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Paul Watzlawick 1921 - 2007

 

Paul Watzlawick ist tot. Der gebürtige Villacher starb am 31. März in seiner Wahlheimat Palo Alto in Kalifornien. Kein Österreicher hatte mehr Einfluss auf die Entwicklung der Systemischen Psychotherapie. Seine 18 Bücher (in 85 Sprachen übersetzt) und über 150 Artikel begeisterten Menschen weit über die Psychologie, Philosophie und Psychotherapie hinaus.

Er hat uns die Grundideen der Systemtheorie von GregoryBateson ebenso in einfachen Beispielen und Geschichten veranschaulicht,wie den Konstruktivismus zweier anderer Österreicher – Heinz von Foersters und Ernst von Glasersfelds. Denn Erzählen und Schreiben waren seine größte Stärke. Sie machten ihn zum „Popstar unter den Kommunikationsforschern und zum Bestseller unter den Philosophen"(Die Presse, 3.4.2007).

Ich erinnere mich noch gut an meine Studienzeit, als uns der Professor in der Lehrveranstaltung „Menschliche Kommunikation" Paul Watzlawicks Klassiker zum Thema Kommunikation als Pflichtlektüre aushändigte. Als ich selbst Adj. Professor für Psychologie an der Webster University wurde, gab es trotz Recherche noch kein besseres Buch zum Thema. Also wurde Watzlawicks „Menschliche Kommunikation" auch meine Kursunterlage. Und als mich vor einigen Monaten einer meiner ehemaligen Studenten aus Zagreb anrief um mir zu erzählen, dass er eine Lehrveranstaltung in Kommunikation unterrichtet und dafür Watzlawicks Buch verwenden werde, bestätigte sich eine Ahnung vieler KollegInnen: Wenn es um die menschliche Kommunikation und den Konstruktivismus geht, gibt es zu Watzlawick kaum etwas zu ergänzen.Wann hat schon ein Buch über drei Generationen von Lehrenden keinen adäquaten Ersatz gefunden…?

Dabei hatte alles anders begonnen: 1921 in Villach geboren studierte er zunächst Sprachen und Psychologie in Venedig, bevor er nach Zürich ging um dort seine Ausbildung zum Jung’schen Analytiker zu absolvieren. 1957 übernahm er einen Lehrstuhl für Psychotherapie in El Salvador, wo er erstmals von den Arbeiten der Bateson-Gruppe erfuhr. Anfang der 60er Jahre wollte er „nur einmal kurz in Kalifornien vorbeischauen" um Jackson, Haley, Weakland, Satir, Riskin und ihre Arbeiten mit Familien am Mental Research Institut - MRI in Palo Alto kennenzulernen. Er blieb bis zu seinem Tod in Palo Alto und am MRI.

Begeistert von den Arbeiten der Bateson Gruppe verzichtete er fortan auf die Analyse von Vergangenheit und Unbewusstem und konzentrierte sich auf die Entwicklung kurztherapeutischer, systemischer Interventionen. Die Interaktion rund um Probleme und Symptome und die versuchten Lösungen aller Beteiligten rutschten in den Fokus seiner Aufmerksamkeit. Bis vor einem Jahr war er in der Ausbildung und Supervision von KollegInnen aus der ganzen Welt tätig. Im März 2006 traf ich ihn ein letztes Mal – immer noch in seinem Büro in Palo Alto.

Seine weltweiten Vortragsreisen musste er vor einigen Jahren schon aus gesundheitlichen Gründen einstellen. Als er 1999 an der Webster University in Wien ein Ehrendoktorat entgegennehmen durfte, und Tags darauf am IST einen Workshop hielt, waren die Anzeichen seiner Erkrankung nicht mehr zu übersehen. Aber in einer ihm eigenen Demut und Bescheidenheit und in seinem uneingeschränkten Humor begegnete er auch diesem Schicksal. 

Titiana Verbitz und ich erinnerten uns letzte Woche mit einem weinenden und einem lachenden Auge an eine Szene während des ersten Europäischen Kongresses für Systemische und Strategische Therapie in Arezzo im Herbst 2003. Paul Watzlawick wurde per Satellitenübertragung für einen Vortrag vor über 700 TeilnehmerInnen ins Plenum geschalten. Nach dem Vortrag fragte eine begeisterte Teilnehmerin: „Prof. Watzlawick, wir haben Sie schon so lange nicht mehr bei uns in Italien gesehen. Wann werden Sie wieder kommen?" Denjenigen von uns, die ihn besser kannten und auch über seine Erkrankung Bescheid wussten blieb der Atem stocken, während er ganz ruhig, ohne Traurigkeit in der Stimme und mit einem Lächeln antwortete: „Mal schauen. Wahrscheinlich erst, wenn mir Prof. Alzheimer die Erlaubnis dazu gibt."

Er hat uns aufgezeigt, dass wir nicht nicht kommunizieren können, dass Probleme nicht unbedingt in der Entwicklung des Individuums, sondern in der zwischenmenschlichen Interaktion und der Bedeutungsgebung begründet sind. Er hat uns auf humorvolle, ironische Art gezeigt wie wir uns unglücklich machen können, falls wir das wollen, hat uns eine treffende Anleitung für Amerika hinterlassen, und uns die Konstruktion unserer Wirklichkeit in Geschichten und Beispielen näher gebracht.

Damit wurde er als Psychotherapeut, Psychologe, Kommunikationswissenschaftler und Philosoph weltweit bekannt. Als Mensch blieb er bescheiden, zurückhaltend und in der Öffentlichkeit meist höflich distanziert. Sabine Sommerhuber und ich erinnern uns an die Selbstverständlichkeit, mit der er den Aufbau unseres Institutes (Institut für Systemische Therapie – IST) in Wien unterstützte. Er schrieb ein Vorwort für unsere erste Publikation, hielt Workshops zu Freundschaftshonoraren und machte in der Mittagspause bescheiden sein Mittagsnickerchen auf einer alten, selbst gebastelten Matratzencouch in unserer Institutsküche. Dafür, und für Vieles mehr – ein herzliches Danke – einem Lehrer, Supervisor, Kollegen undFreund.

Stefan Geyerhofer


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