Jay Haley: 19. 7. 1923 – 13. 2. 2007 |
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Jay Haley ist gestorben. Wieder tritt ein ganz Großer ab. Seine Zusammenarbeit mit Bateson, Erickson, Minuchin, sein Wirken am MRI und am Family Therapy Institute gemeinsam mit seiner Frau Cloe Madanes ist legendär. Ich möchte hier aber nicht seine Bedeutung für die Psychotherapie würdigen, sondern direkt für meine Arbeit. Ich kannte ihn nicht persönlich, sondern nur über Mittelspersonen und über seine Bücher, in denen er z.B. auf faszinierende Weise den Eltern wieder Macht gab und sie den Ärzten nahm („Ablöseprobleme Jugendlicher") bzw. in witziger, sehr kundiger Art erklärte, wie ein Zimmermannssohn aus einer unbedeutenden Kleinstadt in einem unbedeutenden und dazu noch besetzten Land so eine Kirche aufbauen konnte („Die Jesusstrategie"). |
Macht ist kein Mythos, sondern real. Diese Klarheit in der Vermittlung war mir in meinen ersten Erkundungen systemischer Therapie enorm hilfreich (Strategien des „up" Seins) und dann doch zu schwer, weil ich die Verantwortung, die ich damit verbunden sah, nicht tragen wollte und konnte. Die Diskussion über sein Verständnis von Macht begann schon mit Bateson. Die Kybernetik II legte ihn ad acta. Von nun an war „Macht" eine Sichtweise, deren Nutzung den Handelnden in einen Irrtum verfrachtete. Levold belebte in der deutschsprachigen systemischen Szene die Diskussion mit viel Gewinn vor 6 Jahren neu, der jetzt viel diskutierte Haim Omer könnte Haleys Schüler sein. Die Diskussion hält an und scheint sehr hilfreich zu sein. Der Streit zwischen Kybernetik I und II löst sich auf.
In diesen letzten Jahren erlebt Haleys Verstehen eine ungeahnte Renaissance. Er hat uns sehr viel Halt gegeben, Möglichkeiten eröffnet und teils sehr erbitterte Kontroversen eingeleitet. In den Diskussionen um seine Arbeit lebt er weiter.
Joachim Hinsch