Liebe Freunde und KollegInnen,
nach einigen Tagen des Bangens und Hoffens erhielt ich Samstags
gegen 11 Uhr Vormittags die traurige Nachricht, dass Michael White
wenige Stunden vorher verstorben war. Schon am Mittwoch hatte ich
erfahren, dass Michael nach einem schweren Herzinfarkt während eines
Essens mit John Winslade und Lorraine Hedtke in San Diego, wo er
ein dreitägiges Workshop gehalten hatte, ins Krankenhaus eingeliefert
werden musste. John Winslade und ein zufällig anwesender Rettungshelfer
führten Wiederbelebungsmaßnahmen durch, bis die Rettung nach zehn
Minuten eintraf. Im Spital kam es dann nochmals zu einem Infarkt
und Michael wurde in ein künstliches Koma versetzt. Michaels Schwester
und David Epston, der sich gerade in Kanada aufgehalten hatte, waren
in seinen letzten Stunden bei ihm. Samstag Vormittag wurden die
lebenserhaltenden Systeme abgeschaltet.
Ich hatte am Mittwoch noch damit gerechnet,
Michael in zehn Tagen vom Flughafen in München abzuholen, mit ihm
den Abend in Salzburg zu verbringen und dann am Donnerstag nach
Graz zu fahren, wo er ein viertägiges Workshop im Rahmen eines unserer
Ausbildungscurricula halten wollte. Nach mehr als 15 Jahren hätte
Michael wieder an einer unserer Ausbildungsveranstaltungen mitgewirkt.
Für mich ist es im Moment noch zu früh eine eingehende Würdigung
seiner Bedeutung für das
Feld der systemischen Therapie, für unsere Ausbildungen in Salzburg,
Graz und Innsbruck und insbesondere für meine therapeutische Arbeit
während der letzten zwanzig Jahre zu schreiben.
Dies ist für mich ein Moments des Erinnerns,
der Verbundenheit mit den KollegInnen und Freunden, die Teil der
narrativen „Community“ sind und des Erlebens eines schmerzlichen
Verlustes eines Kollegen und Freundes, mit dem ich über viele Jahre
hinweg sowohl berufliche als auch private Kontakte pflegen konnte.
In meinem Schreibtisch sind noch die Flugtickets für Adelaide. Meine
Frau und ich wären heuer im November wieder nach Australien geflogen.
Teil dieser Reise wäre ein weiterer einwöchiger Aufenthalt in Adelaide
gewesen. Eine kleine Gruppe von KollegInnen aus Dänemark, den USA
und Australien hätte sich zum vierten Mal zu einer intensiven Trainingswoche
mit Michael getroffen. Während ich am Computer sitze und schreibe
fällt mir ein, dass Michael letzten Februar während eines Abendessens
bei seinem Lieblingsinder in Adelaide davon gesprochen hatte, wie
gerne er Großvater werden möchte. Dies und vieles andere, das er
noch vorgehabt hatte, wird er nicht mehr erleben.
Maggie Carey, Kollegin, Freundin, Mitglied
unserer Trainingsgruppe in Adelaide und gemeinsam mit Michael langjährig
tätige Lehrtherapeutin am Dulwich Center und zuletzt an seinem neuen
Institut schrieb mir kurz nach seinem Tod folgende Zeilen:„Es ist
Samstag kurz nach 11 Uhr (vormittags). Vor einigen Stunden haben
sie die lebensversorgenden Apparate ausgeschaltet und Michael ist
gegangen.Ich weiß, dass es reiche Erinnerungen geben wird, aber
im Moment ist da nur Traurigkeit.... „
Rudi Kronbichler
Ein sehr berührender Nachruf auf Michael
White findet sich auch auf der website des Evanston Family Therapy
Center EFTC
in Chicago:
"Michael White, the original developer of narrative therapy,
died April 4, 2008. We will miss him tremendously. Michael was once
very fond of a quotation about ripples rippling. We know that his
ripples will ripple all across the world for a very long time.
It would not be an exaggeration to say that Michael has significantly
changed our lives. He has articulated a worldview that has guided
us in being more the people we want to be and working more the way
we want to work. And we are not alone in this. He often talked about
linking lives through shared purposes. And the narrative community,
in which so many of us are linked through shared purposes, has been
an incredible gift and source of sustenance.
We have always enjoyed the intensity of Michael's approach to work
and play. Among the many memories we are re-membering now is this
one: The first time Michael came to our home, he jumped on our new
high-tech exercise bike and started pedaling so hard we were sure
he would break it. We marveled at how fast he was going, grinning
and pedaling harder and harder. Then he abruptly stopped and, not
even breathing hard, said, "Is that as much resistance as this
thing will give?"
It is almost impossible to imagine him dying so young. He was only
59.
We love him. We are heartbroken by his death. He taught us how to
keep those we love present after their deaths and we are committed
to keeping him with us. It helps us to know that we are linked with
others who care about his ideas and about the worldview that he
has modeled and articulated."
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