| Mit Horst Eberhard Richter ist eine der Gründerpersönlichkeiten der Familientherapie im deutschsprachigen Raum verstorben.
Er hat zusammen mit Hans Strotzka und Jürg Willi die ersten Konferenzen zum Thema organisiert, natürlich mit psychoanalytischem Fokus.
Seine Bücher "Eltern, Kind und Neurose" und "Patient Familie" sind Klassiker geworden, werden aber neben dem "Gottes-Komplex" und "Die Gruppe" kaum mehr genannt.
Sein Engagement für die Ostpolitik von Willi Brandt und in weiterer Folge für die Friedensbewegung gegen die atomare Nachrüstung Westeuropas im Zuge des Nato-Doppelbeschlusses haben ihn in der Öffentlichkeit vor allem als kritischen Denker bekannt gemacht.
Vielleicht ist es das, was wir uns gerade in der aktuellen Dominanz neoliberaler Geisteshaltungen und damit verbundener kalkulierter Abstürze von Staaten und Gemeinwesenstrukturen von Horst-Eberhard Richter mitnehmen sollten, nämlich die Stimme zu erheben und nicht gleichgültig hinzunehmen, dass europäische Regierungen "den Märkten" unsere staatliche Grundlagen in den Rachen schmeißen und jahrhundertelange Errungenschaften gesellschaftlicher Entwicklungen auf dem Altar finanzpolitischer Pyramidenspiele opfern.
Ferdinand Wolf
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