news

NACHRUFE †

Michael White 1948 - 2008

 

Liebe Freunde und KollegInnen,

nach einigen Tagen des Bangens und Hoffens erhielt ich Samstags gegen 11 Uhr Vormittags die traurige Nachricht, dass Michael White wenige Stunden vorher verstorben war. Schon am Mittwoch hatte ich erfahren, dass Michael nach einem schweren Herzinfarkt während eines Essens mit John Winslade und Lorraine Hedtke in San Diego, wo er ein dreitägiges Workshop gehalten hatte, ins Krankenhaus eingeliefert werden musste. John Winslade und ein zufällig anwesender Rettungshelfer führten Wiederbelebungsmaßnahmen durch, bis die Rettung nach zehn Minuten eintraf. Im Spital kam es dann nochmals zu einem Infarkt und Michael wurde in ein künstliches Koma versetzt. Michaels Schwester und David Epston, der sich gerade in Kanada aufgehalten hatte, waren in seinen letzten Stunden bei ihm. Samstag Vormittag wurden die lebenserhaltenden Systeme abgeschaltet.

Ich hatte am Mittwoch noch damit gerechnet, Michael in zehn Tagen vom Flughafen in München abzuholen, mit ihm den Abend in Salzburg zu verbringen und dann am Donnerstag nach Graz zu fahren, wo er ein viertägiges Workshop im Rahmen eines unserer Ausbildungscurricula halten wollte. Nach mehr als 15 Jahren hätte Michael wieder an einer unserer Ausbildungsveranstaltungen mitgewirkt. Für mich ist es im Moment noch zu früh eine eingehende Würdigung seiner Bedeutung für  das Feld der systemischen Therapie, für unsere Ausbildungen in Salzburg, Graz und Innsbruck und insbesondere für meine therapeutische Arbeit während der letzten zwanzig Jahre zu schreiben.

Dies ist für mich ein Moments des Erinnerns, der Verbundenheit mit den KollegInnen und Freunden, die Teil der narrativen „Community“ sind und des Erlebens eines schmerzlichen Verlustes eines Kollegen und Freundes, mit dem ich über viele Jahre hinweg sowohl berufliche als auch private Kontakte pflegen konnte. In meinem Schreibtisch sind noch die Flugtickets für Adelaide. Meine Frau und ich wären heuer im November wieder nach Australien geflogen. Teil dieser Reise wäre ein weiterer einwöchiger Aufenthalt in Adelaide gewesen. Eine kleine Gruppe von KollegInnen aus Dänemark, den USA und Australien hätte sich zum vierten Mal zu einer intensiven Trainingswoche mit Michael getroffen. Während ich am Computer sitze und schreibe fällt mir ein, dass Michael letzten Februar während eines Abendessens bei seinem Lieblingsinder in Adelaide davon gesprochen hatte, wie gerne er Großvater werden möchte. Dies und vieles andere, das er noch vorgehabt hatte, wird er nicht mehr erleben.

Maggie Carey, Kollegin, Freundin, Mitglied unserer Trainingsgruppe in Adelaide und gemeinsam mit Michael langjährig tätige Lehrtherapeutin am Dulwich Center und zuletzt an seinem neuen Institut schrieb mir kurz nach seinem Tod folgende Zeilen:„Es ist Samstag kurz nach 11 Uhr (vormittags). Vor einigen Stunden haben sie die lebensversorgenden Apparate ausgeschaltet und Michael ist gegangen.Ich weiß, dass es reiche Erinnerungen geben wird, aber im Moment ist da nur Traurigkeit.... „  

Rudi Kronbichler

Ein sehr berührender Nachruf auf Michael White findet sich auch auf der website des Evanston Family Therapy Center EFTC in Chicago:

"Michael White, the original developer of narrative therapy, died April 4, 2008. We will miss him tremendously. Michael was once very fond of a quotation about ripples rippling. We know that his ripples will ripple all across the world for a very long time.
It would not be an exaggeration to say that Michael has significantly changed our lives. He has articulated a worldview that has guided us in being more the people we want to be and working more the way we want to work. And we are not alone in this. He often talked about linking lives through shared purposes. And the narrative community, in which so many of us are linked through shared purposes, has been an incredible gift and source of sustenance.
We have always enjoyed the intensity of Michael's approach to work and play. Among the many memories we are re-membering now is this one: The first time Michael came to our home, he jumped on our new high-tech exercise bike and started pedaling so hard we were sure he would break it. We marveled at how fast he was going, grinning and pedaling harder and harder. Then he abruptly stopped and, not even breathing hard, said, "Is that as much resistance as this thing will give?"
It is almost impossible to imagine him dying so young. He was only 59.
We love him. We are heartbroken by his death. He taught us how to keep those we love present after their deaths and we are committed to keeping him with us. It helps us to know that we are linked with others who care about his ideas and about the worldview that he has modeled and articulated."

Weitere Nachrufe