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NACHRUFE

 

Dr. Georgine Steininger
1928 - 2009 


Pionierin der systemischen Familientherapie in Österreich

 

Frau Dr. Georgine Steininger war eine der Initiatorinnen, die den Grundstein für die Familienberatungsstellen der Diözese gelegt hat. Weit über den steirischen Raum hinaus wirkte sie als geschätzte und fachlich anerkannte Ehe-, Familien- und Lebensberaterin, sowie als Systemische Familientherapeutin. Als Pionierin der Systemischen Familientherapie hat sie dieser Psychotherapierichtung einen wichtigen Platz in der Steiermark verschafft.

Zur Person:
Dr. Georgine Steininger
Geb.: 16.3.1928 in Padua
Verst.: 26.2.2009 in Graz
Verheiratet, 2 Kinder

Therapieausbildungen bei Mara Selvini, Helm Stierlin, Salvador Minuchin, Paul Watzlawick und Milton Erikson
Aufbau und Leitung des Ausbildungsinstitutes für systemische Therapie in Graz von 1982 bis 2001
Zahlreiche Übersetzungen aus dem Italienischen – bekannt vor allem als Übersetzerin von „Paradoxon und Gegenparadoxon“

Winfried Pabst, Leiter des IFP: "Im Namen des IFP der Diözese Graz-Seckau danke ich Frau Dr. Steininger für ihr nachhaltiges Wirken auf dem Gebiet der Systemischen Familientherapie in der Diözese Graz-Seckau und ganzen Steiermark."

Die Verabschiedung findet am Freitag, 6. März um 13 Uhr in der Grazer Feuerhalle statt. Um 18 Uhr wird die Seelenmesse für die Verstorbene in der Pfarrkirche Graz-St. Veit gefeiert.

(Quelle: Pressestelle der Diözese Graz-Seckau - Autor: Winfried Pabst)


Ein persönlicher Nachruf für Dr. Georgine Steininger von Joachim Hinsch

Wieder ist eine der Pionierinnen der Systemischen Therapie gestorben. Dieses Mal direkt aus der ÖAS. Gina hat wesentlichen Anteil daran, dass die ÖAS heute so da steht. Ich erinnere noch wie heute ihre Nähe und Freude, als ich aus der Versammlung des Beirats mit der Nachricht herauskam, dass die ÖAS als Fachspezifikum anerkannt sei. Gina und Gerhard Walter, die auf mich gewartet hatten, fielen mir in die Arme. Es war wie die Geburt unseres Kindes, über die wir so glücklich waren. Der Zusammenschluss der Grazer, der Salzburger und der Wiener Ausbildung war die Voraussetzung für diesen Augenblick gewesen. Den Plan für den Antrag hatten wir in Ginas schönem Haus entworfen, ihr Mann half uns noch mit juristischem Rat und gab uns damit Sicherheit und Kraft. In den letzten Jahren hatte sie sich zurückgezogen und wir verloren uns aus den Augen, aber noch imer ist sie für mich die
Repräsentantin des Grazer "Beines" der ÖAS.

Sie war aber übrigens nicht nur ÖASlerin, hat nicht nur die Selvini übersetzt (sie hat einmal in sehr launiger Form erzählt, wie sie von Verlag zu Verlag hausieren gegangen ist, um das von ihr übersetzte Manuskript von "Paradoxon und Gegenparadoxon" an den Verlag zu bringen), international sehr intensiv verankert, sondern war auch extrem humorvoll.
Noch heute muss ich schmunzeln, wenn ich anlässlich eines Kongresses in Graz, den sie organisiert hatte, an ihre Darstellung einer Toilettenfrau in breitem steirischen Dialekt denke: wie ekelhaft die Leute sind, die kein Trinkgeld geben, was für Typen geben, welche nicht. Und überhaupt, wie die Welt aus der Perspektive eines öffentlichen Häusls ausschaut.

Liebe Gina! im Namen der ÖAS danke ich dir von ganzem Herzen für alles, was du getan und befruchtet hast.

In großer Dankbarkeit

Joachim

 

Nachruf für Ina Steininger von Karl Klug (langjähriger Mitarbeiter)

Mit Ina Steininger habe ich über viele Jahre Aus- und Fortbildungsgruppen geleitet. Wir waren sicher ein spannendes und vielseitiges Leitungsteam. Ina war 32 Jahre älter als ich. Bereits als 19 jähriger Student war ich in Ihren Vorlesungen von ihrer Lebendigkeit und ihrer Fähigkeit alles in Geschichten einzupacken begeistert. Sie war eine Erzählerin: Ihre Geschichten spielten in allen Milieus – es waren Geschichten die Lachen ließen, Verwirrung auslösten, Hoffnung brachten oder einfach Trost und menschliche Nähe vermittelten. Es waren Geschichten die ihre Kraft aus einer Vielsprachigkeit zogen: Aus italienischen Wurzeln, aus einer Kindheit in einer versinkenden Welt eines paneuropäischen Adelshauses, aus den Erfahrungen eines 16 jährigen Mädchens, dass sich plötzlich sehr auf sich alleine gestellt mit Sterbenden in einem Kriegslazarett wieder fand und aus den Erfahrungen einer Frau, die ihr eigenes Leben in die Hand nahm und gleichzeitig das Zentrum ihrer Familie war.

In der Arbeit mit Ina war ich immer wieder überrascht, wie sehr sie mit all ihrer Erfahrung und ihrem Wissen Platz für mich und andere junge KollegInnen ließ und wie sehr Sie deren Entwicklung förderte und sicherlich auch prägte.

Die letzten vier Jahre ihres Lebens widmete sie der Unterstützung und Pflege ihres Mannes, der nach einem Schlaganfall bettlägrig ist.

Und sie ist in diesen letzten Jahren immer müder geworden. Sie hat langsam Abschied genommen, auch wenn vielen von uns dies nicht gleich bewusst wurde. Ihr Tod war dann doch unerwartet – Ina starb einige Tage nach einem Schlaganfall im Spital im Beisein ihrer Kinder. Ihre Familie hat sich von Ina mit einem Satz aus dem kleinen Prinzen verabschiedet.

„Es wird so aussehen, als wäre ich tot, und das wird nicht wahr sein...“
Und sie haben dabei auf den gelungenen Balanceakt ihres Lebens hingewiesen:
„Du warst die fürsorglichste Gattin und beste Mutter. Dein großes Wissen, deine Warmherzigkeit und deine Hilfsbereitschaft haben viele Menschen erfahren“


 

 


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