Netzwerke

netzwerke-nachrichten
Netzwerke 1/ 2008 (März 08)

update: 08-Apr-2008

INHALT


EDITORIAL

 

Liebe Mitglieder!

Das ist die erste Ausgabe der netzwerke im neuen Jahr,
man vertippt sich nicht mehr bei der Jahreszahl 2008
und eigentlich fühlt es sich gar nicht mehr so neu an, das
„neue Jahr“. Die Stürme fegen durch Österreich, den PolitikerInnen kann
man wirklich kaum noch zuhören, die Lebensmittel sind teurer – wie
schön, denke ich mir, dass wir uns in unserem kleinen Universum der
netzwerk-Nachrichten nicht mit all diesen unerfreulichen Ereignissen
befassen müssen. Wie schön, dass wir es uns auf diesen paar Seiten
leisten dürfen, die Welt da draußen nahezu, zumindest für kurze Zeit, bei
Seite zu lassen.


Wir haben eine Menge interessanter Texte: ich habe diesmal in den Positionen versucht, die Konzeptlosigkeit beim therapeutischen Arbeiten zu würdigen, Sabine Klar und Andrea Brandl-Nebehay haben dann jeweils sehr schöne Kommentare zu meinem Text verfasst.
In Graz hat Karl Klug anlässlich des 80igsten Geburtstages ein Gespräch mit Georgine Steininger geführt und es uns geschickt. Für jüngere LeserInnen, die sie (wie ich) nicht persönlich kennen, gibt das Interview einen beeindruckenden Einblick in die Kindheit und Jugend von Frau Steininger.
In den Literaturtipps werden von Herbert Gröger und Corina Ahlers nicht nur sehr kompetent zwei Bücher vorgestellt, sondern auch gleich inhaltliche Auseinandersetzungen geliefert – das macht Lust aufs Lesen.
Außerdem: Die Jour Fixe-Veranstaltungen für 2008 in Wien stehen fest und es werden wieder viele interessante Themen aufgegriffen:
Schreiben in der Therapie, Arbeit mit Kindern, Magersucht, Sexualberatung, Therapie bei Allergien und Therapie bei Spielsucht.

So, das wärs. Wieder einmal herzlichen Dank an alle, die diesmal für die netzwerke geschrieben haben! Und falls Euch bis zu den nächsten netzwerken auch vorkommt, dass die Zeit ziemlich schnell vergeht, während gleichzeitig ein Arbeitstag manchmal sehr lang sein kann – dann denkt an den Ausspruch von Goethe: „Das Leben ist kurz, aber ein Tag ist lang.“ Der hat das auch schon so gesehen.
Auf dass uns allen die schöne Zeit langsam und die schlechte schnell vergehen möge.


Verena Kuttenreiter



BERICHT DES OBMANNS

Das Bürokratische zuerst:
Das neue Buchhaltungsprogramm verändert die Arbeit des Sekretariats und der Buchhaltung zutiefst. Das Erarbeiten, Umarbeiten, Umdenken und Umsetzen neuer Kategorien führte durch ein Tal der Verzweiflung. Wir wussten immer, dass es schwer wird, aber das, was da auf Margret Wantoch, Liesi Gmeiner und Thea Meinharter zugekommen ist, übertrifft doch noch alle Erwartungen. Ihnen gilt mein ganzes Mitgefühl und meine
Anteilnahme angesichts dieser Arbeit. Aber demnächst sollte der Berg bezwungen sein.

Systemische Gesellschaft: Seit letztem Jahr ist die ÖAS Mitglied der Systemischen Gesellschaft, im Januar fand eine außerordentliche Generalversammlung in Berlin statt. Es ging um die Frage, wie Qualitätskontrolle in einem systemischen Selbstverständnis gewahrt werden könnte. Dazu wurde in 6 Kleingruppen zu verschiedenen Themen diskutiert, die Ergebnisse auf einer Flipchart festgehalten. Dann wanderte jede Gruppe zum Nebentisch und nahm aus der erarbeiteten Sicht zum Thema der anderen Gruppe Stellung. Dann weiter, bis jede Gruppe zu jedem Thema schriftlich ihre Ideen dazu geschrieben hatte. Die Ergebnisse wurden dann noch kurz diskutiert. Ergebnis: Die Mitgliedsinstitute sollen sich gegenseitig besuchen und Wissen und Erfahrung austauschen. Die Diskussion wird fortgesetzt.

Generalversammlung: Am 14.06.2008, 14.00 findet unsere Generalversammlung statt. Der Vorstand wurde vor zwei Jahren gewählt - muss also bei dieser Generalversammlung entlastet, bestätigt (oder ein anderer gewählt) werden. Trotz der Wahl möchte ich versuchen, die einzelnen Berichte so kurz wie möglich zu machen.

9.00 s.t. -13.00 „Stimmen hören“ Moderation: Erwin Rössler
In der letzten Generalversammlung hat der Vorstand den Auftrag bekommen, diesen Tag so zu gestalten, dass er unbedingt attraktiver wird, das heißt, dass mehr Personen es gut finden, sich Zeit zu nehmen. Dazu möchte ich am Vormittag, also vor Beginn der Generalversammlung - folgende Idee umzusetzen:
Erwin Rössler – Uraltmitglied der ÖAS – hat sich bereit erklärt, eine Diskussion zwischen vier Gruppen zu moderieren:
1. Ausbildungskandidatinnen, 2. Lehrtherapeutinnen, 3. Mitglieder, 4.Sekretariat und Vorstand.
Ziel ist, eine Auseinandersetzung darüber zu initiieren, wie es diesen vier Gruppen geht, was sie brauchen würden, um sich in der ÖAS wohler zu fühlen, ob ihre jeweiligen Anliegen von den anderen Gruppen zur Kenntnis genommen werden. Was sie tun können, dass sich das ändert, falls sie nicht zufrieden sind. Diese Fragestellungen werden noch genauer ausgearbeitet werden und dann am Anfang präsentiert und – wenn notwendig – diskutiert werden. Die Idee dabei ist, dass Begegnungen zwischen diesen Gruppen meist in einer schiefen Ebene stattfinden: z.B. Lehrende und Lernende. Aber auch Mitglieder ohne besonderen Status sehen sich vielleicht nur als Bezieherinnen von „Systeme“ und „Netzwerke“, würden aber gern auch noch in anderer Form gesehen werden. Bei der Generalversammlung treffen sich Mitglieder der ÖAS, die mit ihren Anliegen gehört werden wollen. Das sollte – bei aller Schwierigkeit – einen Unterschied machen, der einen Unterschied macht. Erwin Rössler hat darauf bestanden, dass auch Überlegungen dazu stattfinden sollen, was mit den Ergebnissen weiter passiert.
LehrtherapeutInnen aus Innsbruck, Salzburg, Graz und Wien haben ihr Kommen zugesagt. Es wäre schön, wenn sich auch Ausbildungskandidatinnen aus diesen Ausbildungsstätten und viele andere Mitglieder Zeit nehmen würden.
Ich hoffe, dass diese Idee Anklang findet und – vielleicht – die ÖAS ein klein wenig verändert.
Kaffee, Saft, Wein, Bier und reden - im Anschluss an die G.V. ist ein Zusammensein eingeplant.

Prof. Dr. Ludwig Reiter wurde am 21. Februar 70 Jahre alt: Ludwig Reiter ist der erste Leiter des Instituts für Ehe- und Familientherapie in der Wiener Praterstraße, Autor von unzähligen Veröffentlichungen, hat die österreichische familientherapeutische Szene in Deutschland bekannt gemacht und hat dann vor über 20 Jahren die ÖAS, die er auch als Vorsitzender 6 Jahre leitete, gegründet. Er hat die Systemische Szene in Österreich befruchtet, organisiert und ihr Struktur verliehen wie kein zweiter. Vor etwa 12 Jahren hat er sich aus allen Funktionen zurükkgezogen und eine große Lücke hinterlassen, ruhte doch die wissenschaftliche Betrachtung der systemischen Therapie in Österreich so ziemlich allein auf seinen Schultern.
Im Namen des Vorstandes möchte ich ihm hier ganz herzlich meine Glückwünsche zu seinem Geburtstag aussprechen.
Herzliche Gratulationen und eine Würdigung seines Lebenswerkes finden sich auch in www.systemagazin.de.

Joachim Hinsch



EINLADUNG ZUR GENERALVERSAMMLUNG


am Samstag, den 14.06.2008 14.00 Uhr
****
Vorher: “Stimmen hören”
Moderation Erwin Rössler (siehe Bericht des Obmanns)
****
Nachher: Bei einem Gläschen
über alles reden, was Spaß macht


VORANKÜNDIGUNG:

Systemische Supervisionsausbildung -
Professionelles Handeln im Arbeits- und Organisationskontext

Im Frühjahr 2009 wird die 5. Supervisionsausbildung der ÖAS starten.
Die Ausbildung ist im Unterschied zu bestehenden Ausbildungen als Aufbau-Curriculum angelegt und wendet sich vorrangig an
PsychotherapeutInnen mit systemischer Ausrichtung bzw. vergleichbarer systemischer Weiterbildung, die ihre systemische Qualifikation in Richtung Anwendung von Supervision in beruflicher und organisationaler Ausrichtung erweitern und professionalisieren wollen und die Tätigkeit als SupervisorIn anstreben.

Das Curriculum wird 11 Module mit spezifischen Inhalten zu Supervision, Coaching und Organisationsentwicklung umfassen und
vorrangig in Wien stattfinden. Für den Abschluss sind zusätzlich noch Peergruppenarbeit, Lehrsupervision und Supervisionspraxis notwendig. Eine Annerkennung durch die ÖVS wird gerade verhandelt.

Zur Zeit werden die Detailplanungen vorgenommen. InteressentInnen können sich aber bereits im ÖAS-Sekretariat melden.


FREIE SEMINARPLÄTZE

ACHTUNG!!
Das Theorieseminar “AD/H/S - ein Problem und viele Chancen?” mit
Inge Saval muß leider von 28.-29.03.2008 auf 20.-21.06.2008 verschoben werden!!

Für folgendes ÖAS-Seminar gibt es noch einige Restplätze:
Theorieseminar:
“Vorwärts in die Vergangenheit - zurück in die Zukunft” Kindheits- und Lebensgeschichten als Erzählraum, der zu neuen Selbstbildern einlädt.
Vortragende: Andrea Brandl-Nebehay
Datum: 16.-17.05.2008
Für Detailinformationen und Anmeldung wenden Sie sich bitte an das ÖAS-Sekretariat Tel: 01/212 41 35, office@oeas.at


POSITIONEN

Kein Konzept ist auch ein Konzept - von Verena Kuttenreiter

Die systemische Szene lässt sich – neben vielen anderen Kriterien – unterteilen in PsychotherapeutInnen, die explizit nach einer bestimmten Methode bzw. nach einem bestimmten Konzept arbeiten und jene, die das nicht tun.
Viele Workshops und Seminare werden gehalten, in denen Konzepte und Methoden gelehrt werden, da diese in ihrer Eindeutigkeit und
Abgrenzbarkeit – vielleicht auch Reduzierbarkeit - entsprechend vermittelbar sind. Sie können grafisch oder manchmal sogar mit Hilfe
von Wenn-Dann-Bezügen dargestellt werden; bestimmte Standardinterventionen können geübt werden; sie sind leicht wiedererkennbar (jeder verbindet wohl die Wunderfrage mit Steve de Shazer und dem lösungsorientierten Ansatz) – kurz: sie werden zur Marke, mit der sich Geld verdienen lässt, und, worum es mir vor allem geht: sie erlangen Dominanz im systemischen Diskurs, da sie durch die Reproduzierbarkeit immer wieder gefestigt werden. Sie bleiben als Positionen sichtbar und mit ihnen ihre Protagonisten (seltener Protagonistinnen). Gleichzeitig gibt es viele viele einfühlsame, kompetente, gut ausgebildete PsychotherapeutInnen, die sich selbst nicht einordnen bzw. nicht nach einer bestimmten Therapiemethode arbeiten. Sie arbeiten nicht (ausschließlich) lösungsorientiert, nicht (ausschließlich) narrativ, nicht nach Nardone, nicht nach Furman, nicht nach de Shazer – viel schlimmer noch: sie können oft gar nicht sagen, wie sie arbeiten! Sie haben nämlich kein Konzept! Sie kennen natürlich diese Konzepte und werden davon beeinflusst, aber sie dienen nicht als Handlungsraster in sämtlichen Therapien. Das macht ihnen oft ein schlechtes Gewissen, denn sie haben manchmal das Gefühl, sie stünden im Leeren, das sei ja gar nichts, was sie da machen. Sie müssten ihr eigenes Konzept nach jeder Stunde neu niederschreiben (was ziemlich mühsam wäre) und selbst dann ließe es sich schwer in Worte fassen. Geschweige denn lassen sich Seminare dazu abhalten. Es gerinnt nicht zu einer Methode, es ist immer im Wandel.
Dadurch ist es auch manchmal ganz schön anstrengend. Und: es scheint im öffentlichen Diskurs nicht auf. Wie auch?
Diese Haltung der „Konzeptlosigkeit“ möchte ich mit diesem Text würdigen bzw. möchte ich sie als alternative Position zu jener der oft
methodenverliebten Therapeutengurus (seltener Guruinnen) errichten und heute einmal vertreten, dass Konzepte auch als Einschränkungen gesehen werden können, die Bestimmtes zur Sprache bringen, aber damit immer vieles andere im Unsichtbaren halten. Aber, nur weil es im Unsichtbaren ist, heißt es nicht, dass es nicht DA ist. Und das, was DA ist, hat vielleicht etwas damit zu tun, dass die Wirklichkeit oft kompliziert ist und widersprüchlich und jeder Mensch anders und jeder Moment ein anderer usw. und nicht alles und jedes für jede/n in eine definierbare, wiederholbare Ordnung gebracht werden kann. Und falls es doch in eine Ordnung gebracht wird, stellt dies einen Akt der Regulation und der Ausschließung dar, der uns doch immer auch skeptisch sein lassen könnte, und zwar gegen jedes noch so kluge Konzept. Das heißt jetzt nicht, dass Konzepte schlecht sind, überhaupt nicht, sie sind wichtig und möglicherweise tatsächlich (zumindest, wenn wir unseren gewohnten Denkrahmen nicht verlassen) unerlässlich, um zu lernen – nur: die Welt sind sie nicht. Und ein bisschen weniger Respekt vor dem Konzept an sich und mehr Selbstvertrauen für die Konzeptlosigkeit würde auch nicht schaden, meine ich.

Kommentar von Sabine Klar: „Wildgehen“ in Therapie und Ausbildung

Mein Therapeutinnenleben durchlief verschiedene Phasen: Anfangs erlernte ich methodische Zugänge und bemühte mich um eine entsprechende Haltung. Dann erweiterte ich in meinem Bedürfnis, Neues zu generieren, die verschiedenen Ansätze (kombinierte z.B. gemeinsam mit F. Wolf lösungsorientierte und reflektierende). In weiterer Folge geriet ich in die Krise, weil ich das Gefühl hatte, nicht gut genug zu arbeiten und daran keine Freude mehr zu empfinden – ich muss zugeben, dass mir das systemisch geprägte Gerede zunehmend auf die Nerven ging. Ich orientierte mich nach außen und begann, mich von Nicht-Systemikerinnen und Nicht- Therapeuten (v.a. dem Philosophen Reithmayr) beeinflussen und anregen zu lassen. Daraus ergaben sich neue methodische Ansätze, die ich meinem kollegialen Umfeld nahe zu bringen suchte - vielleicht auch mit dem Hintergedanken, meine „Schätze“, die ich in dieser ungewöhnlichen Auseinandersetzung und Zusammenarbeit gefunden hatte (sozusagen beim „Fremdgehen“, was das psychotherapeutische Handeln betrifft) nun genauso gut wie andere als „Besonderheit“ „verkaufen“ zu können. Das gelang aus verschiedenen Gründen nicht, worüber ich im Nachhinein froh bin (und eigenartigerweise nicht nur im Sinn des Fuchses mit den sauren Trauben).
Während meiner sommerlichen Rückzugsphasen lernte ich das “Wild- gehen“ in den Bergen und begann schließlich auch in meiner Arbeit in Wien, die Wege, die mir gezeigt wurden, zu verlassen - genauso aber auch jene Steige, die ich mir eigenständig erarbeitet hatte. Nun stehe ich bei jeder Begegnung mit einem Menschen, den ich ein Stück weit begleiten soll, mitten in der Wildnis. Ich muss mir in diesem Moment Klarheit über die Lage verschaffen, in der wir uns gerade befinden, und ich muss Zugang zu dem Menschen finden und zu dem, was ihn berührt und beschäftigt. Alles weitere ergibt sich von alleine. Um Klarheit über die Lage zu gewinnen ist es dienlich, ganz im Hier und Jetzt wach und achtsam zu sein und sich nicht von Beschäftigungen mit dem eigenen Selbstbild und anderen Erwartungen, von Vorstellungen, Wissensinhalten oder auch methodischen Fragen ablenken zu lassen. Natürlich ist es auch gut, Erfahrung über unterschiedliche „Lebens- und Arbeitslagen“ gewonnen zu haben. Um Zugang zu Menschen zu finden ist es notwendig, Menschen zu kennen (nicht umsonst ist unser Institut eines für angewandte Menschenkunde). Damit ist allerdings nicht theoretisches Wissen gemeint - es geht nicht um Kenntnisse „über“ Menschen, sondern um ein Erfahrungswissen, das sie in ihrem subjektiven Erleben und ihrem Verhalten auf eine Weise begreift, die ihnen ermöglicht, sich anzunähern und uns, ihnen nahe zu treten (das „Viech“ ist dafür ein Ansatzpunkt). Ich muss zugeben, dass bei mir persönlich das Herz daran beteiligt ist – es geht mir um ein Begreifen, das berührt und gleichzeitig ermöglicht, direkt, offen und fallweise auch konfrontativ miteinander zu reden. Das gelingt natürlich manchmal erst nach längerer Zeit und auch nicht immer – es hat mit mir und meiner Bereitschaft zu tun, mich auf dieses andere Lebewesen und das, was es umgibt, ohne Angst und Vorbehalt einzulassen.

Ich halte diesen amethodischen Ansatz (Anm.: so wie unmoralisch etwas anderes ist als amoralisch, ist unmethodisch etwas anderes als amethodisch) dennoch für professionell und keineswegs für beliebig im Sinn eines postmodernen Kults. Professionell ist er aus meiner Sicht zum einen deshalb, weil er die methodenspezifischen Wege kennt, bei Bedarf auf sie zurück greifen und das eigene Tun in einem schulenspezifischen Sprachspiel beschreiben kann. Zum anderen, weil er Wert legt auf eine große Klarheit im Hinblick auf die eigene Rollenverantwortung - ich muss mir bewusst sein, welche Aufgabe ich hier habe, was mich dabei antreibt und bestimmt und dass es in jeder Phase des Gesprächs um die Anliegen des Gegenübers geht. Außerdem muss ich zuerst die Rahmenbedingungen schaffen bzw. erhalten, die es erlauben, gemeinsam mit KlientInnen oder StudentInnen in dieser Landschaft wild zu gehen. „Wildgehen“ in der Therapie wie in der Ausbildung erfordert viel – hohe Aufmerksamkeit, Erfahrung mit unterschiedlichen Fortbewegungsarten und Landschaften, die Fähigkeit sich zu orientieren und zu orten und dabei ständig in ganz nahem Kontakt mit den KlientInnen oder StudentInnen zu bleiben. Ziel ist nicht, blindlings durch die Gegend zu rennen, zu schlendern oder spazieren zu gehen, sondern sich sukzessive, Schritt für Schritt immer mehr dorthin zu bewegen, wo sie aus der Tiefe ihres Herzens heraus hinwollen, weil sie ahnen und spüren, dass sich ihre Lebendigkeit dort in Fülle entfalten kann. Therapie und Ausbildung, die sich so abspielt, fühlt sich nicht großartig der bedeutsam an (zumindest für mich als Therapeutin nicht) – dafür aber alltagsbezogen und sehr lebensnah.

Was ich im Zusammenhang mit diesem Ansatz in Therapien und in der Ausbildung vermitteln möchte, habe ich auf der Homepage: http://iam.or.at/ unter „Materialien“ möglichst einfach und kurz (Anm.: auch das ist mir ein Anliegen geworden) zusammengefasst. Es würde mich freuen, Rückmeldungen dazu zu bekommen (vielleicht gleich im Internetforum, das sich auf derselben Homepage findet oder per Mail an klar@iam.or.at).

Kommentar von Andrea Brandl-Nebehay:
Ist kein Konzept auch ein Konzept und nach wem arbeitest Du? Oder gehst Du wild?


Wer sich für eine Aus- oder Weiterbildungen in systemischer Therapie entscheidet, knüpft an diesen (teuren, zeit- und energieaufwendigen) Schritt meist die hoffnungsfrohe Erwartung, einen gut ausgestatteten „Werkzeugkoffer“ in die Hand zu bekommen: Werkzeuge, die in schwierigen therapeutischen und beraterischen Situationen helfen mögen Halt und Orientierung zu finden, sich weniger hilflos zu fühlen und elegante Interventionen parat zu haben. Wie Verena in ihrer Positionierung anschaulich beschreibt, wird dieser Erwartungshaltung in vielen Ausbildungs- und anderen Seminaren auch einigermaßen entsprochen: Standardinterventionen werden eingeübt, lösungsorientierte Fragetechniken vermittelt, „wiedererkennbare“ Methoden vorgestellt, die Konzepte der „MeisterInnen“ und ihrer Schriften präsentiert. Man bekommt eine Ahnung, wie es wäre, „nach de Shazer“, „narrativ“ oder „à la Mailand“ zu arbeiten und das Familienbrett einzusetzen.

Apropos „Klassiker“: Während ich vor etwa 10 Jahren – vermutlich schon damals eine illusionäre Verkennung – einen ganz guten Überblick über die wichtigsten Publikationen im systemischen Feld zu haben meinte, kapituliere ich mit diesem Anspruch in Anbetracht der für mich unüberschaubar gewordenen Publikationsflut am Markt. Vielleicht verpasse ich damit spannende neue Konzepte? Oder wird – so mein stiller Verdacht – ohnehin im Wesentlichen „nur“ reproduziert, verfeinert, in unterschiedliche Kontexte transferiert, was mit dem „Ende der großen Entwürfe“ schon angedacht war?

Zur Freude an der Eleganz und Vielfalt, an der „Eindeutigkeit“ (one size fits all) und „Reproduzierbarkeit“ der von manchen Gründern und doch auch einigen Gründerinnen präsentierten Theorien und Methoden gesellen sich – bei Lehrenden und Studierenden – allerdings auch Momente des Zweifels: passen diese Konzepte zu mir als Person, zu meinem Menschenbild, zu meiner Haltung und zu meinem Selbstverständnis als Beraterin oder Therapeutin? Zu meinem Arbeitsfeld (das vielleicht kein „rein“ therapeutisches ist)? Und zu den Menschen, mit denen ich zu tun habe? Und was könnten meine - äußeren und inneren -Vorbilder denken, wenn ich mich auf anderen Pfaden bewege – „wild“ gehe (Sabine Klar) oder „mit Selbstvertrauen konzeptlos“ (Verena Kuttenreiter) werke?

Ich stimme zu, dass mit diesen schwer beschreibbaren, da so vielfältigen und individuellen „anderen“ Wegen therapeutischer Begegnung kein Staat (im Sinn von Kohle, literarischer Ruhm, Einladungen zu Kongressen oderanderer Furore) zu machen ist. Ich habe sehr viel Sympathie für diese vielleicht wenig spektakulären, nicht zu einer Methode destillierbaren Einzelgänge, würde sie allerdings ein wenig anders einordnen: weder als wild noch als konzeptlos, eher als stille Kostbarkeiten. Mir persönlich fällt es auch schwer zu trennen zwischen konzeptgeleitetem und irgendwie „wildem“ oder intuitivem (=konzeptfreiem?) Vorgehen: Was in meinem therapeutischen Tun ist inspiriert von all den Methoden und Techniken, von denen ich gehört, begeistert gelesen und die ich irgendwo im Hinterkopf eingelagert habe? Was haben all die Familien, Paare, EinzelklientInnen und SupervisandInnen, mit denen ich in den letzten 20 Jahren zu tun hatte, mich gelehrt? Und was schöpfe ich aus anderen Quellen? In der Entscheidung zwischen einer lösungsorientierten Haltung, einer narrativen Vorgangsweise oder einem individuell gemixten Cocktail aus diesen beiden und anderen Modellen (der in der Praxis wohl am häufigsten anzutreffen ist) fühle ich mich persönlich am wohlsten, diese Frage nicht a priori zu entscheiden, sondern mich von Stunde zu Stunde davon leiten zu lassen, wie sich der Klient selbst seine Reise und mich als Reisebegleiterin wünscht.


Interview mit Ina Steininger

Karl Klug:
“Liebe Ina, ich möchte Dir einmal im Namen der ÖAS und der netzwerke zu Deinem 80-sten Geburtstag gratulieren und Dich und Deine Arbeit den Lesern der netzwerke vorstellen. Nach vielen Jahren der gemeinsamen Arbeit kenne und bewundere ich deine Fähigkeit, Zugang zu Menschen aller Bevölkerungsschichten und jeden Alters zu finden und mit einem nicht zu übertreffenden Gefühl für ihre Sprache und ihre Werthaltungen, Bilder zu entwickeln, die an die Vorstellungswelt Deiner KlientInnen anschließen und Weiterentwicklung implizieren.
In einer Phase der systemischen Therapie, in der das Denken und Handeln der TherapeutInnen noch sehr stark auf familiäre Systeme mit ihren Grenzen, Hierarchien und Regeln gerichtet war, ist es Dir schon gelungen, die Unterschiedlichkeit im Erleben, Denken und Spüren jedes einzelnen Familienmitgliedes als den Schlüssel zum Zugang zu der
gesamten Familie zu begreifen. Ich habe Dich mit Bergbauernfamilien und Arbeiterfamilien, WissenschaftlerInnenn oder PolitikerInnen, mit Lehrerfamilien oder mit Alleinerziehenden erlebt und war immer beeindruckt, wie sehr sich die Menschen von Dir verstanden gefühlt haben.”

Ina Steininger:
“Die Fähigkeit, die Sprache unserer KlientInnen zu verstehen und zu sprechen, ist sicherlich eine Voraussetzung für eine gelungene therapeutische Arbeit. Ich selbst bin in Italien im Haushalt einer alten Wiener Gräfin aufgewachsen. Sie hat sich meiner Mutter und mir angenommen, nachdem ich als uneheliches Kind im Jahr 1928 auf die Welt gekommen bin. Meinen Vater, der italienischer Offizier gewesen sein soll und dessen Existenz und Person ein großes Tabuthema der Familie war, habe ich nie kennen gelernt. Aber diese Gräfin, die für mich meine „Nonna“ war, hat mich ins Herz geschlossen und mich dann faktisch auch erzogen.
So erlebte ich als kleines Kind die letzten Ausläufer einer immer mehr verschwindenden aristokratischen Welt und ihrer schillernden
Etikette. In meinen Erinnerungen sitze ich still am Tisch und lausche, wie sich meine Nonna mit ihren Damen bei Gebäck und Tee auf italienisch, deutsch, französisch und russisch unterhält. Dass auch ich französische Konversation beherrsche, war für die Gräfin, die ja selbst in einem Internat in Genf oder Geneve, wie Nonna immer zu sagen pflegte, erzogen wurde, selbstverständlich.

Ich habe mich dann selbst einmal als Maus gezeichnet, die in der Ecke des Zimmers sitzt und deren Ohren und Augen nichts entgehen kann. Ich sollte ja nach den Verhaltensregeln meiner Nonna still sein, ordentlich sitzen und nicht stören. Und da ich Einzelkind war und der Kontakt zu den italienischen Kindern auf der Straße nicht gerade erwünscht war, verlegte ich mich auf das Beobachten. Das ist mir geblieben und hat meine therapeutische Arbeit geprägt, so wie die Fähigkeit in vielen Sprachen zu sprechen. Dieses Beobachten geschieht einfach als ein Sehen auf verschiedenen Ebenen und ein in alle Winkel schauen.
Ich hatte auch ein Kindermädchen, das von einem Bauernhof aus Südtirol kam. Sie sprach in einem gewagten Südtiroler Dialekt, was ich selbst natürlich offiziell nie durfte. Ich habe sie sehr geliebt und von ihr habe ich mein Wissen um erdhaft verbundenes Verhalten, sodass mir der Kontakt zur bäuerlichen Bevölkerung ohne Mühe gelingt.

Dann schlüpfte ich wieder über den Flur und über die Stiege in die Wohnung meiner Mutter. Nachdem diese den ganzen Tag im Geschäft gearbeitet hat, wurde ich hier von der mütterlichen Großmutter betreut. Was war das wieder für eine andere Welt mit Heiligenbildern, Engeln, mit Gebeten und einer Vielzahl von Regeln, was sein und was nicht sein sollte.
Na und dann gab es auch noch die Küche des Hauses, wo sich die Angestellten und Lieferanten trafen und wo mich nicht nur das gute Essen hinlockte. Hier wurde italienisch gesprochen und man durfte mit angezogenen Füßen am Hocker sitzen und bei Tisch lümmeln.

Dies alles geschah vor dem Hintergrund des italienischen Faschismus – ich sehe mich noch als 7jähriges Mädchen in Uniform zwischen zwei Kerzen und vor dem Kreuz die Hand zum Schwur gehoben: „Ich gelobe im Namen Gottes und des Königs von Italien die Befehle des Duce zu befolgen und wenn es notwendig ist, diesen mit meinem Blute zu verteidigen!“ Deswegen habe ich dann später vor der Hochzeit meinem Mann recht ausdrücklich erklärt, dass ich bei der Heirat sicherlich nichts mehr schwören werde.

Als ich 11 Jahre alt war, zog meine Mutter mit mir zu ihrem neuen Mann nach Kärnten. Das war für mich eine sehr schmerzhafte Zeit. Ich vermisste Italien. Alles was mir meine Nonna eingebläut hatte, ist dort als blöde und lächerlich hingestellt worden. In Italien war ich noch in einem Lyzeum zur Schule gegangen, nun war ich auf einem Bauerndorf gelandet, in dem ich verspottet wurde, wenn mir immer wieder französische Vokabeln in die Sätze gerutscht sind. Da hat mir dann ein Lehrer, der selbst auch Italienisch sprach, viel geholfen. Er hat sich mit mir gerne auf italienisch unterhalten, ich habe mich bei ihm verstanden gefühlt, was aber wieder die Eifersucht der anderen Kinder angestachelt hat. Für mich war es sicher eine schwere Zeit, in der ich nur allzu oft erlebte, dass meine Sicherheit, mit der ich mich zuvor unter den Menschen bewegt hatte, fast völlig verschwunden war. Mit 16 Jahren, gegen Ende des 2. Weltkrieges, wurde ich dann als Hilfsschwester einberufen und erlernte in einem Schnellkurs, Verbände zu wechseln. Dann wurde ich wieder nach Italien geschickt und begleitete nun als Schwester Verwundetentransporte. Ein bayrischer Sanitäter hat mir dann das Spritzen beigebracht. Ich kann mich noch gut erinnern, wie drei junge Männer während eines Nachtdienstes gestorben sind. Ich war mit den Verwundeten alleine und ich konnte nicht mehr für sie tun, als mit ihnen zu beten und ihre Hand zu halten. Viel später habe ich dann erst bewusst erkannt, wie wichtig es mir ist, die Menschen auch zu berühren und sie zu spüren. Und bis heute ist es so, dass ich regelmäßig meine KlientInnen in meine Gebete einschließe.”

Karl Klug:
“Ina, Du hast uns über Deine ganz persönlichen Grundpfeiler Deiner therapeutischen Arbeit erzählt - über das Verstehen ihrer Welten und ihrer Sprache, über das vielschichtige Sehen, über das Wahrnehmen von Tabus, über Nähe und Berührung und über das Gebet für Deine KlientInnen. Wenn ich Dich nun frage ob Dir noch etwas fehlt, was für Dich Therapie ausmacht, was würde Dir dazu einfallen?

Ina Steininger:„Milde und Güte“!

Zur Person:
Dr. Georgine Steininger; geb.16.3.1928 in Padua, ist verheiratet und hat 2 Kinder.
Therapieausbildungen bei Mara Selvini, Helm Stierlin, Salvador Minuchin, Paul Watzlawick und Milton Erikson.
Aufbau und Leitung des Ausbildungsinstitutes für systemische Therapie in Graz von 1982-2001
Zahlreiche Übersetzungen aus dem Italienischen – bekannt vor allem als Übersetzerin von „Paradoxon und Gegenparadoxon“.


Eine kurze Geschichte für PsychotherapeutInnen

„Nach den drei Parzen gebar Nyx bald einen weiteren Gott: Momos, den Gott des Nörgelns. Er war ein ganz besonderer Gott: klein, mit lockigen Haaren, feurigen Augen und sehr gesprächig. Er gab jedem Ratschläge, von morgens bis abends. Er war der größte Besserwisser der Welt. Er wusste einfach alles, nur viel, viel besser als alle anderen. Mit seinen Ratschlägen ging er jedoch bald allen auf die Nerven. Alle Götter machten einen großen Bogen um ihn, auch wenn sie ihn nur von Weitem sahen.

Am Anfang bemerkte Momos es gar nicht. Aber bald wurde ihm klar, dass es immer weniger Götter gab, die er belehren konnte. Er klagte bei seiner Mutter: „Das ist wirklich unerhört! Die Götter wollen sich nicht bessern. Sie meiden den einzigen Gott, der ihnen helfen kann, vollkommen zu werden. Und weil sie so dumm sind, kann ich meine göttliche Aufgabe nicht erfüllen. Bitte, melde es Zeus, so geht es nicht weiter!“ „Das werde ich tun!“, versprach Nyx.
Nach einigen Tagen traf er sie wieder. „Hast du mit Zeus gesprochen? Was sagte er?“, fragte Momos.
Seine Mutter sah ihn an und sagte: „Zeus meinte, du solltest dich nicht ärgern. Alles, was kostenlos ist, ist schwer zu verkaufen. Verlange Gold, verlange für jeden Ratschlag viel Geld, sehr viel Geld. Dann werden sie alle kommen. Zeus sagte, dass alle denken: Was nichts kostet, ist nichts wert. Das solltest du als Gott der guten Ratschläge doch eigentlich selber wissen.“
... Momos lernte schnell. Er begann sofort, für seine Ratschläge Geld zu verlangen. Und tatsächlich: Auf einmal waren seine Ratschläge sehr gefragt. Je mehr Geld er haben wollte, desto mehr Götter – und auch reiche Könige – warteten vor seinem Tempel. So wurde Momos praktisch der erste Unternehmensberater der Welt.
(aus: „Die spannendsten griechischen Sagen, neu erzählt“ von Dimiter Inkiow, Ellermann, Hamburg 2007)

Joachim Hinsch


STUDENTENFUTTER

Wer sind wir eigentlich? Was ist Psychotherapie? Was macht mich zum Psychotherapeuten? Worin unterscheide ich mich als Psychotherapeut von mir als (Klinischer) Psychologe?

Welche meiner Handlungen bei Gesprächen mit KlientInnen unterscheiden sich von denen, die ich vor ein paar Jahren gesetzt habe - vor meiner Ausbildung zum Psychotherapeuten?
Wann werde ich in meinen Gesprächen mit meinen KlientInnen die Sicherheit bekommen, dass ich psychotherapeutische Fragen stelle, ohne darüber nachdenken zu müssen, was ich jetzt fragen würde, wenn ich ein Psychotherapeut wäre?

Na gut, das tu ich in dieser Deutlichkeit nicht wirklich, aber in der Reflexion darüber kommt das
schon vor. Manchmal auch in der Stunde. Es kommt mir eine Frage in den Sinn und dann beginnen meine inneren Instanzen abzuwägen, zu bewerten, vorauszuahnen, vorauszudenken. Das macht die Sache …, gelinde gesagt, unspontan. Aber vielleicht ist das schon ein Kennzeichen von Psychotherapie. Dass die besten Fragen die sind, die spontan erscheinen, aber in Wirklichkeit ganz ausgeklügelte Ergebnisse interner Antizipationen sind? Und deswegen bin ich noch in Ausbildung unter Supervision, weil diese inneren Instanzen bei mir erst auf Zuruf zu arbeiten beginnen und sich noch nicht selbst den Arbeitsauftrag erteilen?
Wenn ich dann einmal groß bin, kommen die hoffentlich schneller und öfter und von selbst.

Ein Punkt, den ich in meiner Ausbildung oft gehört habe ist, dass der Klient (die Klientin) ExpertIn für sich selbst ist. Ich bin drauf gekommen, dass das von mir missverstanden wurde - oder immer schon zu philantropisch war, das kann ich nicht sagen. Fakt ist, dass mein derzeitiger Stand der Überlegungen davon ausgeht, dass KlientInnen das nicht so sehen. Meine KlientInnen nehmen oft die größten Anstrengungen auf sich, um mir klar zu machen, dass sie keine Ahnung von sich und ihrem Leben haben. Sie wollen von mir hören, dass ich weiß, was sie tun müssen, dass ich Kraft meiner Ausbildung und Expertise wissen werde, was sie tun können, wenn ich ihnen einmal lang genug zugehört habe. Wenn ich sie verstanden haben werde. Dieses Missverständnis hat mich in manchen Stunden offensichtlich dazu geführt, dass ich meinen „Gegenübern“ in dem unwiderstehlichen Drang, sie Experten sein zu lassen, nicht mehr geholfen habe. Nämlich in solchen Situationen, wo ich mit ihnen mitgeschwommen bin, sie von Thema zu Thema und von Gedanken zu Gedanken begleitet habe, nicht mit lästigen Fragen unterbrochen habe und dadurch zu erkennen geben hätte können, dass ich die Stunde strukturiert haben will. Dann wäre ich ja der Experte gewesen - so meine Vermutung - und hätte der KlientIn zu verstehen gegeben, dass ich ihr in ihrem Urteil, was wichtig ist und was nicht, nicht vertraue.
Daher unterließ ich das, immerhin erlebe ich es in meiner ELSE, wie oft durch scheinbar unzusammenhängende, manchmal belanglose und manchmal einfach den Co-Therapeuten langweilende, Seitenstränge meiner Erzählung sich doch ein Bild, ein Thema ergibt, das ich am Anfang der Stunde auf die Frage „Was soll heute Thema sein?“ nicht orten hätte können.

Und genau da ist wieder dieser nervige Einschub: So einfach ist es nicht! Wie erkenne ich, dass Gedanken, die mein Gegenüber da gerade ausbreitet, wohin führen werden, das Vorwort zum ersten Kapitel sind, ein Interludium und nicht ein totes Nebengeleis, das nur zu einem grasbewachsenen Poller führt? Und wenn es „nur“ ein totes Nebengeleis ist: Macht es nicht Sinn, auch die bereits befahrenen und sich post-hoc als Nebengeleis herausgestellt habenden Geleise zu kennen und ergo auch die bereits erfolgten Anstrengungen meiner KlientInnen, die zu „nichts“ geführt haben?

Ein Beispiel aus der aktuellen Wien-Politik: Die Verwaltung der Österreichischen Gleiskörper und Eisenbahnen baut sich einen neuen Bahnhof, den sie im engsten Kreis ausschreibt und einen Gewinner lobt, der aber aller Wahrscheinlichkeit nach nun nicht zum Zug (!) kommt, sondern die VÖGE muss nun einsehen, dass Wien auch Europa ist und hier das Recht gilt. Also EU-weite Ausschreibung. Soweit bekannt. Lösungsorientiert würden wir nun vielleicht schauen, was an Ressourcen da ist (muss eine ganze Menge sein!), würden die Wege und Probleme auf dem Weg dorthin besprechen, die Sache wäre nach ganz kurzer Zeit vorbei. Und weil wir nicht zugehört haben, uns nicht dafür interessiert haben, es nicht Teil des Problems war, wüssten wir nicht, dass eine unbekannte Anzahl an blindgegangenen Fliegerbomben den Umbau einigermaßen gefährlich gestalten wird. Woher wissen wir als PsychotherapeutInnen, dass wir mit unseren Fragen, die das Gespräch strukturieren helfen, nicht die Geschichte so abkürzen, dass die KlientInnen uns nicht von den Fliegerbomben ihres Lebens erzählen können? In dem Moment, wo wir mit jemandem sprechen, treffen wir permanent Entscheidungen. Wir entscheiden schon, das Gespräch überhaupt beginnen zu lassen, klar, aber jede Frage und vor allem auch der Zeitpunkt des Fragenstellens ist Ergebnis einer Entscheidung. Diese beeinflussen notwendigerweise das Gespräch und in unserem Fall die Psychotherapie. Sind meine Zweifel Ergebnis meiner relativen Unerfahrenheit oder sind sie Fragen, die jeden in diesem Stadium beschäftigen? Wird die Sicherheit, das Richtige zu tun, mit der Zeit zunehmen und unsere Psychotherapien entsprechend immer psychotherapeutischer werden? Oder wird die Zeit die Selbstsicherheit stärken, mit der wir Fehler machen ohne sie zu sehen und darüber nachzudenken?

Dominik M. Rosenauer

Leserbrief von Stefan Geyerhofer zum letzten Studentenfutter

Sehr geehrter Herr Rosenauer, liebe KollegInnen,
ich habe mich großartig amüsiert über Ihr Studentenfutter!!! Gratuliere! Sie haben mir wirklich aus der Seele gesprochen! Immerhin versuche ich seit vielen Jahren vielerorts dafür einzutreten auf die Deutsche Sprache (in anderen Ländern von mir aus auch Englisch, Spanisch, Griechisch etc.) zurückzugreifen, wenn es darum geht sich in Psychotherapien verständlich zu machen. Diese Sprachen reichen nämlich zumeist aus - mehr noch verhindern, in ihrer "Einfachheit" angewandt auch diverse Missverständnisse zwischen KlientInnen und TherapeutInnen! Und so trägt auch die Systemische Therapie dazu bei, dass nach erfolgreichen Therapien z.B. Sprachveränderungen bei KlientInnen (als unerwartete Nebenwirkungen so zu sagen) zurückbleiben.
Gut therapiegeschulte KlientInnen beginnen dann auch ihre Sätze mit "Ich denke, das müssen wir uns näher anschauen" oder "... Gott sei Dank konnte ich das erstmals zulassen und mich dann davon distanzieren". Von wem sie diese Sätze wohl haben?! "Ich denke mir, wir könnendas für heute mal so stehen lassen!"

Stefan Geyerhofer

Ausschreibung für den Wissenschaftlichen Förderpreis der Systemischen Gesellschaft

Die Systemische Gesellschaft gründete sich 1993 als Zusammenschluss deutschsprachiger Ausbildungsinstitute für systemische Therapie, Beratung und Supervision. Bis heute haben sich ihr 36 Mitgliedsinstitute und eine stetig steigende Zahl von Einzelmitgliedern angeschlossen. Die Systemische Gesellschaft zertifiziert Weiterbildungen in systemischer Therapie, Beratung, Supervision und Coaching.

Eine der Hauptaufgaben der Systemischen Gesellschaft ist es, die interdisziplinäre Weiterentwicklung systemischer Therapie, Beratung, Supervision und Coaching fachöffentlich und gesellschaftspolitisch zu fördern und zu fordern. Aus diesem Anliegen heraus stiftet die Systemische Gesellschaft regelmäßig im Wechsel mit der Deutschen Gesellschaft für Systemische Therapie und Familientherapie (DGFS) einen wissenschaftlichen Förderpreis. Der wissenschaftliche Förderpreis ist mit 3.000,- Euro dotiert.

Ziel des wissenschafttlichen Förderpreises ist es, die Relevanz systemischen Denkens für die therapeutische und beraterische Praxis deutlich zu machen und die wissenschaftliche Forschung in diesem Bereich anzuregen. Der Förderpreis wird bevorzugt für Arbeiten vergeben, in denen empirische Forschungsdesigns entwickelt wurden, die eine mit systemischen Modellen kompatible und innovative Methodik aufweisen und sich auf praxisrelevante Themenbereiche vor allem aus Therapie, Gesundheitsversorgung, Supervision, Beratung, institutionelle Innovationsprozesse beziehen.

Der Preis ist bewusst als Förderpreis konzipiert. Das bedeutet, dass gerade auch jüngere WisssenschafterInnen angesprochen werden, die sich im Rahmen von Diplomarbeiten, Dissertationen, Habilitationen oder anderen Projekten qualifizieren - auch im Auftrag außeruniversitärer Institutionen.

Die Arbeit sollte noch nicht, beziehungsweise nicht vor dem Termin der Preisvergabe im Frühjahr 2009 veröffentlicht sein.
Die Entscheidung für die Vergabe des Preises erfolgt auf der Basis der Begutachtung durch eine Jury, die sich aus zwei Mitgliedern der Systemischen Gesellschaft und vier unabhängigen externen GutachterInnen zusammensetzt.

Die Arbeiten reichen Sie bitte bis zum 31. Oktober 2008 in dreifacher Ausführung an:
Systemische Gesellschaft e.V.
c/o Frau Dr. Karin Martens-Schmid
Waldenserstraße 2-4, Aufgang D, D-10551 Berlin
Telefon:+49-30-53 69 85 04, E-Mail: info@systemische-gesellschaft.de
www.systemische-gesellschaft.de


LITERATUR- und FILMTIPPS

(zu den gesammelten Literatur Tipps aller bisherigen Netzwerknachrichten gelangt man hier)




Michael Meuser:
Geschlecht und Männlichkeit. Soziologische Theorie und kulturelle Deutungsmuster”

Verlag für Sozialwissenschaften, Wiesbaden, 2., überarbeitete und aktualisierte Auflage 2006, 351 Seiten, € 34,90

Der deutsche Soziologe Michael Meuser beschäftigt sich in seiner 1998 als Buch publizierten Habilitation mit kollektiven Orientierungen von Männern im Wandel des Geschlechterverhältnisses. Die Neuauflage 2006 bringt eine Überarbeitung des theoretischen Konzepts und trägt der Weiterentwicklung der Geschlechterforschung in den letzten zehn Jahren Rechnung.

Im ersten, theoretischen Teil des Buches werden Männlichkeit in den Geschlechtertheorien der soziologischen Klassiker Tönnies, Simmel und Durkheim dargestellt, die Konzepte von Geschlecht als sozialer Rolle und sozialer Konstruktion analysiert, sowie eine Geschichte der Männlichkeitskonzepte in der Frauenforschung seit den 1970er Jahren nachgezeichnet. Diesen theoretischen Teil schließt das Modell des Autors selbst ab, der vorschlägt, das Konzept hegemonialer Männlichkeit nach Connell mit dem Bourdieu´schen Habitusbegriff zu erweitern. Der zweite, empirisch orientierte Teil des Buches beschäftigt sich mit Deutungsmustern von Männlichkeit und kollektiven Orientierungen von Männern. Die verschiedenen Strömungen der seit Ende der 1970er Jahre existierenden Männerverständigungsliteratur werden im Überblick dargestellt, wobei Meuser Defizitkonstruktionen („Der Mann als Mängelwesen“), Maskulinismus („Rückbesinnung auf die gefährdete Männerherrlichkeit) und Differenzmodelle („Die Suche nach authentischer Männlichkeit“) unterscheidet. Das siebente Kapitel, das fast die Hälfte des Gesamttextes ausmacht, stellt den Diskurs von Geschlecht und Männlichkeit in den alltäglichen Lebenswelten von Männern dar. Im Rahmen seines von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderten Habilitationsprojektes führte Meuser mit mehreren MitarbeiterInnen Gruppendiskussionen mit „real existierenden Zusammenschlüssen von Männern“ durch: eine Männer-Selbsterfahrungsgruppe, ein Club von Führungskräften, ein Studenten-Sportverein, eine Gruppe von jungen Arbeitern und eine Kneipenrunde von älteren Arbeitern wurden befragt.
Eine zentrale Frage ist dabei, ob bzw. in welcher Weise die in Literatur und Medien oft beschriebene Verunsicherung des männlichen
Selbstverständnisses bei diesen höchst unterschiedlichen Gruppen besehen könnte, allgemein weniger vorhanden war.

Auch wenn seit der Datenerhebung mehr als zehn Jahre vergangen sind, ist das Buch in seinen Aussagen höchst aktuell und bietet neben Theorie auch Ansatzpunkte für die therapeutische Praxis: Beispielsweise ein Verständnis für unterschiedliche soziale Gruppen von Männern, von denen manche (oder alle) uns TherapeutInnen auf grund unseres eigenen Lebenskontextes relativ fremd sind.

Herbert Gröger


David Schnarch:
“Die Psychologie sexueller Leidenschaft”
Klett Cotta 2006, 511 Seiten, € 29,50

Die Übersetzung des Zweitwerkes (im Englischen etwas leidenschaftlicher unter dem Titel „Passionate Marriage“ erschienen)1) des mittlerweile auch in unseren Breitengraden bekannten Sexualtherapeuten David Schnarch ermöglicht uns, neue Perspektiven auf das reizvolle und doch schwierige Thema der Sexualität in lang dauernden Partnerschaften.
Das Buch ist für ein breites Publikum geschrieben, beansprucht einen journalistischen Stil, ist allerdings durchaus spitzfindig und durchdacht in der Komposition der Themen, so dass es gleichfalls für erfahrene TherapeutInnen spannende, neue Sichtweisen enthält. Die Fallgeschichten sind prozesshaft angelegt und werden zur Erklärung der Konzepte immer wieder herangeholt, so dass man am Schluss eine typologisch anmutende Breite an Möglichkeitsformen kennen gelernt hat, Sexualität zu vermeiden.
Wir nähern uns mit Schnarch dem Thema „Sexualität“, indem wir sie nicht abseits anderer Beziehungsmomente formulieren, sondern so
behandeln wie weniger intime Themen des Paares, so z.B. Kindererziehung, Hausarbeit, Freizeitplanung usw., allerdings unter der Prämisse, dass Sexualität ethologisch dem Kleinhirn gehört und vom Bewusstseinsmenschen erst kognitiv erarbeitet werden muss. Schnarch stellt sich auf den Standpunkt, dass Sexualität der sonstigen Entwicklung des Menschen nachhinkt. Deshalb sei dieser Bereich im Frontalhirn noch nicht integriert und gerade dadurch schambesetzt.

Die hohe Kunst, Liebe und Intimität bzw Sex und Erotik zu gestalten verlangt nach Experimenten, die eigene Scham zu überwinden. Schnarch nennt es „die Feuerprobe“, durch die jedes Paar geht, bis es seine sexuellen Potentiale erkannt und miteinander ausgelotet hat. Dafür ist ein hohes Ausmaß an Akzeptanz des anderen und die Bereitschaft notwendig, sich selbst dem anderen zuzumuten. Es bleibt das Risiko, dass der andere ablehnt oder einen eigenen Vorschlag bringt, den ersterer wiederum nicht annehmen kann.

Schnarch übergibt uns mit diesem Buch den Schlüssel, wie man Paartherapie und Sexualtherapie integrieren kann, mehr noch, er ist uns damit zuvorgekommen. Denn vieles von dem was er schreibt ist eine gut durchgedachte Zusammenlegung von Konzepten aus der
Familientherapie, der Systemischen Therapie und der Sexualtherapie. Die Integration und Neuauflage der Konzepte ist sein Meisterwerk. So verbindet er mindestens 2 Konzepte mit einem breiten Potpourrie sexueller Theorien und Anwendungen.

1. Murray Bowens Differenzierungskonzept, mit ein bisschen Bindungsforschung, konnotiert mit Säuglingsforschung und Ethologie, kombiniert mit persönlichen Geschichten aus der indivuellen und der Paarbiografie. Wir erfahren, wie wir eine gute Ablöse von der Herkunftsfamilie fördern können und wie uns Sexualität und Erotik in der langen Partnerschaft dabei hilft. Nebenbei bekommen wir Einblick in David Schnarchs Ehe, die Entstehung seines einzigen Kindes, sein Umzug von New Orleans nach Evergreen, seine Kompromisse mit seiner Frau beim Wandern und wie er heute durch seine Arbeit seine eigene Kindheit neu rekonstruieren kann. Bestechend oder? Nebenbei eine Pointe für Frauen älteren Kalibers: Ein Highlight seines Marketings ist sicher die Aussage, dass Cellulitis fünfzigjähriger Frauenpositiv mit deren sexueller Bereitschaft und Leidenschaftlichkeit korreliere ... Also: Ein klares „Ja“ zur Sexualität und Erotik mit zunehmenden Alter.

2. Interaktionskonzepte, welche die Rekursivität zwischen persönlicher Entwicklung des einzelnen und Interaktionsdynamik des Paares
herstellen. Die Beschreibung derartig komplexer Zusammenhänge gelingt Schnarch besonders gut, und er stellt damit ein verallgemeinbares Konzept her, wie man Subjekt und Interaktion interpretativ kombinieren kann. Wir hören, dass nur einer von beiden anfangen kann und nie beide gleichzeitig, dass dann der andere nachziehen kann, bzw. dass der verweigernde Teil solange die Kontrolle über die Beziehung behält bis derjenige, der auf Veränderung und Erneuerung pocht Schritte setzt, die den anderen so massiv unter Druck setzen, dass der sich verändern muss. Druck entsteht durch Ausdruck von Autonomie und Differenzierung. Festzustellen ist, dass den Veränderungsdruck meistens die Frauen machen! Und die Männer in diesem Buch, die trennen sich nicht, sondern sie versuchen ernsthaft, den PartnerInnen nachzukommen ...

Ist das vor allem in den USA. so, bzw. können wir das auch in Old Europe umsetzen? Das Thema Trennung wird in diesem Buch vermieden aber nicht in Abrede gestellt. Bei den von ihm dargestellten Paaren kommt sie allerdings nicht vor.

Die Übertragbarkeit von David Schnarchs Ideen in unsere Breitengrade musste ich beim Lesen des Schlusskapitels noch einmal revidieren. Dort beschreibt David Schnarch kurz den Gruppenprozess bei TeilnehmerInnen seiner Workshops, um anschließend für sein Zentrum zu werben. Männer beugen sich der Reue über ein vergeudetes Leben und verpasste Gelegenheiten zum Thema Sex und Liebe. Im wohligen Miteinander ihrer Komilitonen setzen Aha-Erlebnisse ein, denn von diesen erhalten sie Unterstützung und verheißungsvolle Beschreibungen des vermeintlichen Zielzustandes. Die von Schnarch herbeizitierten Aussagen erinnern mich stark an die Anonymen Alkoholiker, die ich während meiner Studienzeit beforschen durfte. Dort beobachtete ich puritanische Selbstreue im Schoße der Gruppe. Gregory Bateson spricht in seinem berühmten Aufsatz zum Selbst von der Selbstauflösung der anonymen Alkoholiker, die sich der Gruppe statt der Flasche verschreiben. Indem sie ihre Kontrolle aufgeben, übergeben sie sich an die Gruppe. Gegründet wurden die AA von den zwei durch ihre Spiritualität geheilten Alkoholikern Bill und Bob. Und im allerletzten Kapitel erhebt David Schnarch Sexualität ebenfalls zu einer spirituellen Angelegenheit. David Schnarch plädiert in diesem Buch für Autonomie, Differenzierung und gegenseitige Anerkennung sexueller und erotischer Ästhetik bei langjährigen Beziehungen. In seinen dargestellten Paartherapiesequenzen konfrontiert er Frau oder Mann eindrucksvoll mit ihren unerkannten Wünschen oder ihrer Unabgelöstheit von ebenfalls undifferenzierten Herkunftsfamilien.

Wie aber geht es dann diesen Menschen in der Ablöse von ihm? Das ist meine leichte Kritik an diesem Buch, dessen Übertragbarkeit nach Old Europe dahingehend fraglich bleibt, dass wir hoffentlich weniger disziplinierungssüchtig sind wie manche Amerikaner. Dennoch bringt das Buch Highlights für unsere tägliche Arbeit mit Paaren und eine Neubewertung bewährter Konzepte aus der systemischen Ecke.

Corina Ahlers

Filmtipp:
“La Question humaine / Der Wert des Menschen”
wird derzeit im Wiener Stadtkino (französisch mit dt. Untertiteln) gespielt und ist auch in Buchform “Der Wert des Menschen” von Francois Emmanuel Kunstmann, 2006 erhältlich

Ein Film, der einen nicht unberührt lässt, der Grauen entstehen lässt ohne grauenvolle Bilder zu zeigen – das Grauen entsteht durch die Verwendung der Sprache, die Stimmen, die Art der Erzählung. „Der Wert des Menschen“ ist eine Erzählung in Form einer Allegorie, die rund um ein historisches Dokument angelegt ist, das Berliner Ingenieure 1942 verfasst haben und in dem es um Vorschläge zur technischen Verbesserung von LKWs geht, die zur Judenvernichtung eingesetzt werden sollen. Anstatt von Menschen, menschlichen Körpern und dem Töten zu sprechen, werden in diesem Schreiben Begriffe wie Stückgut, Effizienz und Kostenreduktion verwendet. Die Handlung des Films ist aber im heutigen Frankreich angelegt - in einem modernen Konzern, wo der Psychologe Simon aufgrund von Verhaltensauffälligkeiten des Generaldirektors dessen Geisteszustand bewerten soll. Dieser Auftrag bringt ihn nicht nur mit der Vergangenheit in Berührung, sondern auch mit seiner Rolle, die er in diesem Unternehmen spielt. Ohne direkt an den Schalthebeln der Macht zu sitzen, ist er doch mehr als nur Mitspieler.
Die Rationalität der Sprache in Form einer sauberen Business-Sprache lässt ebenfalls vergessen, dass es um Menschen geht.

Andrea Thomanetz


Jour Fixe - Vorträge und Diskussion

WienSteiermark  • SalzburgTirol •  Vorarlberg • Kärnten

weitere News & Termine


Wir Begrüssen

In den Reihen der ÖAS heißen wir herzlich jene willkommen, die im Zuge der Ausbildung neue ÖAS-Mitglieder geworden sind und
wünschen gute und erfolgreiche Ausbildungsjahre:
Özlem Akar, Ursula Brunner, Guido Ebi, Monika Ertl, Claudia Fuchs, Annette Gehart, Barbara Hörr, Anna Maksys, Maria Mang, Anna
Mazanek, Farrokh Sadegh-Eslami, Karoline Schober, Martin G. Sellner, Petra Swarowsky;
Alexandra Antoniades, Derya Bicakci, Claudia Engleder, Kerstin Felderer, Melanie Gansch, Karin Hamedl, Stefanie Hargassner, Christine Huth-Nirschl, Barbara Polacek, Angela Stadler, Alice Strassnitzky, Sonja Tarbuk, Andrea Windholz, Karin Zechmeister

WIR GRATULIEREN

Folgende StudentInnen haben im Herbst/Winter 2007 ihre Ausbildung (Curriculum bzw. Supervisionscurriculum bei der ÖAS abgeschlossen - wir freuen uns mit ihnen und wünschen viel Glück auf ihrem weiteren Weg:
Petra Berlini, Edith Eisenhofer, Petra Jazbinsek, Cordula Liedermann, Manuela Pagler-John, Ursula Rothauer-Stadler, Rita Wicke, Beate Astl,

Monika Fenz, Evelyn Jahn, Emanuela Thurner, Johanna Buchegger, Veronika Kolb-Leitner

NETZWERKE-REDAKTION:

BERICHTIGUNG:
Sorry, in den letzten netzwerken haben wir uns vertippt: Die richtige email-
Adresse der KandidatInnenvertreter im KFO lautet natürlich:
studentinnenvertretungOEAS@hotmail.at

Um uns den Ablauf zu erleichtern, ersuchen wir alle, die uns redaktionelle Texte für die Netzwerke schicken, diese bitte ausschließlich an Verena Kuttenreiter zu mailen: v.kuttenreiter@gmx.at Für alle Anliegen und Termine der Regionen, sowie für Inserate ist Elisabeth Gmeiner unter office@oeas.at zuständig. Danke!

Redaktionsschluss der nächsten Netzwerke ist am 5. Juni 2008.


Schwarzes Brett

Seminarangebote, Fortbildungslehrgänge, Praxisräume suchen/finden...
hier klicken


Þ zurück zur Startseite Netzwerknachrichten