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Ivan Boszormenyi-Nagy: 19. 5. 1920 – 28. 1. 2007 |
Ivan Boszormenyi-Nagy wurde 1920 in Budapest geboren, wo er vorerst eine psychoanalytische Ausbildung absolvierte. In die USA emigriert, stieß er in den vierziger Jahren zu den Familientherapeuten, wo er zu einem der ersten Schüler Virginia Satirs wurde. Er gehört in die erste Generation von FamilientherapeutInnen, die in den frühen sechziger Jahren versuchten, nach einer psychoanalytischen Ausbildung, in der Familie einen neuen Ort therapeutischer Intervention zu sehen. Er ist wahrscheinlich die am ältesten gewordene frühe Ikone der Familientherapie. Und wie alle Pioniere jener Zeit, beschäftigte er sich mit Schizophrenen und deren Familien. Er vertrat dabei eine mehrgenerationale Familientherapie, dessen Konzept für familiäre Gesundheit, im ausgewogenen Geben und Nehmen zwischen Partnern und von einer Generation zur nächsten besteht. |
Sein theoretisches Konstrukt baut auf Werte, von denen wir heute nicht mehr sprechen – Vertrauen, Loyalität, Bindung, Treue - die aber dennoch als Mythen in unserem Zeitalter wirken. Anders hat es Ivan Boszormenyi-Nagy auch nicht gemeint: Familiäre Konflikte können unaufgelöst in die nächste Generation übertragen werden oder sogar eine Generation überspringen. Hiermit bietet Nagy gute theoretische Grundlagen für die Familienskulpturarbeit, wie sie vor allem von Virginia Satir und ihren Nachfolgern betriebenwird.
Metaphorisch lässt sich das Konstrukt der unsichtbaren Loyalitäten aber auch gut auf Paare oder auf Kinder/Eltern in getrennten Familienformen anwenden: Wie oft reden wir von Kindern, die den getrennten Eltern loyal bleiben wollen und sich selbst dadurch schaden oder von Eltern, die ihre Schuldgefühle in die nächste Liebesbeziehung mitnehmen.
Wenn Boszormenyi-Nagys therapeutisches Wirken sich wohl eher auf die Kernfamilie beschränkt hat, ist die kontextuelle Therapie (so ihre Bezeichnung in der systemischen Fachwelt) in ihrem konzeptuellen Wert heute sicher nicht überholt.
1957 begründete Nagy das "Eastern Pennsylvania Psychiatric Institute (EPPI)", wo er lange mit dem Sozialarbeiterin Geraldine Spark zusammenarbeitete. Hier entstand sein bekanntestes Werk: Invisible loyalties: Reciprocity in intergenerational family therapy (Boszormenyi-Nagy & Spark, 1973). Seit der Auflösung dieser Institution entwickelte Nagy sein Modell weiter, 2004 erhielt er von der EFTA (European Family Therapy Association) am systemischen Kongress in Berlin eine besondere Ehrung für seineVerdienste im systemischen Feld.
Corina Ahlers