qualitätsgesichert, der andere Studienteil von Jutta Fiegl als Vizerektorin der SFU. Aber de facto entwickeln wir gemeinsam mit den in diesem Wahlpflichtfach tätigen LehrtherapeutInnen, mit den StudentInnen, Inhalte und Strukturen, die sich langsam zu einer klaren Gestalt formen.

Der Kooperationsvertrag macht die ÖAS zu einem wichtigen Teil einer bislang weltweit einmaligen Möglichkeit – einem Vollstudium für Psychotherapiewissenschaften. Diesen Herbst beginnt bereits die 5. Gruppe; bald auch ein erster Studienlehrgang in englischer Sprache; die Systemische Familientherapie macht dabei voraussichtlich den Anfang!

Am 25. April 2009 wird es eine Paartherapietagung geben, die gemeinsam von der ÖAS und der SFU veranstaltet wird. Ebenso haben wir übergreifende Theorieseminare geplant. Interessante Arbeitskreise stehen für ÖASler offen (siehe www.sfu.at, z.B. Film-jour fixe einmal im Monat, alle 2 Monate eine Vernisage, Interessensgruppen über Messieforschung, Wissenschaft und Psyche, gender studies,
Neurophysiologie, Wissenschaftstheorie und Psychotherapie, viele Tagungen,..).
Weitere Pläne und deren Umsetzungen obliegen den Visionen, Initiativen, Geduld, Verhandlungen und zähem Dranbleiben, bis Spielwiesen zu Gestalten, Produkten, Prozessen und Leistungsnachweisen
auskristallisieren.

Ich habe die SFU als eine kreative, offene, ernsthafte, von Bemühen, Dialog und Arbeit geprägte Plattform erlebt und freue mich, nun auch im Namen der ÖAS dort tätig sein und queerhandeln zu können. Meine Vision ist nach wie vor: Systemische FamilientherapeutInnen sollen die Wahl haben, ob sie ein Vollstudium oder ein Fachspezifikum machen wollen. Jedem und jeder das Seine/Ihre. Denn Handlungsmöglichkeiten erweitern, ist nach wie vor mein Slogan.

Gerda Mehta


POSITIONEN

Das freie Wort des Schülers: Grenzgänge – eine Replik von Martin G. Sellner auf die vorangegangenen Positionen zum Thema der Konzeptlosigkeit in der systemischen Therapie

Warum erscheinen mir Grenzgänge als eine eigene Wissenschaft, wenn sie von Sabine Klar vorgetragen werden? Warum kommt bei mir bei Anderen der Eindruck hoch, es könnte Faulheit sein, die richtigen Sachen zu machen, wieder ein Mal - nach Jahren der ausbildungsmäßigen Absenz – in ein Buch zu schauen, ob das was man macht, „richtig“ ist; oder noch vertretbar ist?
Wenn Frau Klar ein Tetralemma vorschlägt, so erscheint mir sogar die Erklärung von Insa Sparrer als länger und komplizierter. Da scheint Wissen durch. Da scheint Weisheit durch. Da scheint Reflexion durch. Und dennoch – oder gerade deshalb – macht sie es anders. Kreativ.
Bevor jeder einzelne Therapeut sich verteidigt, seine eigene Lehre zu leben, möchte ich eine Lanze brechen für die Puritaner. Ein/e rein nach Methode vorgehende TherapeutIn, die/der reflexiv und wissentlich eine Methode anwendet, hat meinen vollen Respekt. Obwohl jede und jeder
vermutlich situativ handelt; und weil vermutlich jede und jeder seinen ihr und ihm eigenen Stil hat. Doch Sie sind Kenner und Könner in ihrem Fach.
Wird das Nicht-nach-Regeln-Arbeiten von Anderen als Ausrede verwendet, weil man die Regeln nicht mehr kennt? Dieser Verdacht drängt sich komischerweise auf. Ich denke, kein Konzept bleibt kein Konzept. Denn frei nach Watzlawicks erstem Axiom: „man kann nicht konzeptlos arbeiten!“
Und hier möge Konzept nicht mit Rezept, sondern fehlendes Konzept mit fehlendem Rezeptbuch gleichgesetzt werden (ob ich das Rezeptbuch dann verwende oder es beiseite lege und jedem Klienten seine eigene Therapie – frei nach Yalom und frei nach Klar – zukommen lasse, ist eine
weitere, andere Diskussion).
Warum erscheinen mir „Grenzgänger“ manchmal als Faule und Pfuscher, die sich an die Wahrheit, das Licht, die Lehre nur nicht mehr erinnern können; zu faul, es nachzulesen? Ohne eine eigene Wahrheit,
ein eigenes Licht, eine eigene Lehre gefunden zu haben? Vielleicht weil ich letzteres fordere. Ich fordere es von all jenen, die sich als Grenzgänger bezeichnen: ein reflexives Verständnis des Bisherigen und einen klaren Blick in die Zukunft, auf das Neue. Dann kennt die
Grenzgängerin andere Konzepte, wendet sie allerdings bewusst nicht an. Und dann gilt es für mich als das spannende Grenzgehen!
P.S.: Reflexion auf Frau Klingan: Wenn es nur die Haltung ist, ist es m. E. Rogers in Reinkultur. So leicht kommt man aus der Konzeptdiskussion nicht weg. Und daher führen die Methoden Skalierungsfragen, zirkuläres Fragen) zum zumindest latent vorhandenen (Teil?-)Konzept.

Martin G. Sellner


Antwort von Sabine Klar auf den Text von Martin G. Sellner

Nach der Lektüre des Beitrags von Martin Sellner bin ich mir nicht mehr sicher, ob ich hier eigentlich kritisiert oder gelobt werde. Denn natürlich hat er damit auch recht: ich bin teilweise auch einfach zu faul, mir einen Überblick über die Fülle der Publikationen zu verschaffen, die systemische
Methoden beschreiben. Ich mache stattdessen lieber etwas anderes – stundenlang mit einem Philosophen über Fälle diskutieren, an denen wir gemeinsam arbeiten; jahrelang an irgendwelchen eher obskuren, wenn auch tendenziell eigenständigen Grundkonzepten kauen; mich in unvereinbaren geistigen Umgebungen bewegen; im Sinn der Transparenz in Form von Skripten darstellen, wie ich therapeutisch arbeite und was ich davon ausgehend unterrichte. Natürlich verbringe
ich auch lieber wochenlang Rückzugszeiten auf unserer Almhütte und mähe das Gras, reguliere einen Bach, gehe „wild“ – und lerne daraus.

Ich kann nicht alles – das wird mir immer mehr bewusst. Ich kann mich auch nicht mehr für alles interessieren, meine Hirnkapazitäten geraten dann an ihre Grenzen. Methodische Hinweise verstellen mir persönlich den Blick auf Menschen und hindern mich daran, im jeweiligen Moment kreativ und ganz da zu sein. Vielleicht ist das nur bei mir so - da ich aber mein eigenes Werkzeug bin, muss ich auf meine Eigenheiten achten. „Fleiß“ war jedenfalls nichts, das mir geholfen hat, eine bessere
Therapeutin zu werden – er konzentriert mich zu sehr auf mich selbst und meine Leistung und zu wenig auf mein menschliches Gegenüber. Trotzdem kann ich gut nachvollziehen, was Martin Sellner sagt. Als
Psychotherapeutin will ich wissen, was ich tue – es muss mir bewusst sein. Als Lehrtherapeutin sollte ich es zusätzlich beschreiben und vermitteln können. Wenn ich mir erlaube, keine methodische Fachliteratur zu konsumieren, bedeutet das nicht, dass ich nichts von anderen lernen kann und muss.

Die Diskussion erinnert mich an jene Anfang der 90er Jahre, wo wir uns über die Position des „Nicht-Wissens“ auseinandersetzten und jene Anfang des Jahrhunderts, in der ich mich über die „Beliebigkeitshaltung“ der SystemikerInnen aufregte. Ich vertrete dabei immer noch folgende Meinung: Wenn ich im Grund nichts weiß, bedeutet das nicht, dass ich nichts wissen will. Wenn sich unsere Welt als konstruiert erweist, bedeutet das nicht, dass jede Konstruktion bzw. „Geschichte“ dem Verständnis des Gegenübers, um das es geht, angemessen ist. „Wildgehen“ hat nichts damit zu tun, gedankenlos unterwegs zu sein. Wichtig scheint mir bei all diesen Konzepten (auch dem des konzeptlosen
therapeutischen Arbeitens), dass man sich nicht breit und zufrieden darauf niederlässt, so als hätte man endgültig etwas gefunden.
Deshalb bin ich froh über Infragestellungen – sie bringen den Prozess der Auseinandersetzung wieder in Gang, helfen dabei zu sagen was man vergessen hat und schaffen ein (dialektisches?) Milieu des Lernens, in dem man den anderen mit seiner so ganz anderen Perspektive wirklich braucht, um etwas herauszufinden. Bei einem bleibe ich jedenfalls: Ich bin eine Suchende, die auch das, was sie gefunden hat, bloß als Ausgangspunkt für weiteres Suchen nimmt. Und ich renne nicht blindlings durch die Gegend.

Sabine Klar


FREIE SEMINARPLÄTZE

Folgendes Theorie-Seminar wird in Kooperation mit der Sigmund Freud-
Universität zusätzlich angeboten:
Eve Lipchik in Wien: “STATE OF THE ART - Lösungsorientiertes Arbeiten inkl. Livesupervision”
Datum: 06., 08. + 09.06.2009

Detailinformationen und Anmeldung hier: www.oeas.at/weiterbildung/oder im ÖAS-Sekretariat Tel: 01/212 41 35,office@oeas.at


ZIRKULÄRE GEDANKEN

Liebe Leserin, lieber Leser, liebe KollegInnen!
Die Rubrik “Studentenfutter” ist tot. Es wurde gefunden, dass ich, der ich kein Student mehr sei, folglich auch nicht durch den Titel der Rubrik insinuieren wolle, dass ich Student sei. Wir erleben hier also ein „alter Wein in neuen Schläuchen“, denn wahrscheinlich werden Stil, Inhalt und
Eigenheiten gleich bleiben. Mir hat der Titel „Studentenfutter“ ja immer recht gut gefallen, weil er so schön mehrdeutig ist. Es war gar nicht leicht, einen neuen Titel zu finden, der mit kurzen Worten ausdrücken soll, was den Leser und die Leserin erwartet. Zahlreiche Bewerber um den Titel fielen aus dem Rennen, da sie nicht allzu geeignet erschienen; darunter solch eindrückliche Exemplare wie „Unser Mann im ÖBVP“ oder „In den Wind geschrieben“.
Ich habe mich also besonnen, was uns Systemische PsychotherapeutInnen besonders auszeichnet und welche Form des Miteinander- Kommunizierens für uns so beschreibend wäre. Dabei fiel mir das zirkuläre Fragen ein, das mir besonders typisch für unsere Fachrichtung erscheint. Tja, der Rest ist schnell erzählt und nicht sonderlich spannend.
Auf Anfragen beantworte ich gerne, wie es dann vom „Zirkulären Fragen“ zu „zirkuläre gedanken“ kam.
Wenn ich mir dann - getreu dem Titel der Kolumne - den Kopf zerbreche, was Sie nun über mich denken würden, komme ich zu dem Schluss, dass … eine interessante Frage! Àpropos „interessante Frage“! Wenn meine KlientInnen auf eine meiner Fragen diese Äußerung von sich geben, gibt es zwei Möglichkeiten: Sie finden die Frage absolut unpassend, sind aber zu gut erzogen, das auch so zu sagen oder sie finden die Frage tatsächlich interessant, wissen aber nicht was sie antworten
sollen und möchten so „Zeit gewinnen“, um nachdenken zu können. Ich hoffe, dass sie in der Regel vom zweiten Fall ausgehen.
Wenn Sie diese Ausgabe lesen, sind die Wahlen schon vorbei. Dann werden Sie mehr wissen, als ich jetzt. Auch das ist im Prinzip ein psychotherapeutisches Momentum mit dem wir leben müssen. Die andere Seite weiß immer mehr, als sie uns sagt. Ich glaube, dass wir Systemischen PsychotherapeutInnen zu einer Minderheit gehören, was dieses Bewusstsein über das Nicht-Wissen angeht. Wir sind uns in den meisten Fällen im Klaren darüber, dass es dem Gegenüber nicht aus dem Motiv heraus, uns nicht zu sagen, was es bewegt, sondern aus dem Grund des Selbst-Nicht-Wissens oder des Gerade-Nicht-Einfallens, „passiert“, dass wir PsychotherapeutInnen im Unklaren bleiben. Möglicherweise gilt das auch für die PolitikerInnen? Vielleicht sind sich die auch nicht klar, was
wir von ihnen wollen und daher sind sie gezwungen, uns nichts zu sagen, weil es könnte ja sein, dass wir das gar nicht hören wollen?
Nehmen Sie - um bei einem psychotherapeutischen Problem zu bleiben - die Zuschussregelung. Seit 1995 ist der Zuschuss zur Psychotherapie nicht erhöht worden. Aus diesem Grund finden gerade Gespräche statt, wo dem Hauptverband erklärt wird, dass wir da sehr wohl Änderungsbedarf
sehen. Wer weiß? Vielleicht reicht es einfach, es den Damen und Herren zu sagen. So nach dem Prinzip „Gut, dass wir darüber geredet haben!“? Es kommt ja noch dazu, dass wir vom Beruf her, offensichtlich
eher zu den Eigenbrötlern zählen. Ganz nach dem holländischen Prinzip: Solange du nicht in meinem Garten wilderst, ist mir egal was du machst … Das ist etwas, was von einem Beobachter (womit ich wieder systemischer werde) als „Liberalität“ missinterpretiert werden könnte.

Womit ich wieder am Anfang meiner Kolumne wäre: Es ist wichtig, dass von Anfang an klar wird, worum es mir hier geht. Das sollte sich schon im Titel zeigen. Und aus diesem Grund habe ich den „zirkuläre gedanken“ dann auch gewählt. Kleingeschrieben habe ich das deswegen, weil
ich nicht immer grammatikalisch korrekt denke. Aber das kennen Sie vielleicht auch von sich?

Dominik M. Rosenauer


DAS ÖAS-DISKUSSIONSFORUM

Liebe Kollegin, lieber Kollege!
Die alten Römer hatten eins und nun haben wir - die ÖAS - auch eines: ein Forum!
Dem alten Vorbild entsprechend, ist auch dieser Platz für Diskussion und Kommunikation innerhalb der ÖAS gedacht. Hier soll geplaudert, philosophiert und ausgetauscht werden können. Meinungen
einzelner Mitglieder, Ideen, Fragen werden hier ihren Platz finden und könnten so verdeutlichen, wie lebendig unser Verein ist und wie viele verschiedene Menschen und damit Farbtöne der Systemischen
Psychotherapie es innerhalb der ÖAS gibt.
Eine weitere Parallele zum Forum der alten Römer ist, dass auch bei uns jeder wissen wird, mit wem er es zu tun hat. Das bedeutet, dass entgegen den Usancen in anderen Foren, im Forum der ÖAS nur dann einE BenutzerIn freigeschalten wird, wenn sie/er auch den wirklichen Namen
verwendet. Der Grund für diese Entscheidung ist vor allem, dass eindeutig sein muss, ob es sich bei eineR UserIn um ein Mitglied der ÖAS handelt oder nicht. Ein „Dominik Rosenauer“ ist leichter als Mitglied zu identifizieren als ein „Schneeball“ oder „joe2510“.

Im Folgenden noch eine kurze Anleitung für alle, die nicht so erfahren mit dem Medium sind:
• Besuchen Sie die Homepage www.oeas.at.
• Gleich auf der Startseite rechts über dem ÖAS-Logo, bzw. im roten Balken unter der Rubrik "Notizen", findet sich das ÖAS-Forum.
• Nach einem Klick auf diesen Menüpunkt öffnet sich ein neues Fenster und das Forum der ÖAS ist offen.
• Beim ersten Besuch ist es nötig, sich als Benutzer zu “registrieren”.
• Dazu auf den Button "Registrieren" drücken (unter dem ÖAS-Logo).
• Ein neues Fenster erscheint, in dem man mit den Benutzungsbedingungen des Forums einverstanden sein muss (dazu auf den Button drücken)
• Im nächsten Schritt gibt man seinen Benutzernamen, eine e-mail-adresse und ein Passwort nach Wahl ein.
• Aus Sicherheitsgründen ist es notwendig, den "Bestätigungscode", der im Bild unterhalb der Eingabemaske zu sehen ist, einzugeben. (Das vermeidet Spam-Roboter, die sich sonst auch anmelden könnten).
• Nach dem Drücken des Buttons "Absenden", wird ein E-Mail an die AdministratorInnen des Forums gesandt und innerhalb kürzestmöglicher Zeit wird das Benutzerkonto freigeschaltet.
Diese Prozedur ist natürlich nur beim ersten Verwenden des Forums nötig. Bereits ab dem nächsten Besuch kann man sich ganz einfach mit "Anmelden" im Forum anmelden und posten, lesen, sich austauschen.

Für Fragen stehe ich als Moderator:
Dominik M. Rosenauer (dominik.rosenauer@inode.at)
bzw. das ÖAS-Sekretariat als "allgemeine Auskunftsstelle" (office@oeas.at) gerne zur Verfügung!
Ich freue mich schon auf spannende Diskussionen und ein lebendigesForum!

Dominik Rosenauer


WIR BEGRÜSSEN

In den Reihen der ÖAS heißen wir herzlich jene willkommen, die im Zuge der Ausbildung neue ÖAS-Mitglieder geworden sind und wünschen gute und erfolgreiche Ausbildungsjahre:

Marianne Augustin, Michaela Freidl, Kerstin Germ, Reinhard Greimeister, Dieter Grafenberger, Robert Gragl, Yvonne Hausberger, Sonja Hutter, Cornelia Koch, Slavica Mladen, Andrea Mohapp, Heidemarie Moser, Karin Pestitschegg, Isabella Pittner-Meitz, Karin Fleischmann, Viktoria Rübenbauer, Marlene Sajowitz, Michaela Schöllauf, Tanja Schriebl, Sabine Stückler, Katrin Trenker, Harald Wallner, Birgit Wildhölzl



LITERATUR- und FILMTIPPS

(zu den gesammelten Literatur Tipps aller bisherigen Netzwerknachrichten gelangt man hier)

Dirk Revenstorf, Burkhard Peter (Hrsg.)
„Hypnose in Psychotherapie, Psychosomatik und Medizin. Manual für die Praxis“
Springer-Verlag 2001, Nachdruck 2007, 824 Seiten, € 59,95

Hypnose gilt als eines der ältesten Heilverfahren der Menschheit. Sie verbindet Körper und Seele (und damit Medizin und Psychotherapie) wie keine andere Therapieform. Der moderne hypnotherapeutische Ansatz geht zu einem großen Teil auf den amerikanischen Psychiater Milton H. Erickson zurück. In den letzten Jahrzehnten hat die Hypnotherapie große Verbreitung gefunden; es wurden vielfältigeAnwendungsmöglichkeiten entwickelt und für ihre Effektivität umfangreiche empirische Belege geliefert. Untersuchungen aus der klinischen Hypnoseforschung haben gezeigt, dass Hypnose bei nahezu allen psychischen und psychosomatischen Problemen von großem therapeutischem Nutzen
ist.
Dem renommierten Herausgeber- und Autorenteam ist es gelungen, ein Kompendium der modernen Hypnotherapie mit theoretischen Grundlagen, wichtigen Basistechniken und praktischen Anleitungen für die Behandlung einzelner Störungsbilder zu schaffen.
Der Band gliedert sich in sieben große Abschnitte: so setzen sich die AutorInnen z.B. in den „allgemeinen Prinzipien der Hypnotherapie“ mit der Konstruktion von Wirklichkeit, mit Trance, Trancephänomenen, dem Konzept der Problemtrance und mit Utilisation (Nutzbarmachung von
Eigenschaften der KlientInnen als mögliche Ressource) auseinander. Der Abschnitt „Allgemeine Methoden“ beinhaltet Methoden zur Einleitung von Trance (direkte und indirekte Induktion), Arbeiten mit Metaphern und Geschichten, Techniken des Reframing und Methoden der hypnotischen Altersregression.
In der „Schlussdiskussion“ geben die Herausgeber noch einen geschichtlichen Überblick und zeigen, wie sich die Hypnotherapie mit anderen Therapieformen kombinieren lässt.

Fazit: Wer sich mit Hypnose beschäftigt, findet in diesem Buch einen Überblick der modernen Hypnotherapie, nützliche Anwendungskonzepte von international renommierten ExpertInnen und jede Menge Anregung für die eigene Arbeit.

Michaela Sit


JOUR FIXE - Vorträge und Diskussion

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NETZWERKE-REDAKTION IN EIGENER SACHE

Liebe Mitglieder,
regelmäßig erhalten Sie als Service der ÖAS Jour Fixe-Einladungen, Kongressveranstaltungen, Seminarangebote, Stellenangebote und dergleichen. Leider haben wir nicht von allen Mitgliedern eine aktuelle mail- Adresse und müssen daher diese Informationen oft auf dem Postweg
versenden. Bitte helfen sie uns, Zeit und Geld zu sparen und informieren Sie uns über Ihre aktuelle mail-Adresse bzw. über diesbezügliche Änderungen.
Vielen Dank, das ÖAS-Sekretariat

Um uns den Ablauf zu erleichtern, ersuchen wir alle, die uns redaktionelle Texte für die Netzwerke schicken, diese bitte ausschließlich an Verena Kuttenreiter zu mailen: v.kuttenreiter@gmx.at Für alle Anliegen und Termine der Regionen, sowie für Inserate ist Elisabeth Gmeiner unter office@oeas.at zuständig. Danke!
Redaktionsschluss der nächsten netzwerke ist am 5. Dezember 2008.

ACHTUNG! Seit September 2008 gelten für die netzwerke neue Anzeigenpreise:

Die netzwerke werden 4 x jährlich an alle ÖAS-Mitglieder (österreichweit etwa 650) per Post versendet. Die Formatangaben betreffen Breite x Höhe. Inserate bitte als Text oder pdf-File spätestens bis zum jeweiligen Redaktionsschluss an: office@oeas.at senden. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an das ÖAS-Sekretariat.


SCHWARZES BRETT

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